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Donna Leon: Ihr neues Buch

In Donna Leons neuem Buch "Tierische Profite" klagt die Amerikanerin in Venedig die Schlachthöfe an. WOMAN traf die berühmteste Krimiautorin der Welt in Wien.

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Donna Leon: Ihr neues Buch

"Gutes Essen muss nicht teuer sein."

© Regine Mosimann/Diogenes Verlag

Es ist neun Uhr Früh und Donna Leon ist schon bei ihrem zweiten Frühstück. Denn für die Frühaufsteherin beginnt der Tag um sechs Uhr. Mit ihren hellwachen Augen blickt die Bestsellerautorin durch die Hotellobby und durchforstet wie fast täglich die Zeitungen, auf der Suche nach Plots für ihre Bücher.

Der 21. Fall, den der sympathische Commissario Guido Brunetti zu lösen hat, ist ein besonders grausamer. Eines Morgens wird eine Leiche aus einem Kanal gefischt, ein Mann mit merkwürdigem Körperbau und teuren Lederschuhen an den Füßen, den tagelang niemand vermisst. Ein Tierarzt aus Mestre, wie sich heraus stellt, der frisch geschieden ist und neben seiner stark frequentierten Praxis auch in einem Schlachthof arbeitet. Sein Job: die Tiere vor deren Tod auf ihre Gesundheit zu überprüfen, doch manche Schlachtung lehnt er ab …
"Auch kranke Tiere werden zur Schlachtung geführt", erzählt die 71jährige Amerikanerin, die seit 30 Jahren in Venedig lebt, "denn der Bauer hat das Vieh aufgezogen und will es nun verkaufen. Ist das Tier krank, muss er die Schlachtung selbst bezahlen, was er sich kaum leisten kann. Und die Tiere bekommen oft Schmerzmittel und Antibiotika ins Futter gemischt." Vergiftetes billiges Fleisch, das in den Kühlregalen der Supermärkte landet oder Tiefkühlprodukten untergemischt wird.
Donna Leon ist seit vielen Jahren Vegetarierin, zunächst nicht einmal aus Überzeugung, sondern "weil es mir nicht schmeckt". Später las die kritische, aber immer freundliche Autorin viele Berichte über Aufzucht und Nahrung der Tiere, und wandte sich voller Abscheu ab. "Es kann sich doch jeder denken, dass bei Schweinefleisch um drei Euro das Kilo etwas nicht stimmen kann." Und meint mitleidig Tiere hätten doch auch Gefühle.
Dem Biotrend mit Fleisch und Gemüse steht die Dame mit dem strengen grauen Pagenschnitt auch etwas skeptisch gegenüber. "Seit man entdeckt hat, dass mit Bio Geld zu machen ist, steckt wieder eine Mafia dahinter." Und meint milde lächelnd: "Trauen kann man keinem Händler, eigentlich nur seinem eigenen Gemüsegarten" – was zwar der Traum vieler ist, aber schwer realisierbar.
"Nehmen wir Linsen, die sind selten vergiftet, und Reis vielleicht noch ein Gemüse, wer mag, noch ein kleines Stück Fleisch. Das ist eine gute Mahlzeit, die nicht teuer ist. Fisch ist unbeschreiblich teuer und Fleisch, das nicht hormonell behandelt wurde, ebenfalls." Die Autorin schwärmt von ihrer Lieblingsspeise Kürbisrisotto oder einfach nur guter Käse mit Paradeisern, beides natürlich keine Industrieware. Jeder müsse schließlich selbst verantworten, keine vergiftete Lebensmittel zu kaufen und betont noch einmal: "Pasta und Reis sind nicht teuer."
Von grüner Politik hält die Umweltschützerin natürlich viel, aber "die Öko-Parteien haben kein Geld und können dadurch weniger bewegen, aber sie denken an zukünftige Generationen."

Auch die Anhängerin des Barockkomponisten Georg Friedrich Händel denkt an die Zukunft und unterstützt das Barockensemble Il Pomo d’Oro, das jungen Musikern und Dirigenten große Chancen gibt. Im Herbst erscheint ein Buch über die venezianischen Gondoliere und dazu eine CD mit deren traditioneller Musik, darunter Lieder aus dem 17. Jahrhundert, also nicht "O sole mio".

Wie viel Bücher sie verkauft hat, ist der kinderlosen Donna Leon (glaubhaft) nicht so wichtig, sie steckt die verdiente Gage ins Musikensemble. Die Verkaufszahlen kennt nur der Schweizer Diogenes Verlag und der schweigt beharrlich. Immerhin: "Tierische Profite" ist der 21. Band und startet wie einige seiner Vorgänger mit einer Auflage von 200 000 Stück, man käme allein im deutschsprachigen Raum locker auf vier Millionen verkaufte Exemplare. Und was macht den Anklang ihrer Krimis aus? "Ich glaube, man kann in Büchern genauso wie in Filmen die Probleme der Welt drastischer, anschaulicher und persönlicher schildern als in Zeitungen und die Leute zum Umdenken anregen." Aber nur wenige haben diesen Erfolg. (Mitarbeit Mijou Zimmermann)

"Tierische Profite" ab 28. Mai, Diogenes, € 23,60.

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