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Model: "Missbrauch ist im Fashion-Biz allgegenwärtig!"

Topmodel Edie Campbell klagt in einem offenen Brief an: "Sexueller Missbrauch wird in der Modebranche fast schon als ein Teil des Jobs angesehen."

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Model: "Missbrauch ist im Fashion-Biz allgegenwärtig!"

Model Edie Campbell: "Missbrauch ist Model-Alltag"

© Getty Images

Kein Ende der #metoo-Debatte: Nachdem das Bekanntwerden zahlreicher sexueller Übergriffe durch den Film-Mogul Harvey Weinstein zu einer weltweiten Diskussion über Missbrauch und Sexismus führten, melden auch immer mehr Models die Belästigungen, denen sie während ihrer Arbeit ausgesetzt sind.

Modemagazine wie die "Vogue" oder die "Elle" kündigten darauf die Zusammenarbeit mit Star-Fotograf Terry Richardson, der Models unter der Androhung, sonst ihre Karrieren zu zerstören, zu Blow Jobs und anderen demütigenden sexuellen Handlungen gezwungen haben soll.

Edie Campbell: "Terry Richardson ist nur die Spitze des Eisbergs!"

Nun meldet sich das britische Model Edie Campbell, mit Kampagnen für Burberry, Dior, Lavin, Jil Sander oder Hermes eines der weltweit erfolgreichsten Gesichter im Fashion-Biz, mit einem offenen Brief in dem Magazin WWD zu Wort. "Terry Richardson ist nur die Spitze des Eisbergs," schreibt die 27jährige Kunststudentin. "Jeder in der Fashion-Industrie weiß, dass sexueller Missbrauch nicht nur von einem bestimmten Mann ausgeht, sondern alltäglich ist."

Edie Campbell mit Fotograf Mario Testino: "Ich wurde zum Glück nie Opfer sexueller Gewalt."

Sie beklagt, dass sich die Medien ausschließlich auf Richardson konzentrieren würden, "dabei ist Fashion-Biz fest in der Hand mächtiger Männer. Fotografen, Agenten, Designer, die Models als Ware betrachten. Die jungen Frauen werden betatscht, gedemütigt, angeschrien und in den schlimmsten Fällen auch unter Drogen gesetzt und vergewaltigt."

Dies betreffe nicht nur weibliche, sondern auch männliche Models. "Die sexuellen Übergriffe sind so allgegenwärtig, dass sie von vielen bereits als ein Teil des Jobs betrachtet werden. Als etwas, was dazu gehört und man schlucken muss, wenn man als Model, als Kamera-Assistent, als Visagist Erfolg haben und weiter gebucht werden will."

Die Grenzen verschwimmen oft, so Campbell: "Als Model zieht man sich vor anderen Menschen aus. Man geht abends gemeinsam aus, man trinkt, man tauscht Gossip, man kichert zusammen. Wenn so viel informelles zum Job gehört, fällt die Trennung zwischen privat und professionell nicht ganz einfach. Wer nicht mitmacht, der gilt als "schwierig". Und damit als jemand, mit dem man nicht gerne zusammenarbeitet."

Dazu komme, dass es in der Fashion-Industrie immer noch eine extreme Verehrung des "kreativen Genies" gebe. "Wer kreativ ist, der darf auch verrückt und unangepasst sein. Man verzeiht diesen sogenannten Genies alles – auch, wenn sie junge Frauen und Männer missbrauchen, sie mies behandeln."

Edie Campbell fordert, dass auch im Mode-Business Grenzen gesetzt werden, Regeln festlegen, was Teil des Jobs ist – und was man nicht mehr dulden muss. "Das geht nicht per Gesetz", so die Britin. "Sondern nur durch eine transparente Diskussion, die das Mindset der Beteiligten ändert."