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Draht zum Jenseits: Mit Channeling
Kontakt in eine andere Welt aufnehmen

Channeln, was ist das eigentlich? Wir sprachen mit einem, der Kontakt zur anderen Welt haben will - und mit drei Leserinnen, die über ihn Rat im Universum suchten.


Draht zum Jenseits: Mit Channeling
Kontakt in eine andere Welt aufnehmen
© Thinkstock

Martina ist es gewohnt, einen kühlen Kopf zu bewahren. Als Expertin im Finanzbereich verantwortet sie tagtäglich jede Menge Geld. Aber nun ist sie fraglos etwas aufgeregt. Denn Martina sitzt einem Mann gegenüber, der für sie eine Frage stellen wird, die die junge Frau schon seit langem beschäftigt: Ist die Malerei, ihre große Leidenschaft, überhaupt etwas für sie, und wird sie damit Erfolg haben?

Die Antwort soll aus der Geistigen Welt kommen. Via Channelling. Peter Beck, der Vermittler zwischen hier und dort, ist schon dabei, die Verbindung aufzubauen. Entspannter Sitz, Handflächen nach oben, Augen geschlossen. Jetzt öffnet er seinen Kanal, stellt Martina "denen da oben" namentlich vor und nennt dann ihre Frage. Und es vergehen nur wenige Sekunden, bis jemand in der Leitung ist.

"Hier spricht Maria Magdalena", hört man ihn sagen, und dann spricht das Wesen aus der anderen Welt durch seinen Mund und mit seiner Stimme. Maria Magdalena sagt, wie wichtig die Arbeit mit den Händen für Martina ist - aber vor allem, dass sie sich in ihren Bildern selber zeigen und widerspiegeln soll. Nicht an anderen soll sie sich orientieren und Vergleiche ziehen, sondern mit mehr Selbstvertrauen eine persönliche Note hineinbringen.

"Das ist genau mein Hauptproblem", ist Martina nach der Sitzung begeistert, "ich habe so viele Ideen und kann sie nicht rüberbringen. Weil ich mich immer an anderen orientiere. Weil ich zu oft zaudere. Und wenn jemandem ein Bild von mir nicht gefällt, fühle ich mich persönlich angegriffen!" Nur wenige Wochen später zieht die 35-Jährige, den außerirdischen Ratschlägen folgend, ihren ersten großen Auftrag an Land.

Nur für Auserwählte
"Die meisten Menschen wissen ungefähr, was ihre Probleme sind, und haben Teile der Antworten in sich", erläutert Peter Beck sein Wirken, "Aber die Puzzleteile müssen erst zusammengesetzt werden." Und da sei die Bestätigung von oben eine wunderbare Entscheidungshilfe.

"Oft muss man sich einfach nur einmal umdrehen und ein Problem aus einer anderen Perspektive betrachten, um zu einer guten Lösung zu gelangen."

Der Anruf ins Universum ist allerdings nur Auserwählten vorbehalten. Menschen mit dem sechsten Sinn, die die Fähigkeit haben, sich in der Geistigen Welt anzudocken, das eigene Ego auszuschalten und sich quasi als Kanal, also Channel, zur Verfügung zu stellen. Manche halten dabei vor allem Kontakt zu Engeln, andere suchen die Verbindung mit Verstorbenen - Peter Beck wiederum hat seinen Draht zu "aufgestiegenen Meistern und Meisterinnen", sprich: Menschen, die nach vielen absolvierten Leben über besondere Weisheit und Erfahrung verfügen.

Partnerschaft, Kinder, Beruf, finanzielle Angelegenheiten und Selbstfindung seien dabei die Hauptthemen seiner Kontakte. "Und auch die Aufgabe, die jemand auf dieser Welt zu erfüllen hat. Die Leute spüren zwar, dass da etwas ist, finden aber den roten Faden nicht." Oft, so der Experte, ist es nur die eigene Seelen-Anbindung, die nicht funktioniert. Will heißen: Zwischen Seele und Körper gibt es keine Kommunikation, keine Anbindung.

Akzeptanz steigt
95 Prozent der Ratsuchenden sind dabei Frauen, aber die Zahl der Männer nimmt zu. Wie überhaupt die Offenheit für spirituelle Themen steigt. "Weise Menschen mit Verbindungen nach oben hat es schon immer gegeben", erzählt Peter Beck, "aber erst in letzter Zeit kommen immer mehr aus ihren Kämmerchen."

Er selbst kennt eine sehr alte Dame in Oberösterreich, bei der er sich Energie und Ratschläge holt. Und die wie viele spirituelle Seelen zu wissen glaubt, dass unsere Erde in den letzten 30 Jahren eine stetige "Schwingungserhöhung" erfahren hat. Diese Energie würde übernatürlichen Kräften mehr Raum und Akzeptanz bescheren. Man gilt nicht mehr als sonderbar, wenn man sich zu spirituellen Themen bekennt.

War immer ein Forscher
Peter Beck hat schon als Teenager seine besonderen Gaben erkannt. "Es fing an mit automatischem Schreiben", erinnert er sich. Das heißt, dass er Texte nach Eingebungen von oben zu Papier brachte. Was den 46-Jährigen, der inzwischen sein fünftes Buch, "Gespräche mit Franz von Asisi" (erscheint im Frühjahr), verfasst hat, allerdings nicht aus der Fassung brachte. "Ich war schon immer ein Forscher-Typ", schmunzelt er.

Er kaufte sich ein dickes Buch über Weiße Magie, experimentierte mit Pendel und Karten, kniete sich in die Kabbala hinein. "Aber das war mir alles letztlich zu ungenau." Mit Channeln sei er jetzt total zufrieden. "Denn es kommt alles 1:1 so rüber, wie es für die Person bestimmt ist, die ich berate." Er als Peter würde völlig in den Hintergrund treten. Und die Geistige Welt sei auch keinesfalls immer einer Meinung mit ihm.

"Ich erinnere mich an einen Fall", berichtet er, "wo eine Bekannte zu mir kam und meinte, ihr Lebensgefährte sei so inaktiv und langweilig und sie würde ernsthaft an eine Trennung denken. Allerdings wollte sie noch den Rat von oben. Als Peter hätte ich sofort gesagt: Trenn dich von dem, der passt offensichtlich wirklich nicht zu dir.

Aber meine geistige Gesprächspartnerin sah das anders. Sie riet der Frau: Behandle ihn nicht wie eine Mutter, und lass dich mal auf seine Geschwindigkeit ein. Er ist definitiv langsamer und beobachtender als du, aber setz dich auf die Wiese neben ihn und hör ihm zu."

Sie hat das ausprobiert, sich bewusst auf seine Geschwindigkeit eingelassen, und es hat tatsächlich funktioniert. Sie, die sich immer als eingefleischte Städterin sah, ist inzwischen mit ihm aufs Land gezogen. Dem Kind der beiden, einem hyperaktiven Buben, tut das besonders gut.

Erst kürzlich hat sie mir gesagt, wie gut es ihnen geht und dass ihr Partner in letzter Zeit immer wieder Vorschläge zur Freizeitgestaltung macht. Dabei hat sie ihm gar nichts vom Channelling erzählt."

Kein Geldsegen
Das Beispiel gefällt dem spirituellen Mittelsmann, denn es zeigt, dass es zwar immer Rat und Lösungsvorschläge gibt, es aber an jedem selbst liegt, diese umzusetzen. "Man muss auch bereit sein, eine neue Betrachtungsweise anzunehmen und aus festgefahrenen Mustern und Gewohnheiten auszusteigen."

Wenn eine Ratsuchende in Sachen Partnerschaft beispielsweise den Hinweis bekommt: Im Frühjahr sehe ich wieder einen Mann an deiner Seite. "Dann muss sie", so Peter Beck, "auch dafür offen sein. Denn nichts wird einem gegen den eigenen Willen aufgedrängt."

Umgekehrt bekommt man auch nicht immer die Antwort, die man sich erhofft: So erzählt Peter Beck von einer Ratsuchenden, die wissen wollte, ob ihr ein Geldsegen ins Haus stünde. Nein, kam es klipp und klar von drüben, es sei weder eine Erbschaft noch ein sonstiger überraschender Geldfluss zu erwarten. Die Fragerin müsste sich alles selbst erarbeiten. Es gab allerdings Tipps, wie sie das gewinnbringender bewerkstelligen könnte.

Wenn der Wiener, der einen gut dotierten Job bei einer PR- und Marketing-Agentur innehat und sich als "mit beiden Beinen im Leben stehend" bezeichnet, oben anruft, meldet sich jene Meisterin oder jener Meister, der/die sich zum jeweiligen Thema berufen fühlt. Auch Buddha oder Laotse oder gar Mutter Maria heben mal den Hörer ab.

Seine Gespräche mit den überirdischen Wesen erfolgen nonverbal, sie lassen ihre Worte wie leises Flüstern in seinen Kopf fließen. Um für jemanden Rat zu holen, muss ihm die Person allerdings nicht gegenübersitzen. Er arbeitet auch per Telefon oder nach E-Mail-Anfrage, schreibt die Antworten von oben auf dem Computer mit.

"Denn der Vorgang, sich in die Energie der aufgestiegenen Meister hineinzuversetzen, bleibt sich für mich ja gleich!" Das macht er dann meistens spätabends nach seinem Job - für vergleichsweise günstige 50 Euro pro Sitzung. Und er legt Wert darauf, dass seine Exzerpte nicht verschnörkselt, sondern klar und verständlich sind.

"Ich bin ein Pragmatiker, und wahrscheinlich ziehe ich deshalb auch die Gleichgesinnten da oben an! Es ist mir wichtig, dass die Rat suchende Person am Ende des Channellings weiß, worum es geht, und nicht erst Interpretationen anstellen muss."

"Für Skeptiker", meint er weiter, "channelle ich besonders gerne. Es macht immer wieder Spaß, ihre überraschten Gesichter zu sehen."

Auch geistige Wesen streiken
Wobei er sich in keinster Weise als Missionierer sieht. Im Gegenteil: "Ich würde nicht wollen, dass meine Klienten abhängig werden. Dass sie nur mehr Entscheidungen treffen, wenn der Fall vorher bechannelt wurde." Auch Anfragen, die sich gezielt auf Krankheiten oder Tod beziehen, führt er nicht aus. "Das halte ich für unverantwortlich. Ich kann dann nur zur gesamten Lebenssituation eines Menschen Analysen einholen."

Es gibt aber auch Fälle, da streiken die geistigen Wesen von sich aus. "Wenn jemand zum Beispiel über einen anderen etwas in Erfahrung bringen möchte und der das nicht will."

Ein Hindernis, das es bei Kerstin nicht gab. Die 40-jährige Oberösterreicherin stellte per Mail die Frage: "Wie schaut es in meiner Partnerschaft aus?", wo doch jeder, wie sie richtig sagt, "gleich an Schwierigkeiten in der Beziehung denken würde". Das Gegenteil ist aber bei Kerstin der Fall, und genauso kam es von oben zurück: "Ihr beide seid wie in einer Seilschaft", rezitiert die Oberösterreicherin die Bestätigung aus dem Kosmos, "einer kann sich auf den anderen verlassen."

Was die Dekorateurin und letztlich auch ihren bis dato ungläubigen Freund überzeugte, findet auch bei anderen immer mehr Anklang. Der Wirtschaftsboss, den er kennt und der sich vor größeren Entscheidungen immer vom Universum beraten lässt, wird bald keine Ausnahme mehr sein, ist Peter Beck sicher. An den Wesen im Jenseits liegt's auf jeden Fall nicht. Sie sind jederzeit bereit, uns mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, und sei das Problem noch so "banal". Schließlich waren sie auch mal Menschen.

Miriam Berger

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