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Dies ist der erste Supermarkt für Lebensmittelreste

Dies ist Berlins erster Supermarkt für gute Reste: Nachhaltig, ökologisch und genießbar sind die Lebensmittel in 'SirPlus', auch wenn sie vorher niemand mehr haben wollte.

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SirPlus Lebensmittel Reste
© sirplus.de/blogs

In Österreich landen pro Jahr rund 760.000 Tonnen Lebensmittel im Müll. Dies sagt eine Studie des Österreichischen Ökologie-Instituts von 2016. Und in dieser Zahl ist nicht einmal alles erhalten! Es fehlen noch die Abfälle der Landwirte, des Großhandels und der Lebensmittelproduktion. Man kann und will sich gar nicht vorstellen, wie groß die Menge wäre, hätte man alle Bereiche zusammengerechnet. Während aber rund ein Drittel der produzierten Lebensmittel weltweit entsorgt werden, verhungern Menschen.

Traurig ist auch, dass ein Viertel der heimischen Gemüse- und Obsternte verloren gehen, weil die produzierten Lebensmittel nicht den optischen Vorgaben des Marktes entsprechen. Die Witze über die EU und krumme Gurken sind längst alle ausgelacht, doch das System bleibt trotzdem bestehen: Hässliches Gemüse, das nahrhaft, gesund und wertvoll ist, wird weggeschmissen. Anstatt, dass wir uns um den 'Welthunger' kümmern würden, kaufen wir keine angequetschten Äpfel und Birnen. Das ist nicht sehr nachhaltig!

Egal ob hässlich: Jedes Gemüse ist wertvoll!

Wir müssen ehrlich sein: Der Fehler liegt nicht nur in der Industrie, sondern auch in uns selbst! Fast jeder und jede von uns hat schon einmal ein Obst zurückgelegt, das ein wenig unrunder aussah, als die anderen. Oder wir haben sicherlich alle schon mal ein Joghurt weggeworfen, weil es abgelaufen war. Und das, obwohl es bewiesen ist, dass Joghurt bis zu 10 Tage länger haltbar ist, als das Mindesthaltbarkeitsdatum sagt.

Raphael Fellmer, Alexander Piutti und Martin Schott haben beschlossen, etwas gegen die Misere zu tun. In Berlin eröffnete vor Kurzem ihr Supermarkt 'SirPlus', der einem ganz vorbildlichen Konzept folgt: Sie kaufen Lebensmittel, die niemand mehr haben wollte und verkaufen sie um 30, bis 70% billiger. Das sind nicht nur krumme Karotten, bräunliche Bananen oder fleckige Zucchini, sondern auch abgelaufenes Essen. Sorgen muss man sich aber bei letzterem keine machen, denn eine Expertin für Lebensmittelhygiene überprüft die Produkte.

"Jedes einzelne Lebensmittel hat es verdient gegessen zu werden.", sagte Raphael Fellner in einem Interview mit der BZ. Und damit das auch passiert kaufen die drei Männer ihre Produkte bei Großhandeln, Logistikunternehmen und von Landwirten. Damit nehmen sie aber den Tafeln, also gemeinnützigen Organisationen, die überschüssiges Essen n Bedürftige weitergeben, nicht weg. Ganz im Gegenteil: Auch sie spenden 20% ihrer Lebensmittel genauso solchen Organisationen.

Nachhaltiges Denken im Alltag.

Und damit ihr schönes Konzept auch in die moderne Welt hineinpasst, hecken die Drei schon neue Pläne aus, wie etwa die Expansion in ganz Deutschland. Aber zuerst wird der Online-Lieferdienst gestartet, damit auch Vielbeschäftigte am fairen Shoppen teilhaben können. Schade, dass es so einen Markt nicht auch in Österreich gibt, aber wer weiß, vielleicht haben die Berliner Herren schon bald eine Welle losgelöst, die auch uns erreichen wird.