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Das Kaufhaus-Desaster des Trump-Teams

Weil eine Kaufhauskette die Kollektion seiner Tochter Ivanka aus dem Programm nahm, attackierte US-Präsident Trump die Firma auf Twitter. Und es wird noch absurder...


Das Kaufhaus-Desaster des Trump-Teams
© 2016 Getty Images

Man mag vom satsumaesken Donald Trump halten, was man möchte: Aber er ist ein Vater. Und als solcher verteidigt man seine Töchter. Reflexhaft.

Nur sind reflexhafte Ausbrüche nicht immer angebracht. Zumindest nicht, wenn man Präsident der Vereinigten Staaten ist. Und so wird Trump zum dritten Mal seit Amtsantritt offensichtlicher Amtsmissbrauch vorgeworfen.

Doch langsam. Was war geschehen?

Die amerikanische Luxus-Kaufhauskette Nordstrom (die über ihren Online-Shop auch nach Österreich liefert) hat die Kollektion von Präsidententochter und Unternehmerin Ivanka Trump aus dem Sortiment genommen. Damit versuche Nordstrom den Boykottaufrufen gegen Händler, die Produkte der Trump-Familie vertreiben, entgegen zu wirken, berichtet die "New York Times".

Trump: "Ivanka wurde von Nordstrom unfair behandelt!"

Hinter den Appellen, die im Internet unter dem Hashtag "GrabYourWallet" (Greif deinen Geldbeutel) laufen, steht eine Initiative von Gegnern des US-Präsidenten. Auch die Bekleidungsketten TJ Maxx und Marshalls gerieten hier ins Visier.

Zu viel für den US-Präsidenten, der seiner Empörung via Twitter Luft machte:

"Meine Tochter Ivanka wurde von Nordstrom so unfair behandelt. Sie ist ein so wunderbarer Mensch - sie bringt mich immer dazu, die richtigen Dinge zu tun! Schrecklich!"

Ein Tweet, der Trump sofort heftige Kritik einbrachte: Denn es wurde nicht nur auf seinem privaten Konto bei dem Kurznachrichtendienst, sondern auch auf dem offiziellen Präsidenten-Account (@POTUS = President of the United States) geteilt. Dieser ist nicht für private Zwecke vorgesehen.

"Das ist ein klarer Missbrauch des öffentlichen Amts zum privaten Vorteil", sagte Richard Painter, früherer Ethikbeauftragter in der Regierung von Präsident George W. Bush, dem "Wall Street Journal". Es sei zudem ein Machtmissbrauch, denn die Nachricht sei eindeutig - Nordstrom werde so zur "Persona non grata" der Trump-Administration erklärt.

Es habe noch nie zuvor einen US-Präsidenten gegeben, der seine Macht des Amtes so offensichtlich zum Vorteil seiner eigenen Familie ausnutze, kritisierte auch Jordan Libowitz von der Nonprofit-Organisation Citizens for Responsibility and Ethics in Washington.

Trump-Sprecherin: "Kauft Ivankas Kleider!"

In einer Presseerklärung nahm "Nordstrom" Stellung: "Unsere Entscheidung, die Produkte von Ivanka Trump auszulisten, ist nicht politisch motiviert. Wir tauschen jedes Jahr zehn Prozent des Sortiments abhängig vom Absatz – es war also eine rein wirtschaftlich bestimmte Entscheidung, über die wir Mrs. Trump, mit der wir immer eine gute Zusammenarbeit hatten, auch im Laufe des letzten Jahres informiert haben."

Doch wer dachte, die erratischen Tweets des US-Präsidenten wären bereits genug der Grenzüberschreitung, der irrt. Denn nun gab es auch noch eine weitere unentgeltliche Werbeeinschaltung aus dem Weißen Haus für die Produkte von Ivanka Trump.

Kellyanne Conway, die den offiziellen Titel "Counselor to the President" trägt und ein Büro im Weißen Haus hat, nutzte ein Interview mit dem Fernsehsender FOX, um die PR-Trommel für die Tochter des Präsidenten zu rühren: "Kauft Ivankas Sachen", rief Conway den Zuschauern des Senders zu. "Ich hole mit heute selbst etwas", sagte sie. "Ich mache hier kostenlos Werbung: Geht und kauft heute ein, alle."

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