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Diviner Klub-Kuss

Eigentlich wollte Erotik-Kolumnistin Anna Dichen das Verhalten paarungswilliger Männer recherchieren. Die Essenz der Ermittlung: Ein diviner Kuss einer Frau. Hier ihr Bericht:

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Zwei Frauen in aufgeheizter Stimmung
© Thinkstock

Ich, Göttin der Neuzeit, beschließe, temporär in einem NightDanceClub verdeckt zu ermitteln (pseudo-arbeitender Weise). Inhalt meiner Recherche: das Verhalten 20- bis 35-jähriger paarungsbereiter Individuen beim Flirten und Anpirschen.

Erste Erkenntnis: Es existiert eine Korrelation zwischen vergehender Zeit, steigendem Alkoholpegel und erhöhter Bereitschaft zu zwischenmenschlicher Körperlichkeit in der Gruppe der Beobachtungs-Probanden. Dröhnend heftige Musik verleitet Männlein und Weiblein zusätzlich, ihre Körper und Becken hitzig antanzend an- und ineinander einzudrängen. Eine Scheinkopulation sondergleichen.

Obschon nur als Beobachterin zugange, wird die liebreizend Göttin plötzlich selbst Teil und Opfer dieser paarungsfördernden Dynamik (und es kommt so oft anders im Leben, als göttin denkt…!):

Mein Blick schweift durch die hormongesteuerte Menge und bleibt an einer dunklen Schönheit und einem recht feschen Manne kleben, welchen sich die Beauty nach kurzer, angewiderter Konversation (körpersprachlich und mimisch erkennbar) vom Leibe halten möchte. Unversehens wandern ihre Augen in meine Richtung. Es entsteht eine urplötzliche Energie zwischen zwei Göttinnen, die einem auf höherer Ebene befindlichen Ur-Verständnis für den elenden Weltschmerz gleichkommt und abgesegnet wird durch ein lapidares, divines Einander-Zu-Lächeln.

Mein göttlich Herz hüpft vor Neugierde vor dem Unbekannten! Als der Mann das Lokal verlässt, serviere ich der fremden Schönheit ein Gläschen Wasser, zumal sie (gangartlich erkennbar) etwas damenspitzlich unterwegs zu sein scheint. Ich erkundige mich nach ihrem Befinden.

Offenkundig ausgezeichnet. „Was magst Du trinken?“, fragt sie MICH im kokett flirtenden Tone. Und ich verdattere sogleich vor mich hin: Noch nie zuvor hat mich das eine Fremde gefragt. Eine Frau. Eine derart prächtige Göttin, für die ein jeder Mann seine Rolexsammlung opfern, die Porsche-Liebhaberei aufgeben, ein Pizza-Verzehr-Verbot auf Lebenszeit in Kauf nehmen und seine Lieblings-Fußballmannschaft sprengen würde! Natürlich lasse ich mich auf der Göttin Drinkanbot ein!

„Du bist so anders als diese Anderen hier, nicht so eine Tussi“, sagt sie und rückt mir verdächtig nahe. Drückt mich mit ungeahnter Kraft an die Wand, in die Ecke! Ich bin Opfer! Volontär! Und als sie ihre warmen Lippen an mich zu pressen sucht, rufe ich zur Räson: „Meine Liebe, ich arbeite hier, wenn das nur mein Chef sieht!“ Verzweifelt – und doch unglaubwürdig (am Tonfalle erkennbar). Da lächelt sie und nimmt unbarmherzig einen gezielten zweiten Kuss-Anlauf.

So schmiegten sich unsere weichen Lippen ineinander, heiß, ergebend, erhebend bebend, sinnlich, süßest, auf ästhetisch GÖTTLICHER Sphäre. Unvorstellbar für jedwede männliche Vorstellungskraft. Himmel auf Erden. Ohne Bärte. Und wir ‚flogen‘ gemeinsam high up gen den Olymp der verbotenen Sinne.

Für den Rest der Arbeitszeit in diesem Klub mochte ich nicht mehr die hormonell bedingten Bewegungen Anderer verfolgen, nichts mehr ‚recherchieren‘...

Alles erschien primitiv im Vergleich zu meinem divinen Erlebnis. Ich schwärmte also schwebend vor mich hin, mit einem schier ewig während Lächeln. Verzaubert, erfreut und geehrt, einen Göttinnenkuss fürs Leben hinzugewonnen zu haben.

Bis zur nächsten divinen Odyssee, meine lieben gleichgesinn(lich)ten GöttInnen! Mögen wir ab und an etwas easier und entspannter durchs Dolce Vità schweben und uns nur noch selten Ungöttlichkeiten wegen grämen!

Thema: Sex-Kolumne

Kommentare

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Von A-Z erfunden. Aber einladen lässt sie sich prinzipiell, bessergesagt, sie lädt sich selber ein.

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Übrigens, Leo M. Bauer: Du bist der beste Regisseur auf der Welt !!!