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Was durchsichtige Rucksäcke mit Waffengewalt zu tun haben

Seit dem Amoklauf an der Schule in Florida müssen SchülerInnen durchsichtige Rucksäcke tragen. Dass dies nur eine Symptombekämpfung ist, wissen alle.

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durchsichtiger rucksack
© twitter.com/longlivekcx

In die Marjory Stoneman Douglas Highschool in Florida ist der Alltag zurückgekehrt. Zumindest ist das der Wunschtraum der Schulverwaltung. Nachdem im Februar 17 SchülerInnen bei einem Amoklauf getötet wurden, hat nun der Unterricht wieder begonnen. Die Kids wurden von ihren Freunden, Therapiehunden und durchsichtigen Rucksäcke begrüßt.

Über letzteres ist die Schülerschaft nicht besonders glücklich, was sie auch deutlich auf Twitter formulierten. Allen voran das Posting von Kyra Parrow, das einen Schulkameraden zeigt, der "Transparente Rucksäcke sind blöd" in seinen Ranzen geschrieben hat. Robert W. Runcie, der für die Schulen jener Region zuständig ist, hatte einen Brief ausgeschickt, in dem die Situation erklärt wird.

Demnach würden die transparenten Ranzen zu den neuen Sicherheitsmaßnahmen gehören. Zusätzlich sollen SchülerInnen Identifikations-Pins tragen, damit man gleich erkennt, wenn eine fremde Person das Gelände betritt. Doch so gut diese Maßnahmen auch gemeint sind, die Schülerschaft ist damit nicht wirklich zufrieden. Und das nicht aus eitlen Gründen, sondern weil sie zurecht das Gefühl haben, mit einer Symptombekämpfung abgespeist zu werden.

"Super. Transparente Rucksäcke werden die Problem lösen. Ich bin dankbar für den Versuch, aber ich hätte lieber neue Waffengesetze als einen durchsichtigen Rucksack." , schreibt Lauren Hogg. Und Carly Novell ergänzt: "Transparente Rucksäcke tun gar nichts, außer, dass sie uns dumm aussehen lassen. Wir wollen uns sicher und nicht unangenehm fühlen. Die einzige Sache, die wirklich einen Einfluss auf unsere Sicherheit haben kann, ist ein neues Waffengesetz."

Ein weiteres Problem, das die durchsichtigen Rucksäcke verursachen, ist die mangelnde Privatsphäre. Dies betrifft vor allem Mädchen, denen es unangenehm ist, ihre Tampons und Binden auf dem Silbertablett zu präsentieren. Und auch SchülerInnen, die regelmäßig Medikamente nehmen müssen, wollen das nicht allen mitteilen.

Um auf diesen Aspekt der Sache aufmerksam zu machen, posteten Mädels wie Jungs Fotos von Rucksäcken, die prall mit Periodenprodukten gefüllt sind. Besonders beliebt ist der Tweet von Cameron Kasky. Der Schüler ist Mitbegründer der March For Our Lives Bewegung und scheut nicht davor zurück, politische Statements zu setzen.

Er füllte seinen transparenten Rucksack mit Tampons und schrieb auf Twitter, dass er durch seinen Miniprotest erst so richtig begriffen hat, wie teuer Hygieneprodukte wirklich sind. Er wolle sich nun gemeinsam mit Mitschülerinnen dafür einsetzen, dass die Tampon-Steuer abgeschafft wird. Laut diesem Gesetz werden Hygieneartikel im Staat Florida besonders hoch versteuert, da sie als "Luxusgut" gelten.

Es ist erstaunlich, wie es die Kids nach einem solch traumatischen Erlebnis schaffen, sich nicht nur auf den Schulalltag zu konzentrieren, sondern sich auch für politische Ziele einzusetzen. Schüler wie Kasky wecken die Hoffnung, dass die Zukunft wirklich ein Stückchen besser werden kann.

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