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Sexuelle Belästigung: Dieses Kleid zeigt, wie oft Frauen im Club begrapscht werden

Die Trägerinnen des Kleides wurden nach nicht einmal fünf Minuten begrapscht - und das Video dazu ist unfassbar unangenehm. Warum wir aber trotzdem kein "Smart Dress" brauchen sollten, um sexuelle Belästigung im Club aufzuzeigen...

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Sexuelle Belästigung: Dieses Kleid zeigt, wie oft Frauen im Club begrapscht werden

Sexuelle Belästigung: Ihr hättet uns auch einfach fragen können...

© Screenshot / Schweppes

Frauen zur Abwechslung einfach mal zu ZUZUHÖREN und zu glauben , dass wir schlicht und ergreifend regelmäßig sexuell belästigt werden - in den verschiedensten Situationen - scheint für einige Personen nicht genug zu sein.

Ist "Dress for Respect" der falsche Weg?

So kam es, dass der Schweizer Getränkehersteller Schweppes gemeinsam mit der Agentur Ogilvy Brasil die Kampagne "Dress for Respect" startete. Eh nett. Rauf auf den #MeToo-Zug, um die Debatte um Sexismus und Diskriminierung bestmöglich zu kommerzialisieren. Wir können es ihnen noch nicht einmal verübeln. Es hat immerhin schon genügend Marken gegeben, die Feminismus zu ihren Gunsten zu nutzen versuchten.

Dass die Kampagne aber tatsächlich aus sexueller Belästigung Geld schlagen will und genau das hervorhebt, was Frauen seit Ewigkeiten predigen, ist trotzdem bezeichnend. Brauchen wir wirklich ein magisches Kleid, um Männern zu zeigen, womit sich Frauen im Club (und eigentlich überall) herumschlagen müssen? Waren wir bisher nicht deutlich genug? Nicht laut genug? Und überhaupt: Muss dieses Respect-Dress wirklich ein hautenger Glitzerfetzen sein? Wäre eine Respect-Jeans, ein Respect-Leiberl nicht ausreichend gewesen? Suggeriert das Kleid nicht erst recht, dass man mit auffallender Kleidung eher Opfer dieser ungewollten Aufmerksamkeit wird? Wir wittern jedenfalls Victim-Blaming allererster Güte. Und eine letzte Frage: Was hat das alles mit Schweppes selbst zu tun? Sind Schweppes-trinkende Männer weniger mysogin? Sind Schweppes-trinkende Frauen immun gegen grausige Grapscher?

Frauen brauchen kein Kleid, um zu beweisen, dass uns irgendein grindiger Typ im Club angeprapscht hat. Und Männer sollten keines brauchen um zu wissen, dass so ein Verhalten inakzeptabel ist. Wir wiederholen uns: Anstatt ausgeklügelter Technologien hilft manchmal schon eines: Zuhören!

Symbolischen Wert hat die Kampagne aber allemal; weshalb auch wir sagen: Wir nehmen mittlerweile ALLES was hilft, damit die Welt endlich versteht, dass bei uns noch immer einiges gewaltig schief läuft.

Wie funktioniert das Kleid?

In dem präparierten Kleidern sind Sensoren angebracht, die Berührungen registrieren. Diese sind wiederum mit einem Computer verbunden, der die Berührungen in Echtzeit anzeigen kann. Außerdem aufgezeichnet werden die Stärke der Berührungen.

Schweppes-Kampagne "Dress for Respect": Die Ergebnisse

Eingekleidet in diesem speziellen Outfit schickte man drei Frauen ins Nachtleben São Paulos. In weniger als vier Stunden wurden die drei insgesamt 157 Mal berührt. Das ist mehr als eine Berührung alle fünf Minuten. Die meisten Grapscher gingen an die Arme, den Rücken, die Schultern und die Hüfte.

Das Kampagnen-Video

Technologien, um sexuelle Belästigung zu melden

Das Kleid ist nicht das erste Beispiel, bei dem Technologie dafür benutzt wurde, (sexuelle) Belästigung aufzuzeigen. So gibt es beispielsweise die künstliche Intelligenz "talktospot", bei dem sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz gemeldet werden kann. (Die nimmt übrigens laut dem aktuellen Arbeitsklima Index der Oberösterreichischen Arbeiterkammer stetig zu.) Der Bot stellt eine Reihe an Fragen. Dieser Report kann dann gespeichert werden und gegebenenfalls weitergeleitet werden. Auf der Hollaback!-App können NutzerInnen wiederum ihre Geschichten rund um Belästigung auf der Straße teilen und sichtbar machen. Und natürlich: Über sexuelle Belästigung zu sprechen, ohne das #MeToo-Movement zu erwähnen, ist fast unmöglich.

Die Betroffenen sexueller Belästigung hatten lange Zeit gar keine Chance ihre Geschichten so öffentlich und weitflächig zu verbreiten, weshalb es sicher ein großer und richtiger Schritt ist, Kampagnen wie die von Schweppes zu sehen. Wenn wir verhindern möchten, dass Belästigungen in der Zukunft stattfinden, müssen wir alle davon überzeugen, dass es jetzt passiert. Noch immer passiert. Jeder, der sich weigert, die große Verbreitung des Problems anzuerkennen, muss sich das Video "Dress for Respect" ansehen.