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Ich muss mich rechtfertigen, weil ich dünn bin.

Bodyshaming betrifft meist kurvige Frauen. Doch auch dünne Frauen müssen sich für ihre Figur rechtfertigen. Nur spricht darüber kaum jemand.

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Diskriminierung gegen dünne Mädchen und Frauen

"Ich muss mich für meinen Körper rechtfertigen. - Und zwar oft."

© Thinkstock Images. Pic by brown54486

Dieser Artikel wird polarisieren. Seit Jahren wird vehement eingefordert, dass Frauen mit rundlichen Figuren zu ihrem Körper stehen sollen, Kurven schön sind und wir uns ihrer nicht mehr schämen sollen. Es ist mittlerweile – glücklicherweise – indiskutabel, Mollige wegen ihrer Rundungen zu dissen. Aber wie sieht es mit dünnen Frauen aus? Ist es moralisch akzeptabel, sie wegen ihres Körpers anzumachen?

Wer schlank ist, wird schnell als "magersüchtig", als "krankhaft dürr" dargestellt. Als "Hungerhaken" bezeichnet zu werden, kann genauso schmerzhaft und beleidigend sein, wie als "Moppelchen" denunziert zu werden.

»"Was ist mit den fitten und gesunden Leuten, die sich rechtfertigen müssen, weil sie in ihrer Mittagspause nur einen Salat essen?"«
Eine Diskussion zwischen Radiomoderatorin Chrissie Swan und Fitness-Coach Sharny.

„Ja, mein Gott... dünne Frauen sind ja so arm“, werden sich jetzt einige von euch denken und dabei mit den Augen rollen. Wo wir schon beim Thema sind: Diskriminierung von dünnen Menschen passiert jeden Tag. Im eigenen Freundeskreis, in der Social-Media-Welt oder einfach in unseren Köpfen. Man sagt zur eigenen besten Freundin: „Sei doch froh, dass du so dünn bist." Und lästert über andere: „Ein Windstoß und sie fliegt davon“. Niemand denkt darüber nach, dass solche Aussagen für die betreffende Person sehr verletzend sein können. "Obwohl" sie dünn ist.

Auf Instagram lese ich unter den Fotos von schlanken Frauen häufig Kommentare wie „Gebt der Armen einen Cheeseburger". Fast scheint es, dass es „normal“ geworden ist, Schlanke für ihre Figur zu verurteilen. Begriffe wie „Magersucht“ und „Bulimie“ sind unter Fotos dünner Frauen keine Seltenheit. Dabei sehen die Frauen häufig ganz normal aus, sind sportlich und gesund.

»"Männer stehen auf Frauen, an denen etwas Fleisch dran ist. So findest du keinen."«

„Ich war schon als Kind sehr dünn. Auch später habe ich nur schwer zugenommen“, sagt Martina (43) aus Graz. „Im Moment wiege ich bei 1,65 m nur 49 Kilo. Es ist wirklich kränkend, wenn Leute ständig meinen, ich wäre magersüchtig." Freundinnen und Verwandte reiten seit Jahren immer wieder auf ihrem Gewicht herum. "Männer stehen auf Frauen, an denen etwas Fleisch dran ist. So findest du keinen!“ Nur eine von vielen Beleidigungen, die sich die geschiedene 2-fache Mutter regelmäßig anhören muss. Martina: „Die Leute wollen einfach nicht verstehen, dass es nicht meine Absicht ist so dünn zu sein. Ich esse ganz normal und habe noch nie eine Diät gemacht."

Ja, es ist so. Designer schicken nach wie vor extrem dünne Models über den Catwalk. Der Verdacht, dass sich diese jungen Frauen auf Size Zero hungern, liegt nah.
Aber muss deswegen gleich jede schlanke Frau automatisch dem Magerwahn verfallen sein? Und außerdem: Wenn ein Mädchen wirklich an Magersucht oder Anorexie leidet - müssen solche Kommentare dann nicht noch mehr treffen und schmerzen? Braucht sie dann nicht eher Hilfe als Häme?

Diskriminierung von dünnen Menschen ist - wie auch jene rundlicher Menschen - real und alltäglich. Sollten wir nicht endlich aufhören, in Schablonen zu denken und andere mit unseren Vorurteilen zu beleidigen.

Auch in zu unserem Artikel "10 Dinge, die du zu dünnen Frauen nie sagen solltest" haben Leserinnen von ihren Erfahrungen mit derlei Vorurteilen berichtet.

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