Ressort
Du befindest dich hier:

Echte Kerle sind Feministen!

Gleichberechtigung ist für sie selbstverständlich. Macho-Gehabe finden sie einfach nur peinlich, und erfolgreiche Frauen beeindrucken sie. Vom Polizisten über den Steinmetz bis zum Anwalt - Diese Männer haben starke Statements - nicht nur am T-Shirt. Denn Emanzipation ist bei ihnen längst angekommen.

von

Echte Kerle sind Feministen!

Christian ist Steinmetz. Und Feminist.

© Wolfgang Wolak

CHRISTIAN ERBER, 26

STEINMETZMEISTER

Der Burgenländer lebt seit sechs Jahren in einer Beziehung. Seine Freundin arbeitet als Laborantin und beginnt ein Grafik-Studium.

WOMAN: Was bedeutet Feminismus für Sie?
Erber:
Diskriminierung oder Benachteiligung von Frauen lehne ich kategorisch ab. Wenn ich so eine Situation beobachte, stelle ich mich sofort an die Seite der Frau. Eine andere Einstellung ist in diesem Fall inakzeptabel.

Wie leben Sie Gleichberechtigung?
Erber:
Zu Hause ist die Küche mein Reich, ich koche sehr gern, und geputzt wird gemeinsam. Meine Freundin erledigt die Wäsche. Wichtig ist mir, das Steinmetz-Handwerk Frauen näherzubringen. Wenn Schulklassen auf Besuch in unseren Betrieb kommen, zeige ich besonders gern den Mädchen, dass das auch ein toller Job für sie wäre.

Bei welcher Macho-Attitüde sehen Sie rot?
Erber:
Spontan fallen mir da so manche Kundengespräche ein, bei denen Männer die Meinung ihrer Frauen belächeln oder abwerten. Dabei liegen diese, wie ich finde, meistens richtig.

Manche Männer fühlen sich durch #MeToo verunsichert. Ist das für Sie nachvollziehbar?
Erber:
Der Grat zwischen Kompliment und Belästigung scheint für viele immer schmaler zu werden. Dabei ist es so simpel: Man muss sich nur an angemessene Umgangsformen halten, dann kommt es nie zu einem Problem. Wann beginnt für Sie Sexismus? Wenn sich ein Geschlecht dem anderen gegenüber überlegen fühlt und das dann in irgendeiner Art und Weise auslebt. Sei es durch Benachteiligung im Beruf oder eine abwertende Bemerkung. Beispiele gibt es genug. Welche Frauen beeindrucken Sie? Vor allem die, die sich in sogenannten Männerdomänen durchsetzen, und prinzipiell alle, die ihren eigenen Weg gehen, entgegen allen Vorurteilen und Regeln.

Was ist für Sie ein echter Mann?
Erber:
Er definiert sich durch sein Handeln. Dadurch, wie er seine Lebensaufgaben meistert und seine Mitmenschen behandelt, ganz egal welchen Geschlechts, welcher Orientierung oder Gesinnung diese sind. Dasselbe gilt natürlich auch für eine "echte" Frau.

ALEXANDER SOCHER, 43

FRISEUR

Der Wiener ist Geschäftsführer bei "Toni& Guy Vienna" und zweifacher Vater. Sein 13-jähriger Sohn lebt mit der Mutter in Argentinien. Mit seiner neuen Freundin hat er einen zwei Monate alten Buben.

WOMAN: Was bedeutet Feminismus für Sie?
Socher:
Dass Gleichberechtigung selbstverständlich ist. Ich selbst wurde schon so erzogen. Noch dazu bin ich mit zwei Schwestern aufgewachsen. Und in meinem Beruf gibt es keine Unterschiede zwischen Männern und Frauen.

Wie leben Sie Gleichberechtigung?
Socher:
Ohne Halbe-halbe im Haushalt funktioniert keine Partnerschaft. Ich bin der Koch in der Familie und liebe es, auf meinen Kleinen aufzupassen, obwohl meine Freundin zurzeit sicher den größeren Anteil mit ihm erledigt. Mein Job lässt ein Papa-Jahr leider nicht zu. Es ärgert mich auch sehr, dass in vielen Branchen Männer, für die gleiche Arbeit, immer noch mehr verdienen.

Bei welcher Macho-Attitüde sehen Sie rot?
Socher:
Bei ernst gemeinten Frauen-oder Schwulenwitzen.

Manche Männer fühlen sich durch #MeToo verunsichert. Ist das für Sie nachvollziehbar?
Socher:
Es ist gut, dass dadurch viel aufgedeckt wurde. Nur: Mittlerweile weiß man als Mann ja wirklich nicht mehr, wie man sich verhalten soll. Das kann es auch nicht sein.

Wann beginnt für Sie Sexismus?
Socher:
Wenn Grenzen überschritten werden und die Frau signalisiert, dass sie sich nicht wohlfühlt.

Welche Frauen beeindrucken Sie?
Socher:
Meine Mutter, von der ich sicher am meisten gelernt habe. Aber auch meine Freundin und meine zwei Schwestern.

Was ist für Sie ein echter Mann?
Socher:
Diese Frage sollte lieber eine Frau beantworten.

Was ist Ihnen als Papa wichtig?
Socher:
Meine Jungs sollen sich auf mich verlassen können. Joshua lebt in Argentinien, ich sehe ihn selten. Trotzdem skypen wir jede Woche. Wenn man seine Kinder liebt, gelingt es, trotz erschwerter Umstände, ein gutes Verhältnis zu bewahren.

FRIEDRICH SCHWARZINGER, 58

RECHTSANWALT & MEDIATOR

Der Niederösterreicher lebt in einer Patchwork-Familie mit vier eigenen erwachsenen Töchtern und drei Stiefsöhnen.

WOMAN: Was bedeutet Feminismus für Sie?
Schwarzinger:
Für mich war und ist Chancengleichheit und Gleichberechtigung immer sehr wichtig. Wo und wann es nötig war, bin ich gegen Diskriminierung aufgestanden.

Wie leben Sie Gleichberechtigung?
Schwarzinger:
Zu Hause versuche ich, so viel wie möglich, mitzuhelfen. Aber auch beruflich werde ich damit konfrontiert: Bei jeder Gerichtsverhandlung, in jeder Diskussion, bei jedem Seminar, das ich leite, und jeder Mediation stelle ich mich dieser Herausforderung. Und ich finde es furchtbar, wie wenig Anerkennung Frauen für ihre Mehrfachbelastung durch Kinder und Job erhalten. Dazu werden sie auch noch oft schlechter bezahlt.

Bei welcher Macho-Attitüde sehen Sie rot?
Schwarzinger:
Ekelhaft finde ich, wenn Männer Frauen begaffen, als wären sie Freiwild. Oder: In einem Lokal wird meist nur dem Mann Wein zum Vorkosten eingeschenkt. Warum nicht der Frau? Das ist völlig antiquiert. Manche Männer fühlen sich durch #MeToo verunsichert. Ist das für Sie nachvollziehbar? Ein Übergriff, physisch, verbal oder körpersprachlich, ist nie in Ordnung. Es geht darum, plumpe sexistische Machtausübung nicht mehr zu rechtfertigen.

Wann beginnt für Sie Sexismus?
Schwarzinger:
Bei Rücksichtslosigkeit oder wenn eine Frau nicht mitbestimmen darf. Wenn das Gegenüber die Zuwendung nicht möchte, hat man das einfach zu lassen.

Welche Frauen beeindrucken Sie?
Schwarzinger:
Cleopatra, Hildegard von Bingen und Bertha von Suttner sind großartige historische Persönlichkeiten. Auch Aktivistinnen in Krisenländern bewundere ich sehr. Und natürlich meine Mutter und meine älteren Schwestern.

Was ist für Sie ein echter Mann?
Schwarzinger:
Er ist Schutz und Kraft und Feingefühl in einer Person. Keinesfalls einer, der respektlos oder aggressiv ist.

Was ist Ihnen als Papa wichtig?
Schwarzinger:
Ich wünsche mir, dass meine vier Töchter sich immer gleichberechtigt fühlen und sich voller Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten dem Leben stellen.

ALEXANDER PÜRZEL, 34

AHS-LEHRER & STRONGMAN

Der geschiedene Wiener leitet auch ein Kraftsport-Center und lebt mit seiner Freundin, einem Fitness-Coach, zusammen.

WOMAN: Was bedeutet Feminismus für Sie?
Pürzel:
Die Grundlage, dass wir in unserer Verschiedenheit gleichberechtigt nebeneinander leben können. Wir sind alle einzigartig, egal ob Mann oder Frau. Unsere Bedürfnisse sind gleich viel wert. Feminismus ist gut, weil man sich an diesem Wort stößt. Es ist wie ein durchtrainierter Körper. Man braucht ihn nicht unbedingt, aber er regt zur Diskussion an. Und solange wir darüber reden, bringt uns das ein Stück weiter.

Wie leben Sie Gleichberechtigung?
Pürzel:
Ganz ehrlich: Halbe-halbe im Haushalt zählt für mich zur Steinzeit der Emanzipation. Das sollte selbstverständlich sein. Meine Freundin und ich helfen einander, wo es geht. In Unterrichtsstunden und Vorträgen lasse ich das Thema immer einfließen.

Bei welcher Macho-Attitüde sehen Sie rot?
Pürzel:
Wenn mir etwas widerstrebt, spreche ich das an. Falls mir selbst einmal etwas Unbedachtes passiert, entschuldige ich mich. Das kommt aber selten vor. Manche Männer fühlen sich durch #MeToo verunsichert.

Ist das für Sie nachvollziehbar?
Pürzel:
Diese Unsicherheit spüre ich nicht. Ich denke, Feingefühl, Rücksichtnahme, Offenheit, Empathie und miteinander reden zu können lösen jede Unsicherheit.

Wann beginnt für Sie Sexismus?
Pürzel:
Ich definiere ihn so: Es ist die bewusste Reduktion einer Person auf ihr Geschlecht, um sich selbst einen vermeintlichen Vorteil zu verschaffen. Aber ein normaler Mann checkt doch, ob was geht oder nicht.

Welche Frauen beeindrucken Sie?
Pürzel:
Es gibt viele Menschen, die mich auf verschiedene Art und Weise faszinieren, ob Mann oder Frau. Ich glaube, wenn eine Person zum Vorbild wird, verliert man die objektive Sicht auf sie. Meine jetzige Freundin erweitert meinen Horizont jeden Tag. Das habe ich davor nicht so gekannt.

Was ist für Sie ein echter Mann?
Pürzel:
Einer, der stark ist. Aber nicht im brutalen Sinn, sondern einer, der Kraft ausstrahlt. Und ein 50er-Oberarm schadet auch nicht.

DANIEL ZIPFL, 31

POLIZIST

Der Wiener ist verheiratet und hat eine 14 Monate alte Tochter. Seine Frau ist ebenfalls Polizistin.

WOMAN: Was bedeutet Feminismus für Sie?
Zipfl:
Dass Gleichberechtigung in der heutigen Gesellschaft längst angekommen sein sollte. Unbegreiflicherweise ist es noch nicht so.

Wie leben Sie Gleichberechtigung?
Zipfl:
Als Vorgesetzter behandle ich jeden Mitarbeiter selbstverständlich gleich. Aber leider habe ich als Polizist immer wieder mit Menschen zu tun, bei denen es noch einiger Überzeugungsarbeit in Richtung Gleichberechtigung bedarf. Ungleiche Behandlung unter Kollegen habe ich in meinem Beruf noch nie erlebt. Bei uns muss jeder dasselbe leisten, anders wäre es auch nicht möglich. Aber unfaire Entlohnung oder Nachteile durch Karenzzeiten regen mich auf.

Bei welcher Macho-Attitüde sehen Sie rot?
Zipfl:
Da gibt es viele, aber zusammengefasst gesagt: alle Tätigkeiten oder Formulierungen, die den Stellenwert der Frau untergraben oder diese unzumutbar belästigen. Manche Männer fühlen sich durch #MeToo verunsichert. Ist das für Sie nachvollziehbar? Natürlich macht mich Gewalt gegen Frauen rasend. Der Startschuss zur Debatte war wichtig. Mittlerweile ist sie aber so überreizt, dass sogar viele Frauen in meinem Umfeld davon unangenehm berührt sind.

Wann beginnt für Sie Sexismus?
Zipfl:
Wenn jemandem eine Handlung oder Aussage zu weit geht. Der Respekt sollte immer vorhanden sein. Welche Frauen beeindrucken Sie? Da fallen mir spontan meine Mutter und meine Frau ein. Aber auch Frauen, die sich in Berufen durchsetzen, die jahrzehntelang von Männern dominiert wurden.

Was ist für Sie ein echter Mann?
Zipfl:
Jeder, der es versteht, sich nicht animalisch zu verhalten.

Was ist Ihnen als Papa wichtig?
Zipfl:
Meine Tochter soll weltoffen denken und ihre Träume verwirklichen. Kinder brauchen Entfaltungsfreiheit. Und natürlich möchte ich der beste Vater der Welt für sie sein.

ALEX MCGREGOR, 49

KUNSTHANDWERKER UND MÖBELDESIGNER

Der Wiener Freischaffende (strict-machine. webnode.at) ist seit vier Jahren mit einer Künstlerin liiert. Er hat einen erwachsenen Sohn aus einer früheren Beziehung.

WOMAN: Was bedeutet Feminismus für Sie?
McGregor:
Wir sollten uns alle auf Augenhöhe begegnen und keine geschlechtsspezifischen Unterschiede machen. Eine von Männern dominierte Gesellschaft ist ohnehin automatisch aus dem Gleichgewicht. Und Stereotypen stören: Warum darf ein Bursch nicht weinen? Warum können Mädchen angeblich nicht gut werfen?

Wie leben Sie Gleichberechtigung?
McGregor:
Als gelernter Koch mache ich am Herd eine gute Figur. Ich habe noch nie verstanden, warum die Frau an meiner Seite putzen soll. Im Übrigen behandle ich andere so, wie ich behandelt werden möchte: mit Respekt. Und Respekt hat kein Geschlecht. Ich selbst habe ungleiche Behandlung auf großer Ebene noch selten erlebt. Aber gerade auf kleine Ungerechtigkeiten müssen wir aufpassen. Sie führen oft zu großen Ressentiments. Bei welcher Macho-Attitüde sehen Sie rot? Wenn jemand seine Machtposition ausnutzt, um Schwächere zu unterdrücken. Da werde ich ungut. Aber ich lache manchmal bei Herrenwitzen und schaue mir durchaus gern schöne Frauen an. Manche Männer fühlen sich durch #MeToo verunsichert.

Ist das für Sie nachvollziehbar?
McGregor:
Die Grenze liegt bei jedem woanders. Aber es sollte doch allen klar sein, was absolut nicht geht: Unterdrücke niemanden, vergewaltige niemanden und tatsch' niemanden an. Jeder Mann checkt doch, wenn eine Frau Nein signalisiert. Außer er ist ein Volldepp. Wann beginnt für Sie Sexismus? In dem Moment, in dem ein Mann einer Frau etwas nicht zutraut, nur weil sie einen anderen Chromosomensatz in sich trägt. Oder wenn er sie in eine Situation bringt, die sie wehrlos und überfordert zurücklässt.

Welche Frauen beeindrucken Sie?
McGregor:
Jede meiner bisherigen Partnerinnen hat mir viel beigebracht. Als Künstler gefallen mir jene, die sich durch ihre Kreativität und Handwerkskunst ausdrücken können. Und meine Oma war meine größte Vertraute.

Was ist für Sie ein echter Mann?
McGregor:
Ein guter Mensch, in jeder Beziehung.

WOMAN Community

Deine Meinung ist wichtig! Registriere dich jetzt und beteilige dich an Diskussionen.

Jetzt registrieren!

Schon dabei? .