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Dominic Heinzl im WOMAN-Interview

Dominic Heinzl: Seit 20 Jahren krebst er täglich auf Societypartys herum. Weil’s sein Job ist! Mit uns sprach der "Chili"-Anchor über Körperkult, die Zeit im Knabenseminar, sein Faible für die Kirche und Karrierepläne.


Dominic Heinzl im WOMAN-Interview

Wir haben noch nicht mal unsere erste Frage zu Ende formuliert, springt Society-Hai Dominic Heinzl, 48, schon vom Sessel: "Ich mache keine Interviews zu Chili, laufenden Verhandlungen, Zukunft, Vertragsbedingungen etc. Wenn das der Grund dieses Gesprächs ist, sind wir schon fertig!", schnaubt er und hat schon seine Autoschlüssel in der Hand. Wo er jetzt hin will, wollen wir wissen. "Ins Stadion zur Spielübertragung von Österreich gegen Kasachstan. Dort sind die ganzen Fußball-VIPs", sagt er und erzählt von seinem arbeitsreichen Tag. "Ich komme gerade aus dem Waldviertel, wo ich mit Niki Ofczarek, Robert Palfrader und Raimund Wallisch die Drehorte zu Braunschlag abgegangen bin. Am Felsen, wo die Marienstatue stand, hängt inzwischen ein Protestschreiben von beleidigten Gläubigen, die ein Mahnmarterl postiert haben. Sie wünschten, Fernsehen hätte mehr Geist". Und während Heinzl begeistert davon erzählt, dass zwei steirische Unternehmer den Ausflug mit den Braunschlagern im Rahmen seines Promiflohmarkts ersteigerten ("An einem Aktionstag nahmen wir 167.810 Euro ein, die wir den Sozialmärkten zur Verfügung stellen"), hat er auch gleich seinen Unmut von vorhin vergessen. Und setzt sich wieder...

WOMAN: Herr Heinzl, warum wollen alle Promis nur noch Charity machen?

Heinzl: Wer in der Öffentlichkeit steht, sollte sich irgendwann einem Projekt widmen. Weil ich soviel mit Reich und Schön zu tun habe, habe ich mir diejenigen ausgesucht, denen es schlechter geht. Die von 500 Euro im Monat leben müssen.

WOMAN: Sie sprechen's gerade selbst aus: Auch Sie sind ein Promi! Was, wenn Leute Sie mit der Handykamera knipsen oder Autogramme wollen?

Heinzl: Wenn sie mich – wie kürzlich im Restaurant – höflich fragen "Darf ich Sie fotografieren?" sage ich natürlich nicht nein. Unerwünscht sind nur die, die aus der Hüfte schießen. Aber die meisten sind eher reserviert. Im Fitnesscenter schauen mich die Leute oft mit dem "Ich kenn dich"-Blick an, aber angequatscht werde ich selten. Es ist ja nix peinlicher, als wenn du unter der Dusche stehst und dann kommt einer "Übrigens, ich hab da einen Event..." (lacht)

WOMAN: Ins Fitnessstudio gehen Sie ja fast jeden Tag. Außerdem sind Sie für Ihr Alter sehr juvenil gekleidet und frisiert.

Heinzl: Ich kann nix dafür, dass mir immer noch die Haare wachsen. Anderen gehen sie aus. Den Friseuren sagte ich immer: "Macht damit, was ihr wollt!". Dieses Vertrauen habe ich – und auch alle Entwicklungen durch: Streichholzkurz, rot, gestreift. Style-Ikone Barbara Reichard färbte mir die Haare mal schwarz. Das passte mir nicht. Mittlerweile bin ich fix bei Ines Schaider. Die blondiert mich und meint: "Das ist noch das Beste, was dir steht!"

WOMAN: Wie schauen Sie eigentlich in der Früh aus?

Heinzl: Nicht so arg! Einmal durchs Haar gefahren, und alles ist in Ordnung. Im Bad brauche ich trotzdem länger als meine Freundin. Nach dem Trainierenmache ich nämlich immer ein Peeling. Ich gehe außerdem regelmäßig zur Maniküre und Pediküre, zupfe meine Augenbrauen, harze meine Achselhaare und entferne Härchen von Stellen, wo sie nicht hingehören. Aus der Nase brauchen sie wirklich nicht rauswachsen.

WOMAN: Lassen Sie auch botoxen und straffen?

Heinzl: Straffen ist beim Mann nicht nötig. Ich sättige meine Haut mit Feuchtigkeitscremen und hab auch eine Augencreme. Falten kommen trotzdem irgendwann. Aber tiefporige Fotos von mir brauch ich nicht. Ich hab ja kein Schluchtengesicht!

WOMAN: Müssen Sie schön sein, weil Sie im Fernsehen arbeiten?

Heinzl: Nein. Den Erfolg macht was anderes aus, sonst hätte es Dirk Bach nicht gegeben. Thomas Gottschalk ist auch keine Ausgeburt an Attraktivität. Es zählt die Persönlichkeit, ob der Zuschauer die Aura des Moderators mag.

WOMAN: Sie arbeiten sogar krank und gehen nur eine Woche pro Jahr in Urlaub. Können Sie nicht delegieren?

Heinzl: Mein ORF-Vertrag schreibt mir vor, dass ich täglich vor der Kamera stehe. Ich habe Kathrin Zechner zwei junge Kolleginnen als Ersatz vorgeschlagen. Eine Blonde und eine Brünette. Ich fand beide sehr hübsch. Zechner hat sie beide abgelehnt. Gründe hab ich nie erfahren. Vielleicht haben sie ihr typmässig nicht zugesagt. Ich hab auch jetzt ein Lifestyle-Format mit Servicecharakter pilotiert, wo ich die jungen als Moderatoren gerne nachrücken lassen würde.

WOMAN: Hängt Ihnen das Partygehopse schon zum Hals raus?

Heinzl: Wissen Sie welchen Spaß ich hatte, gestern mit Starkoch Heinz Hanner zu drehen oder am Tag davor Landeshauptmann Erwin Pröll bei einer Buchpräsentation über Weinkeller zu treffen und alle Gassen abzugehen? Das war echt eine Hetz'! Events mit C-Promis oder Fetzen-Geschichten überlass ich den Jungen, die sich erst eingrooven müssen. Ich suche mir die ansprechenderen, schwierigeren Events aus, wo Politiker sind und Schauspieler. Das macht nach wie vor Freude!

WOMAN: Apropos Weinkeller: Ihre Eltern waren Winzer in Hollabrunn. Haben Sie jemals Putten getragen?

Heinzl: (lacht) In welchem Jahrhundert leben Sie? Wir hatten schon einen Traktor! Aber klar musste ich auch mithelfen. Wir hatten 15 Hektar Grund.

WOMAN: Ihr Bruder Joe führt den Weinbau weiter. Warum bewerben Sie seine Weine auf "Chili" nicht so wie etwa bei Leo Hillinger? Produziert er nur Heckenklescher?

Heinzl: Da tue ich mir familienintern schwer. Darf ja nicht meinen Job dafür benutzen, um mich persönlich zu bereichern. Außerdem legt mein Bruder keinen Wert auf Öffentlichkeit. Nur bei meiner Charity half er mit und schenkte bei Ali Rahimi brav Wein aus. Sonst sehen wir uns nur zu Weihnachten. Er lebt mit seiner Frau und den drei Kindern in Retz.

WOMAN: Was tun die anderen Brüder beruflich?

Heinzl: Hans-Peter, das ist der Zwillingsbruder von Joe und ein Jahr jünger als ich, hat Landmaschinen: Mähdrescher, Traktore. Und der Jüngste, Mike, produziert Energiedrinks.

WOMAN: War Ihnen Hollabrunn immer schon zu klein und wenig glamourös, dass es Sie zur High Society zog?

Heinzl: Nein. Nach der Hak-Matura war ich ja zuerst Pop-Reporter, bevors zu Ö3 ging, wo ich 1992 ein eigenes Societyformat "Smalltalk" hatte. Meine Mitarbeiter waren Claudia Stöckl, Doris Schretzmayer, Robert Kratky und Hary Raithofer. Die gingen alle durch meine Schule. Aus allen ist was geworden!

WOMAN: Sie haben Raithofer angelernt? Der ist doch älter als Sie!

Heinzl: Nein, ein Jahr jünger. Aber er hat eine Glatze! (lacht)

WOMAN: Von zehn bis 14 waren Sie am Knabenseminar in Hollabrunn, wo es auch öfter sexuelle Übergriffe durch die Priester gab. Haben Sie das miterlebt?

Heinzl: Ja. Es gab das "Betthupferl". Man wurde in Pyjmahosen zum geistlichen Leiter gerufen und der wollte wissen, wie es um unsere sexuelle Entwicklung steht. Ich war in diesem Alter nicht besonders anlehnungsbedürftig, hatte auch nicht das Bedürfnis nach Beistand und Trost. Ich hatte auch keinen Teddybären im Bett. Ich habe mich immer aus der Umklammerung gewunden. Deshalb ließ er mich auch in Ruhe. Ich war wahrscheinlich nicht sein Typ. Ich war ein schiaches Kind (lacht schallend) . Naja, schiach...Das war ein Witz.

WOMAN: Was ist denn Ihr Antrieb im Society-Geschäft?

Heinzl: Ich hab das Privileg, dass ich wo hingehen darf und etwas erleben darf, was andere nicht erleben dürfen. Ich betrachte mein Publikum als meinen Stammtisch. Mit den Möglichkeiten des Fernsehens – also Bild und Sprache – erzähle ich meine Geschichte. Wenn ich in der Früh ins Studio komme, ist die Sendung ist wie eine unbebaute Wiese. Also fange ich an, Blümchen zu pflanzen, Beete anzulegen, Gehwege zu pflastern. Dieser kreative Prozess macht mir großen Spaß.

WOMAN: Bei ATV durften Sie frecher sein als beim ORF...

Heinzl: (unterbricht) Das ist eine Mär. Wenn ich Ihnen frühere ATV-Beiträge zeige und die mit aktuellen vergleiche, sind die heutigen viel besser. Die Vergangenheit wird viel glorifiziert. Bei ATV war ich der Pirat – outstanding, weil ich beim Privatsender war. Da ist man automatisch "böse". Und dann, wenn man zum ORF wechselt, gilt man gleich als angepasst. Nichts davon ist wahr. Ich reiß noch heute Unkraut aus, das sich in meinem Blumenbeet befinden.

WOMAN: Wenn Ihnen Promis Geheimnisse anvertrauen: Tangiert es Sie das noch emotional?

Heinzl: Ich habe nicht das Gefühl, das ich der große Geheimnisträger der Republik bin. Gehe jeden Tag mit einem sehr guten Gefühl schlafen und wache nach exakt sieben Stunden wieder auf. Aber sollte ich Albträume verursachen, dann entschuldige ich mich bei jedem. Ich schlief immer gut – in jeder Phase meines Lebens.

WOMAN: Können Sie sich auch jeden Tag in den Spiegel schauen?

Heinzl: Klar gehen manchmal Pointen auf Kosten eines Prominenten. Aber ich mache Unterhaltung! Und was glauben Sie, was ich alles aushalten muss. Allein die medialen Angriffe. Als ich bei ATV war, wurde ich geherzt und geküsst. Kaum mache ich das gleiche mit dem gleichen Team woanders, ist es nicht mehr gut genug! Wenn Neid der Faktor des Erfolges ist, muss ich wahnsinnig erfolgreich sein.

WOMAN: Wie gehen Sie mit öffentlichen Angriffen um?

Heinzl: So: (putzt sich die Schulter ab) Nach dem berühmten chinesischen Sprichwort. Das alles ist ja eine Teamleistung. Da sitzen sehr gescheite Menschen, aber auch ORF-Verantwortliche. Da war in drei Jahren noch nie einer, dem die Sendung zu schlecht war. Im Gegenteil! Sie wurde immer als sehr gut empfunden. Auch von den Zuschauern, die ja Noten vergeben dürfen – was die wenigstens wissen.

WOMAN: Sprechen Sie mit Ihrer Freundin Sonja Sarközi über Ihre Jobs? Sie ist ja Bankerin. Oder ist das Jobthema zuhause tabu?

Heinzl: Weil’s privat ist, wollen wir darüber nicht sprechen.

WOMAN: Wo haben Sie einander eigentlich kennengelernt?

Heinzl: Sonja hatte damals ihr Büro im gleichen Gebäude, wo ATV den Sender aufgebaut hat. Wir fuhren gemeinsam im Lift.

WOMAN: Sie sind seit 15 Jahren mit Sonja liiert. Könnten Sie sich auch vorstellen zu heiraten?

Heinzl: Warum sollten wir? Ich berichte so viel über Scheidungen. Der Hauptgrund, warum sich Menschen scheiden lassen, ist der, weil sie heiraten. Es funktioniert auch so sehr gut.

WOMAN: Sind Kinder ein Thema?

Heinzl: Kinder haben sich bis jetzt noch nicht ergeben. Aber wenn’s denn geht, warum nicht?!

WOMAN: Würden Sie eines adoptieren?

Heinzl: Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht. Geben Sie mir zwei Wochen, dann antworte ich spontan (lacht) .

WOMAN: Welche Talente und Interessen haben Sie, denen Sie bis jetzt zu wenig Aufmerksamkeit schenkten und mit denen Sie sich vorstellen könnten, Geld zu verdienen?

Heinzl: Ich habe gerade eine gute Idee, an der ich bereits arbeite. Aber die erzähle ich Ihnen hier nicht, sonst macht’s ja ein anderer vor mir. Ich muss erst die Infrastruktur schaffen. Die Immobilie dazu habe ich. Ich werde mich aber in keiner Weise beruflich verändern. Man kann ja auch nebenher andere Sachen machen...

WOMAN: Macht Ihnen die Finanzkrise Sorgen?

Heinzl: Ich bin in der glücklichen Lage, dass es mir immer gut gegangen ist. Kenne keine Existenzängste.

WOMAN: Woran glauben Sie?

Heinzl: Ich bin sehr gläubig. Das hat mit meiner Erziehung zu tun. Während der Messe las ich immer in einem Buch, in dem Geschichten von Menschen geschrieben standen, die Außerwöhnliches erlebt haben. Der Pilgerort Fatima zum Beispiel ist durchaus eine Sache, an die ich glaube. Ich verstehe Menschen nicht, die an nichts glauben. Es ist doch viel schöner, glauben zu dürfen! Man geht als Gläubiger leichter durchs Leben. Ich glaube auch, dass dieses Leben hier nicht alles ist, sondern dass danach etwas kommt. Ich bin überzeugt davon, dass man daran gemessen wird, wie man gelebt hat. Ich glaube an das, was die katholische Kirche predigt. Und auch wenn es altmodisch klingt: Es gibt nicht umsonst die zehn Gebote. Wenn man danach lebt, hat man es nach dem Tod wahrscheinlich besser. Ich versuche nach den Geboten zu leben. Mit der Betonung auf versuchen.

WOMAN: Gehen Sie regelmäßig beichten?

Heinzl: Das gehört dazu. Ich laufe aber nicht kerzerlschluckend durch die Gegend. Ich versuche ein guter Mensch zu sein und zu Weihnachten oder Ostern gehört es sich, dass man in die Kirche geht. Aber ich bin nicht jeden Sonntag dort.

WOMAN: Wann haben Sie das letzte Mal geweint?

Heinzl: Das klingt sehr vermessen, aber mein Leben ist so erfreulich, dass ich nie Grund zum Weinen habe. Bei einem Schicksal im Kinofilm, da kann’s aber passieren dass ich feuchte Augen bekomme.

WOMAN: Wissen Sie eigentlich, dass auf Google immer "Dominic Heinzl schwul" auftaucht? So wie bei Schauspieler Manuel Rubey – dem schmeichelt das sogar.

Heinzl: (lacht) Ich habe was anderes zu tun, als mich zu googlen – mich kenne ich ja. Was die anderen schreiben, ist mir wurscht. Ich bin diesbezüglich komplett uneitel. Seit ich in der Öffentlichkeit stehe, heißt’s, ich sei schwul. Es wundert mich, dass ich jetzt noch als schwul gelte – denn es ist kein Geheimnis, dass ich eine Lebensgefährtin habe. Außerdem bin ich doch eher mehr der Machotyp. Aber es stört mich nicht. Schwule sind gepflegte Männer – vielleicht rührt das ja da her. Ich habe aber nicht den Eindruck, dass ich mich besonders schwul anziehe oder mich schwul benehme. Ich bin eindeutig hetero und bekenne mich dazu! (lacht) . Aber ich kann’s natürlich nie allen recht machen.

WOMAN: Worauf schauen Sie bei Frauen?

Heinzl: Ob blond, ob braun: Frauen sind einfach schöner anzuschauen als Männer. Ich schaue immer auf die Hände. Aufgeklebte Fingernägel gefallen mir gar nicht. Ich mag gepflegte Frauen. Es gibt ja welche, die sich nicht pflegen. Beim Charakter merkt man dann eh, ob es passt. Die Summe macht’s aus.

WOMAN: Sonja hat diese gewisse Summe...?

Heinzl: Sie ist eine fantastische Frau. Außerdem eine starke Frau – das brauche ich. Ich habe lieber starke Frauen als anlehnungsbedürftige. Wenn eine Frau weiß, was sie vom Leben will, spricht mich das mehr an.
Das fordert Sie dann auch als Mann!

WOMAN: Wollen Sie Beschützer sein?

Heinzl: Ja, wahrscheinlich will ich das sein (lacht) .

HIER geht es zum WOMAN-Interview mit Dominic Heinzl nach der Prügel-Attacke von Sido .

Interview: Petra Klikovits, Sandra Jungmann