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Wie funktioniert eigentlich richtige Intimhygiene? Wir fragen Dr. Hall!

Warum du dich nur mit Wasser waschen sollst, die Schambehaarung ein Comeback feiern wird, der Geruch deiner Vagina sich verändert und das männliche Sperma auch kein "Dom Perignon" ist, erklärt Dr. Mirijam Hall in unserer neuen Serie zur Frauengesundheit.

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Wie funktioniert eigentlich richtige Intimhygiene? Wir fragen Dr. Hall!
© iStock/PeopleImages

Scheidenpilz, Blasenentzündung, HPV-Infektionen und und und: Frauen haben im Laufe ihres Lebens immer wieder mit speziellen, gesundheitsrelevanten Problemen zu kämpfen. Leider sind viele dieser Themen noch immer mit Tabus verknüpft und nicht jede hat eine Gynäkologin in ihrem Freundeskreis, die man bei akuten Fragestellungen mal schnell anrufen könnte um sie mit Fragen wie: "Meine Vagina juckt wie die Hölle, was soll ich tun?" oder "Ich hatte gerade Sex und das Kondom ist gerissen, was soll ich tun?" zu konfrontieren. Deshalb haben wir die Sache umgedreht und stellen der Gynäkologin unseres Vertrauens, Dr. Mirijam Hall (31), ALLE Fragen zur Frauengesundheit, die wir uns überhaupt vorstellen können. Im ersten Teil der Serie widmen wir uns einem sehr grundsätzlichem aber sehr wichtigem Thema: Der Intimhygiene! Denn "richtig" gemacht, kann man sich so manche Mühsamkeit ersparen!

Habt ihr auch Fragen an Dr. Hall? Dann schickt uns doch einfach ein E-Mail an: online@woman.at mit dem Betreff "Meine Frage an Dr. Hall", dann werden wir sie im Laufe der kommenden Beiträge der Serie gerne (anonym!) aufgreifen!

Womit sollte ich meinen Intimbereich waschen?
Am besten wäscht sich Frau untenrum mit klarem Wasser ohne jegliche Waschmittelchen. Die Intimregion von Frauen und die dortige Schleimhaut brauchen ein saures Klima, also einen niedrigen PH-Wert. Dieses Klima entsteht durch (gute) Bakterien die für das säuerliche Milieu verantwortlich sind – der PH-Wert in der Scheide ist also anders als an anderen Stellen der Haut und dient als Abwehrbarriere für Infektionen aller Art. Wenn Frau sich dann mit Duschgel, Haarshampoo oder anderen Körperwaschmitteln auch in der Region wäscht, wird diese natürliche Barriere weg gewaschen und der Weg ist frei für Infektionen.

Was ist mit Intim-Waschlotions?
Wem das Waschen mit reinem Wasser nicht genügt, kann zu Intim-Waschlotionen greifen, allerdings ist hier bei der Auswahl Vorsicht geboten. Ratsam sind Waschlotionen ohne Parfümstoffe und sonstige Zusatzstoffe mit einem niedrigen PH-Wert. Hier gibt es zum Beispiel Waschlotions mit Milchsäurebakterien (das sind die guten Bakterien die für die Abwehr von Keimen in der Scheide verantwortlich sind).

Was mit Intim-Feuchttüchern?
Auch für Feuchttücher gilt: Weniger ist mehr. Wer Feuchttücher benutzen möchte, sollte auch hier zu einem Produkt ohne Parfum- und Zusatzstoffe mit niedrigem PH-Wert greifen. Mittlerweile gibt es auch hier Produkte mit Milchsäurebakterien.

Soll man sich nur „außen“, also nur die Vulva oder auch „innen“, also in die Vagina "hinein" waschen?
Ein Waschen in den Scheideneingang hinein ist im Regelfall nicht notwendig, da durch die Sekretion der Scheide der Körper selbst für reinliche Verhältnisse sorgt. In manchen Fällen, wenn zum Beispiel eine Infektion festgestellt wurde, kann es sein, dass der/die GynäkologIn eine spezielle Scheidenspülung verschreibt. Die tägliche Intimhygiene sollte aber auf den äußeren Intimbereich beschränkt bleiben, da sonst das spezielle Bakterienklima gestört werden kann.

Was, wenn ich das Gefühl habe, unangenehm zu riechen?
Ein unangenehmer Geruch kann unterschiedliche Gründe haben, der Geruch verändert sich auch im Laufe des Zyklus, bzw. kann ein Hinweis für eine Infektion sein. Sollte der unangenehme Geruch plötzlich und in Kombination mit einem veränderten Ausfluss auftreten ist ein Termin bei dem/der GynäkologIn ratsam um eine Infektion ausschließen zu können, denn ein gelblich-grünlicher Ausfluss mit einem fischartigen Geruch ist z.B. meist ein Hinweis auf eine bakterielle Infektion der Scheide. Ansonsten kann auch der hohe Plastikanteil in der Unterwäsche vieler Frauen zu unangenehmen Gerüchen beitragen. Auch im Intimbereich der Frauen gibt es Schweißdrüsen, ist die Unterwäsche wenig atmungsaktiv, kann sich durch Schwitzen im Laufe des Tages ein übler Geruch entwickeln.

Woher kann der unangenehmen Geruch der Scheide noch kommen, was kann man dagegen machen?
Wichtig ist bei veränderten Gerüchen auch auf den Ausfluss zu achten. Ausfluss ist nichts krankhaftes, sondern eine normale und sinnvolle Funktion der Scheide, die wir brauchen um krankmachende Keime davon abzuhalten, sich breit zu machen. Der Ausfluss, also dessen Konsistenz und Geruch, verändert sich im Laufe des Zyklus, da diese Funktion des Körpers hormonabhängig ist. Ein veränderter Geruch kann also durch (normale) Hormonschwankungen verursacht sein, kann an falscher Intimhygiene und falscher Unterwäsche liegen, aber auch ein Hinweis auf eine Infektion sein. Eine Pilzinfektion riecht zum Beispiel nicht unangenehm, sondern äußert sich nur in verändertem Ausfluss (topfig, bröckelig), Juckreiz und Rötung. Ein fischartiger Geruch ist meist ein Hinweis auf eine bakterielle Infektion, es kann aber auch eine Geschlechtskrankheit dahinter stecken. In seltenen Fällen kann sich auch eine Tumorerkrankung durch unangenehm riechenden Ausfluss bemerkbar machen. Deshalb sollten Frauen, die einen veränderten Ausfluss, der komisch riecht bemerken, einen Termin bei dem/der GynäkologIn vereinbaren um zu klären ob eine Behandlung notwendig ist.

Kann ich von falscher Intimhygiene eine Blasenentzündung, Scheidenpilz und ähnliches kriegen?
Ja! Wer sich zu häufig und mit den falschen Waschmittelchen wäscht, wäscht damit auch die natürliche Abwehrbarriere der Intimregion weg – das heißt die Scheide ist nicht mehr geschützt und Keime haben leichtes Spiel sich zu vermehren.

Muss bzw. soll ich mich nach dem Sex speziell waschen bzw. ist es überhaupt notwendig?
Wer anfällig für Infektionen ist, sollte nach dem Sex auf die Toilette gehen und urinieren – das beugt Harnwegsinfektionen vor, da beim Sex durch den Partner und das gemeinsame Schwitzen Keime in die Harnröhre gelangen können, die durch den Toilettengang wieder ausgeschwemmt werden können. Abseits davon reicht das Abspülen mit klarem Wasser (wer mag mit speziell abgestimmten Intimwaschlotionen – siehe oben), eine übertriebene Intimhygiene nach dem Sex ist meistens nicht notwendig.

Muss ich bei der Intimhygiene in der Schwangerschaft etwas spezielles beachten?
Durch die in der Schwangerschaft veränderten Hormone ändert sich auch das Bakterienklima der Scheide, was Schwangere oftmals wesentlich anfälliger für Infektionen aller Art macht. Viele Frauen kämpfen in der Schwangerschaft mit immer wiederkommenden bakteriellen Infektionen oder Scheidenpilzen. Für die Intimhygiene gilt, was auch sonst gilt, jedoch können Frauen die Probleme mit häufigen Infektionen haben auch zusätzlich vorbeugen. Es gibt in der Apotheke rezeptfrei Mittel, die Milchsäurekulturen enthalten um die Abwehrfunktionen zu stärken, z.B. in Form von Kapseln die Abends beim Schlafengehen wie ein Tampon tief in die Scheide gelegt werden, oder auch in Form von Gels die mehrmals täglich aufgetragen werden können. Außerdem kann man „gute“ Bakterienkulturen zur Stärkung der Abwehrkräfte auch schlucken – diese sind dann zwar nicht spezifisch für den Intimbereich, helfen aber auch die Abwehr zu stärken. Vermehrtes Waschen führt meist zum Gegenteil und macht anfälliger für ungewünschte Gäste.

Woran erkenne ich, ob es ein Scheidenpilz oder etwas anderes ist?
Ein Scheidenpilz äußert sich meistens durch Juckreiz, einer Rötung in der Scheide, einem brennenden Gefühl beim Abwischen und topfigem bröckeligen Ausfluss, der nicht unangenehm riecht. Ein unangenehm riechender Ausfluss deutet auf eine andere Infektion (bakterielle Infektion, Geschlechtskrankheiten) hin. Gründe für Pilzinfektionen sind oft eine gestörte Intimflora, z.B. nachdem man Antibiotika eingenommen hat, die nicht nur die bösen Bakterien im Körper, sondern leider auch die für die Abwehr notwendigen guten Bakterien töten. Grund für eine Pilzinfektion kann aber auch falsche Intimhygiene, also zu häufiges Waschen oder Waschen mit nicht für den Intimbereich geeigneten Mitteln sein. Auch das zu lange Tragen von Tampons (die mit Blut getränkt ein super Nährboden für alle möglichen Erreger sind) kann solche Infektionen begünstigen. Der/die GynäkologIn kann durch eine schnelle Untersuchung meistens per Blickdiagnose feststellen ob und welche Art der Infektion vorliegt, mit einem Papierstreifen, kann er/sie außerdem testen ob der PH-Wert der Scheide im Normbereich liegt oder erhöht ist (Hinweis auf bakterielle Infektion). Außerdem kann ein Abstrich aus der Scheide genommen werden um den genauen Keim feststellen zu können und die Therapie dann genau darauf abzustimmen (das Ergebnis eines Abstriches dauert jedoch ein paar Tage).

Welche Ursachen kann das Jucken der Scheide noch haben?
Vaginaler Juckreiz kann unterschiedliche Gründe haben. Die gute Nachricht: in allen Fällen kann durch die richtige Behandlung Abhilfe geschaffen werden, also kein Grund zur Panik. Fast alle Frauen sind in ihrem Leben ein- oder mehrmals mit diesem Problem konfrontiert, es gibt also keinen Grund sich zu schämen!

Können auch Hormonschwankungen Ursache für Juckreiz und Scheidentrockenheit sein?
Hormonschwankungen während des Zyklus aber auch im Wechsel können zu Juckreiz führen, während der Regel verstärken das manchmal auch Tampons und Binden aufgrund der darin enthaltenen Zusatzstoffe. Ein Mangel an Östrogenen ist oft dafür verantwortlich, dass nicht mehr genügend natürliches Schmiermittel produziert wird und damit die sensible Haut der Vagina mechanischen Einwirkungen beim normalen Bewegen schutzlos ausgeliefert ist – der Juckreiz ist dann oft Ausdruck einer Hautreizung. In diesem Fall wird mit östrogenhaltigen Cremes oder Zäpfchen therapiert, damit sich die Vaginalhaut wieder erholen kann, außerdem gibt es mittlerweile eine breite Palette an Feuchtmachern, die das Leben erleichtern können.

Wann ist das Jucken ein Anzeichen für eine ernsthafte Erkrankung?
Bei allen oben genannten Infektionen kann Juckreiz ein Symptom sein, meist jedoch in Kombination mit einem veränderten Ausfluss und/oder Geruch. Auch bei allen gängigen sexuell übertragbaren Erkrankungen wie Chlamydien, Herpes, Trichomonaden und Tripper kann Juckreiz auftreten. Je nach Krankheitserreger wird mit den entsprechenden Medikamenten und Cremes therapiert, in manchen Fällen kann auch eine Partnertherapie notwendig sein um gegenseitiges Wiederanstecken zu vermeiden.

Was ist "Lichen sclerosus"?
Das ist eine Hauterkrankungen, die zu weißlichen Vernarbungen der Haut führt und Juckreiz auslösen kann. Oft berichten betroffene Frauen auch von Schmerzen beim Geschlechtsverkehr und einem Gefühl des Wundseins danach. Die Krankheit verläuft oft in Schüben und wird meist mit cortisonhaltigen Salben behandelt.

Kann auch eine allergische Reaktion zum Scheidenjuckreiz führen?
Auch die Haut im Intimbereich kann allergisch auf Einflüsse von außen reagieren. Oftmals ist der Grund dafür eine sogenannte Kontaktallergie, also eine Irritation der Haut nach Kontakt mit Stoffen wie Parfum und ähnlichem, die in Kondomen, Intimhygieneprodukten, Gleitmitteln oder Waschmitteln (Unterwäsche!), enthalten sein können. Der Juckreiz wird dann meistens begleitet mit Rötungen und Schwellungen. Die langfristige Therapie besteht im Vermeiden der Auslöser, also dem Verwenden von hypoallergenen Hygieneprodukten.

Was ist mit Slipeinlagen – sind die schädlich?
Slipeinlagen sollten jedenfalls regelmäßig gewechselt werden. Der neue Trend zu parfümierten Slipeinlagen ist bedenklich, da Parfumstoffe oft zu Reizungen oder allergischen Reaktionen führen können und im Intimbereich eigentlich nichts verloren haben. Wer mit Slipeinlagen oder Tampons während der Menstruation nicht zurecht kommt, kannn Menstruationstassen ausprobieren, die auf die reizenden Stoffe ganz verzichten und so eine guten (und umweltschonende) Alternative zu üblichen Monatshygieneprodukten darstellen.

Noch schlimmer – parfümierte Slipeinlagen?
Finger weg von parfümierten Slipeinlagen!

Stimmt es, dass man (enge) Sporthosen also zb Leggings beim Sport nur einmal anziehen sollte, weil ein mehrfaches Tragen auch nicht gut für die Intimhygiene ist?
Beim Sport wird geschwitzt – im Schweiß sind Bakterien, diese können zu Infektionen beitragen, deshalb ist, abseits der Geruchsentwicklung, regelmäßiges Waschen von Sportwäsche empfehlenswert. Wer oft Probleme mit Infektionen (Harnwegsinfektionen etc.) hat, kann auch ausprobieren auf weitere Sportwäsche umzusteigen, zu enge Kleidung kann beim Sport reiben und verursacht kleine Mikroverletzungen in der Schleimhaut in der sich dann Keime ansiedeln können.

Gibt es Kleidung, die schlecht für Intimhygiene ist, also zu enge Unterhosen oder so?
Das wichtige Stichwort ist Atmungsaktivität. Hohe Plastikanteile haben in der täglichen Unterwäsche nichts verloren und tragen zu einem schlechten Intimklima bei. Gerade Frauen die mit häufigen Blasenentzündungen oder Pilzinfektionen zu kämpfen haben, sollten darauf achten. Baumwolle oder atmungsaktive Mikrofaser ist hier jedenfalls besser und mittlerweile auch in sexy Versionen erhältlich.

Gibt es einen Zeitpunkt im weiblichen Zyklus, zu dem man mehr riecht, als zu anderen?
Ja! Im Laufe des Menstruationszyklus verändert sich der Ausfluss durch den Hormoneinfluss. Er riecht und schmeckt unterschiedlich, sieht anders aus und hat eine veränderte Konsistenz je nach Zeitpunkt im Zyklus. Kurz nach der Blutung ist er dickflüssiger und klebriger. Je näher der Eisprung rückt, desto dünnflüssiger und glasiger wird er, außerdem nimmt die Menge des Ausflusses zu. Lassen sich Fäden ziehen, die mehrere Zentimeter lang sind, ist dies ein Hinweis, dass der Eisprung direkt bevorsteht. Ganz allgemein ist die Menge des Ausflusses von Frau zu Frau verschieden.

»Lass dich von einem Partner mit Berührungsängsten nicht verunsichern - Intimgerüche sind normal und sein Sperma ist wahrscheinlich auch kein Dom Perignon...«

Wie soll ich damit umgehen, wenn mein Freund komisch auf den Geruch meiner Vagina reagiert?
Grundsätzlich ist es ratsam das Thema zunächst anzusprechen und zu klären was genau ihn stört, oft ist es mehr Angst vor dem Unbekannten als echter Ekel, die sich durch gemeinsame Kommunikation und spielerisches Herantasten auflösen lässt. Lass dich von einem Partner mit Berührungsängsten diesbezüglich nicht verunsichern, Intimgerüche sind normal und sein Sperma ist wahrscheinlich auch kein Dom Perignon – hier gilt also gleiches Recht für alle. Wenn du ihm entgegen kommen willst, kannst du versuchen vor dem Sex mit speziellen Intimfeuchttüchern (ohne Parfumstoffe, mit niedrigem PH, am besten mit Milchsäurebakterien) für einen Frischekick zu sorgen.

Was hat die Schambehaarung damit zu tun?
Schamhaare wachsen nicht grundlos dort wo sie sind, sie haben eine wichtige Schutzfunktion. Sie regulieren die Temperatur und bieten einen mechanischen Schutz vor Reibung in der empfindlichen Region. Darüber hinaus bilden sie eine Barriere gegen Krankheitserreger, Schmutz und Fremdkörper. Sowie auch auf der Kopfhaut liegen unter den Haaren in der Haut Drüsen, die Duftstoffe absondern. Diese bleiben in den Haaren länger hängen um Sexualpartner anzulocken. Beim Rasieren entstehen oft minimale Hausverletzungen, die eine Eintrittspforte für sämtliche Krankheitserreger darstellen. Außerdem sorgen die Haare für eine bessere Belüftung des Intimbereichs, ist Frau ganz rasiert schwitzt man schneller und im feuchtwarmen Klima gefällt es Bakterien besonders gut. Der Glaube Schambehaarung sei unhygienisch und Menschen, die nicht komplett rasiert wären ungepflegt, ist also ein Irrglaube. Auch wenn die Glatze untenrum nicht automatisch heißt, dass Frau sich ständig Infektionen einfängt, ist es doch wichtig zu wissen, dass Intimbehaarung per se nichts Schlechtes ist.

Als Gynäkologin siehst du sehr viele Intimfrisuren – was ist angesagt?
Unten ohne ist nach wie vor der Trend. Ich würde sagen, dass gut zwei Drittel der Frauen die ich täglich sehe komplett haarentfernt sind. Back to nature sehen wir nur ganz selten, das übrige Drittel wählt den Mittelweg. Immer mehr Frauen gehen dabei weg vom Rasieren und gehen zum Waxing oder Sugaring – hält schließlich auch länger und das Problem mit den eingewachsenen Haaren wird kleiner. Grundsätzlich gibt es hier auch kulturelle Unterschiede – während Frauen aus dem türkischen oder arabischen Raum untenrum meist komplett haarfrei sind, sieht man bei europäischen Frauen öfter den Mittelweg, also nicht alles weg, aber schön zurechtgestutzt. Oft entschuldigen sich Frauen bei mir, wenn sie nicht mit Intimfrisur à la Babypopo zu mir kommen. Als Gynäkologin ist es mir aber ehrlich gesagt vollkommen egal welche Intimfrisur die Frau für sich wählt – Hauptsache sie fühlt sich wohl damit.

Wollen die komplett-Rasur eher die Partner oder die Frauen selber?
Ich denke schon, dass sich die Erwartungshaltung von Männern an die Schambehaarung von Frauen durch den alltäglichen Pornokonsum in den letzten zwei Jahrzenten stark geändert hat. Ich habe schon Männer getroffen, die noch nie eine Frau mit Schamhaaren gesehen haben – das ist schon ein bisschen verrückt. Also ist der Druck auf Frauen diesbezüglich sicher groß, allerdings ist auch die Selbstwahrnehmung dadurch eine ganz andere. Viele junge Frauen fühlen sich selbst nur mehr wohl wenn sie keine Haare haben, weil haarfrei eben "in" ist.

Denkst du, wir kommen irgendwann wieder weg von dem Trend?
Ich denke schon. So wie große Augenbrauen irgendwann wieder modern geworden sind, statt den dünnen tätowierten Linien, wird auch die Schambehaarung ihr Comeback feiern!

Wie schaut's mit der Intimhygiene von Männern aus – welche Versäumnisse sind gefährlich für Frauen?
Mangelnde Hygiene und es sich nicht sagen trauen wenn man Symptome wie Juckreiz, Ausfluss, Rötung etc. hat. Das kann dann unangenehm werden für die Frau, weil sie sich einerseits durch Sex mit etwaigen Infektionen anstecken kann, oder bei mangelnder Hygiene selbst Harnwegsinfekte oder Pilzinfektionen entwickeln kann.

Gibt es einen Unterschied bei der Intimpflege von Männern und Frauen?
Aufgrund der unterschiedlichen Beschaffenheit des Intimbereichs von Männern und Frauen brauchen sich Männer nicht so sehr um ihre Keimflora sorgen und benötigen daher auch keine speziellen Intimpflegeprodukte (wobei auch bei Frauen das Waschen mit Wasser völlig ausreichen würde).

Was sollten sie dringend für ihre eigene, aber auch unsere Gesundheit bedenken?
Keine Angst haben, wenn man Symptome hat die nicht normal sind und sich nicht davor scheuen Hilfe zu suchen. Und vor allem: Miteinander kommunizieren! Wer miteinander Sex hat, trägt auch Verantwortung für den/die PartnerIn.

Zur Person:

Dr.in Mirijam Hall (31) hat an der Meduni Wien Humanmedizin studiert und ist derzeit Assistenzärztin im Wiener Krankenanstaltenverbund an der Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe des Wilhelminenspitals.

Habt ihr auch Fragen an Dr. Hall? Dann schickt uns doch einfach ein E-Mail an: online@woman.at mit dem Betreff "Meine Frage an Dr. Hall", dann werden wir sie im Laufe der kommenden Beiträge der Serie gerne (anonym!) aufgreifen!

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