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Doris Knecht und der bewegte Mann: Die Kolumnistin über ihren ersten Roman

Doris Knecht wagte sich an ihren ersten Roman: In "Gruber geht" lässt ein waschechter Macho – krankheitsbedingt – herzlichere Seiten an sich zu.


Doris Knecht und der bewegte Mann: Die Kolumnistin über ihren ersten Roman
© Lukas Beck

Eine geballte Ladung Testosteron passt gar nicht zu Doris Knecht, 44. Die Kurier - und Falter -Kolumnistin schreibt sonst lieber über soziale Gerechtigkeit und Feminismus. Uns erklärt sie, wieso.

WOMAN: Man kennt Sie als vernünftige Person, ich hätte nie gedacht, dass Sie ein Buch über einen egoistischen Macho zu schreiben. Warum diese geballte Ladung Testosteron?

Knecht: Weil es solche Männer gibt, ich kenne solche Kerle, alle Frauen kennen solche Kerle, diese Kerle sind interesant und ich wollte zeigen, wie die ticken. Meine Kolumnen sind ja oft so Bobo-Familiengeschichten, die sehr nahe aus meiner eigenen Umgebung und meinem Empfindung kommen. Deshalb habe ich mir die Herausforderung gestellt, eine ganz andere Geschichte zu erzählen. Und ohne sympathische Hauptfigur, mit der man sich sofort leicht identifizieren kann.

WOMAN: Ist der Macho nicht ein Auslaufmodell, dessen Allüren lassen sich doch Frauen nicht mehr gefallen?

Knecht: Das sehe ich nicht so und erlebe es auch nicht so. Ich kenne viele Frauen, die mit solchen zusammen sind, und denen ein nettes Paschaleben auch ermöglichen. Viele Frauen interessieren sich für Machos, weil ihnen alle anderen doch wieder zu soft, zu nett und irgendwie zu fad sind, auch wenn das oft Täuschung ist.

WOMAN: Ist ein Macho ein Mann, der ein kleines Geheimnis hat und die Frauen mögen das?

Knecht: So einfach ist das nicht. Wahrscheinlich hoffen viele Frauen, sie könnten diese Machos verändern. Da steht so ein eigener Formungswille dahinter. Aber das gelingt meistens nicht und ist auch nicht gut. Man soll Männer nicht ändern wollen. Man verliebt sich in einen und will dann einen ganz anderen daraus machen? Daran scheitern die meisten Frauen und in Folge dann auch die Beziehungen.

WOMAN: Wieso sehen viele Frauen das als ihre Aufgabe an?

Knecht: Ich kann es von mir selber nicht sagen, weil mein Mann kein Macho ist. Vielleicht ist es die Reibung, der Gegensatz... Ich weiß nicht. Aber dieses Egozentrische, Zielstrebige, das macht Männer ja auch interessant. Und darum geht es in dem Buch ja auch: Da treffen sich zwei, die sehr verschieden sind, sie ist so und er ganz anders, und eben gerade daraus entsteht eine Spannung. Und eigentlich geht das nicht, aber sie versuchen einen Weg zu finden, wie es doch gehen könnte, und das ist definitiv nicht leicht.

WOMAN: Ergründet man nicht eher, warum Machos nicht erwachsen werden?

Knecht: Vielleicht glauben Frauen, sie können ihn erwachsen machen.

WOMAN: Bis in die Generation unserer Eltern gab es meist Patriarchen, warum sollen sie in einer Generation aussterben?

Knecht: Richtig. Wir sind in seit Jahrhunderten vorgegebenen Strukturen aufgewachsen, wo die Aufgaben von Müttern und Vätern klar verteilt waren. Da hat sich in nur einer Generation viel verändert, aber das führt natürlich auch zu Verteilungs- und, ja, Machtkämpfen zwischen Männern und Frauen.

WOMAN: Ist es die Feigheit der Frauen, dass sie sich zu viel bieten lassen?

Knecht: Ich würde nicht immer den Männern die Schuld geben. Die Frauen müssen sich auch am Riemen reißen. Eine Beziehung oder eine Familie ist nun mal kein Beliebtheitswettbewerb, da muss man sich auch mal auf zickig durchsetzen. Da kann man nicht immer die Nette, Liebe sein. Da muss man halt auch mal um die eigenen Ansprüche raufen und auch einmal den eigenen Willen durchsetzen, auch wenn es erstmal weh tut. Ein richtiger Mann kann damit umgehen.

WOMAN: Was macht einen guten Mann aus?

Knecht: Einer, der nicht schon im Vorhinein meint, er habe mehr oder andere Rechte und Pflichten als Frauen. Die Modernität von Männern beweist sich meist dann, wenn sie eine Familie haben. Da zeigt sich, wie sehr Männer zur Gleichberechtigung stehen. Bei ganz banalen Fragen: Wer kümmert sich Hausaufgaben, Mahlzeiten, Kinderarzttermine? Wer bleibt daheim, wenn das Kind krank ist? Und ob der Alltag mit ihnen den Frauen ermöglicht, ihr eigenes Ding zu machen.

WOMAN: Eine neue Welle ist, dass sich Männer diskriminiert fühlen und meinen, sie können ihre getrennt lebenden Kinder nicht sehen. Ein Selbstmitleidsschrei?

Knecht: Ich halte das für Einzelfälle und erlebe es anders. In meiner Umgebung gibt es viele gut funktionierende Patchworkfamilien, wo sich die Eltern auch nach der Trennung gemeinsam um die Kinder kümmern – vor allem dann, wenn sie das vorher auch schon getan haben.

WOMAN: Sehen Sie eine Frauenloyalität?

Knecht: Ja. Man hat ähnliche Lebenssituationen, kennt die Probleme und hilft einander. Ich glaube nicht an so vorgefertigte Netzwerke, aber an Einzelunterstützungen. Meine Freundinnen und ich haben begonnen, uns in ähnlichen Seilschaften gegenseitig zu unterstützen, wie Männer das automatischen tun. Da könnten Frauen ruhig ein bisschen skrupelloser werden.

WOMAN: Würden Quoten helfen?

Knecht: Absolut. Nur Quoten. Alles andere wurde probiert. Es gibt genug qualifizierte Frauen. Wir sind am Stand der 70er Jahre, was die Beteiligung von Frauen in den Spitzenpositionen in der Wirtschaft und in der Wissenschaft betrifft. Bei den Löhnen sowieso.

WOMAN: 100 Jahre Frauentag, rührt Sie das?

Knecht: Nein, nicht sehr. Ich bin keine Freundin des Frauentages. Einen Tag lang konzentriert man sich auf Frauen und dann geht man zur Tagesordnung über.

WOMAN: An den Stammtisch?

Knecht: Genau, ich habe schon lange für die Abschaffung des Frauentags plädiert.

WOMAN: Durch eine Krebserkrankung beginnt sich Ihr Protagonist zu verändern. Ist Krebs ein Damoklesschwert für Sie?

Knecht: Es ist Thema meiner Generation. In meinem Bekanntenkreis waren viele im Alter zwischen 35 und 45 betroffen. Als Kind habe ich Krebs als Krankheit alter Menschen erlebt. Das ist jetzt anders, und ich habe gesehen, wie die Krankheit unvermittelt über Freunde und Familien hereinbrach. Ich wollte erzählen, was das auslösen kann und wie sich Leben dadurch verändern.

WOMAN: Sie bedanken sich am Ende bei allen Freunden, die Sie in Ihre Leben schauen ließen auch wenn es weh getan hat. Was tat weh?

Knecht: Na, die Krankheit, die Therapien und all die Ängste, die mit der Krankheit zusammenhängen. Ich fand es ja durchaus auch anmaßend, von außen darüber zu schreiben. Aber in dem Sinn ist alle Literatur anmaßend.

Debüt: Doris Knechts Roman "Gruber geht" (Rowohlt Berlin) erscheint am 11. März ; Lesung am 23. März im Wiener Rabenhof.

Interview: Andrea Braunsteiner

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