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Ein Zahnarzt verrät: So hältst du deine Zähne gesund

In unserer neuen WOMAN-Serie zum Thema Gesundheit, verraten wir euch, welche Dinge euch ein Facharzt oder eine Fachärztin verbieten würde.

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Ein Zahnarzt verrät: So hältst du deine Zähne gesund
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Kurz vor der jährlichen Kontrolle oder bei der Vereinbarung des Mundhygiene-Termins kommt es uns plötzlich wieder: Wir sollten mehr auf unsere Zahngesundheit achten! Viel zu oft vergessen wir nämlich Zahnseide, putzen schlampig oder ignorieren so manche Schmerzempfindlichkeit. Dabei sind wir dann immer ganz schön froh, wenn der Zahnarzt oder die Ärztin bei der Kontrolle nichts zu beanstanden hat. Doch was sind eigentlich die typischen Fehler, die die meisten von uns bezüglich ihr Zahngesundheit machen? Auf welche Gewohnheiten der PatientInnen müssen Zahnärzte oder Ärztinnen immer wieder aufmerksam machen? Wir haben Dr. Claudius Ratschew, Pressereferent der österreichischen Zahnärztekammer gefragt.

Du benutzt keine Zahnseide

"Die Verwendung von Zahnseide wird leider oft vernachlässigt. Zahnseide ist aber sehr wichtig, um die Kontaktpunkte in den Zahnzwischenräumen zu reinigen. An die kommt man mit der Zahnbürste nämlich nicht ran. Beim Röntgen findet man daher bei vielen Patientinnen und Patienten Karies in den Zahnzwischenräumen. Das ist ein weit verbreiteter, großer Fehler, der gemacht wird. Zahnseide ist von enormer Wichtigkeit – mindestens genauso wichtig wie die Zahnbürste."

Du lässt dir fehlende Zähne nicht ersetzen

"Wovon ich jedem Patienten oder jeder Patientin abraten würde – und das sage ich, weil ich seit 30 Jahren täglich mit den Folgen konfrontiert werde – ist: Wenn ein Zahn verloren geht, dann muss der Zahn in 100 Prozent der Fälle ersetzt werden. Das gilt natürlich nur für Erwachsene. Wenn man einen Stockzahn verliert – und das passiert relativ häufig – dann muss er unbedingt ersetzt werden. Viele sagen sich: "Das ist da hinten, das sieht niemand". Das kann weitreichende Folgen haben. Wenn ein Zahn im Gebiss verloren geht, funktioniert die Zusammenarbeit aller Zähne nicht mehr. Die Nachbarzähne kippen, der Gegenkiefer-Zahn tritt heraus und im Laufe der Zeit werden auch die Kiefergelenke geschädigt. Jeder Zahn hat eine wichtige Funktion, die nicht übersehen werden darf. Patientinnen und Patienten kommen dann oft mit schiefen Zähnen oder Kiefergelenksbeschwerden in die Praxis – das Ganze ist dann nur noch mit einem riesen Aufwand zu beheben.

Du putzt deine Zähne gleich nach dem Essen

"Grundsätzlich sollte man zwischen der Nahrungsaufnahme und dem Zähne putzen eine halbe Stunde vergehen lassen. Ich würde also davon abraten, die Zähne unmittelbar nach einer Mahlzeit zu putzen. Im Zuge der Nahrungsaufnahme – besonders bei Lebensmittel mit Säuren – kommt es zu einer leichteren Verwundbarkeit des Zahnschmelzes. Nach einer halben Stunde können die Zähne aber ohne Bedenken geputzt werden. Wer es in der Früh eilig hat, sollte die Zähne VOR dem Frühstück putzen. Hier können zum Beispiel abgestorbene Mundschleimhautzellen sehr gut entfernt werden. Nach dem Frühstück sollte aber der Mund zumindest ausgespült werden, damit die Säuren und Kohlenhydrate nicht auf den Zahn einwirken können."

Du fragst deinen Zahnarzt/Zahnärztin nicht, welche Zahnbürste für dich geeignet ist

"Nicht nur beim Putzen werden Fehler wie zu festes oder zu lockeres Aufdrücken gemacht, sondern viele Menschen wählen auch eine Zahnbürste mit – für sie – zu weichen oder zu festen Borsten. Es werden also oft Zahnbürsten verwendet, die für die jeweiligen Patientinnen und Patienten nicht gut geeignet sind. Ich würde empfehlen, den Zahnarzt oder die Zahnärztin zu fragen, welche Borsten für die eigenen individuellen Bedürfnisse geeignet wären.

Beim Zähne putzen gilt die sogenannte "Rot-Weiß-Technik" zu beherzigen d.h die Zähne vom Zahnfleisch bis zur Zahnspitze abrollend zu reinigen. Um sich genau zu informieren – oder sein Wissen aufzufrischen – wie man seine Zähne richtig putzt, empfiehlt es sich eine Prophylaxe-Sitzung beim Zahnarzt oder bei der Zahnärztin zu vereinbaren. Speziell ausgebildete Prophylaxe-Assistentinnen oder Assistentin zeigen den Patientinnen und Patienten die richtige Putztechnik und führen vor, wie man Zahnseide richtig verwendet. Ich empfehle elektrische Zahnbürsten, weil der Bürstenkopf zum einen sehr klein ist und man alle Stellen gut erreichen kann. Zum anderen hat die elektrische Zahnbürste Vorteile aufgrund ihrer Bewegung – so könnte man seine Zähne mit einer Handzahnbürste niemals reinigen. Die Putztechnik ist also bei einer elektrischen Zahnbürste nicht nur eine bessere, sondern auch eine effizientere."

Du bestellst dir Bleaching-Kits aus dem Internet oder gehst in eine Bleaching-Bar

"Das Bleaching ist ein Vorgang, der mit sehr viel Fachwissen durchgeführt werden muss. Es handelt sich hier um keine medizinisch notwendige, sondern um eine kosmetische Behandlung. Ich würde dringendst davon abraten, irgendwelche Bleaching-Sets im Internet zu bestellen oder auch ohne zahnärztliche Aufsicht die Zähne zu bleichen. Ich würde auch dringend davon abraten, sich die Zähne in irgendwelchen Kosmetik-Studios bleachen zu lassen. Dort wird nämlich ein ganz wichtiger Faktor vernachlässigt: Die vorherige, zahnärztliche Untersuchung. Das Bleaching ist ein chemischer Eingriff in die Zahnsubstanz, das ist nichts Harmloses. Nur der Zahnarzt oder die Zahnärztin kann einschätzen, welche Behandlung empfehlenswert ist und ob das Bleachen für den jeweiligen Patienten oder die Patientin geeignet ist. Das Bleachen selbst sollte natürlich auch vom Zahnarzt oder der Zahnärztin durchgeführt werden. "

Themen: Zähne,