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Dolce & Gabbana verkauft Pasta für 95 Euro. Warum?

Die überteuerten Pasta-Produkte des italienischen Modehauses regen zum Nachdenken an: Warum werden lebensnotwendige Dinge zu einem Luxusgut?

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Dolce & Gabbana verkauft Pasta für 95 Euro. Warum?

Bei dem Preis sollte sie uns direkt nach Italien katapultieren.

© instagram.com/pastadimartino

Wir würden vermutlich nie in einem bodenlangen Haute-Couture Kleid samt Diadem auf dem Kopf auf einem Gemüsemarkt antanzen, aber Dolce & Gabbana wollte all das ändern, indem sie in ihrer Frühjahrs/Sommer Kollektion 2018 ein bisschen Glitzer und Glamour in den langweiligen, italienischen Alltag am Land bringen. Bei einem Look schlenderte ein Model in einem wunderschönen ausgestellten Kleid den Laufsteg hinunter. In der einen Hand trug sie ein Netzbeutel, in welchem sich frische Petersilie befand. Ein anderes Model präsentiert stattdessen frische Karotten als Ohrringe. Etwas skurril, aber nichts Neues bei einer exzentrischen Modenschau. Nun stellt sich heraus, dass Dolce & Gabbana nicht mehr nur Kleidung, sondern auch Essen verkaufen wollen.

Das italienische Modehaus hat sich mit dem berühmten Pasta-Hersteller „Pasticifico di Martino“ zusammengetan, um eine limitierte Pastaedition auf den Markt zu bringen. Rund 5000 Nudel-Boxen sind erhältlich. Laut „Business of Fashion“ wurde „Pastificio di Martinos“ Rezept von den beiden Designern aber nicht verändert. Warum kostet eine Box dann 95 Euro?

Purer Luxus oder Kritik an der Konsumgesellschaft?

Während Demna Gvesalias Designs für Vetements und Balenciaga alltägliche Dinge, wie DHL-Shirts und Ikea-Taschen in Luxusobjekte verwandelt, um auf unsere verrückte Konsumgesellschaft aufmerksam zu machen, können wir bei Dolce & Gabbana davon ausgehen, dass ihre Luxuspasta kein Scherz ist, sondern in der Tat Luxus. Sie wollen mit dieser Kollaboration nicht zum Nachdenken anregen, sondern eher zum Verzehr von überteuerten Weizenprodukten.

Auch Tiffany & Co.s sogenannte „Pappteller“ aus Sterling Silber werfen unweigerlich die Frage auf: Wie kann es sein, dass Alltagsgenstände und Nahrungsmittel, die zum Überleben wichtig sind zu Luxusartikel werden?

Aber unabhängig von der Absicht – um sich über den Kapitalismus lustig zu machen oder nicht – unterscheiden sich diese Labels überhaupt nicht voneinander. Sowohl Vetements als auch Dolce & Gabbana und mittlerweile auch Chanel, Tiffany und Christopher Kane wandeln alltägliche Dinge in Luxusgüter um, indem sie ihr Logo darauf setzen und davon profitieren. Nicht vom Produkt selbst sondern von einem Alltagsgegenstand, an dem ein Designerpreisschild hängt.

Am Ende ist es egal, ob die Pasta den Namen „Dolce & Gabbana“ trägt oder nur „Pasticifico di Martino“, schmecken tut sie genau gleich, denn das Rezept wurde ja nicht abgeändert. Genießt also eure Nudeln, egal ob sie vom Discounter oder Designer stammen. Und eure 2000 Euro teure Balenciaga „Arena“ wird wahrscheinlich genauso viel Kram lagern können, wie das Ikea-Original „Frakta“ um 1,50 Euro. Nur mit dem luxuriösen Gefühl eine Designertasche zu besitzen, kann Ikea leider nicht mithalten.

Thema: Internet-Hype

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