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Ehevertrag: Ja oder Nein?

Braucht man wirklich einen Ehevertrag oder kann man sich den Gang zum Notar sparen? Welche Vorteile kann er bei einer Scheidung tatsächlich bringen und wo ist er nutzlos?


Ehevertrag: Ja oder Nein?
© Thinkstock/iStock/jodie777+

In Österreich werden mehr als ein Drittel der Ehen wieder geschieden – da sollte man meinen, dass ein Ehevertrag für viele Paare inzwischen von vornherein zum ganz normalen Ablauf der Eheschließung gehört. Doch in Wirklichkeit sieht es ganz anders aus: Nur etwa fünf Prozent der österreichischen Ehepaare haben sich tatsächlich dazu entschlossen, sich mit einem Ehevertrag abzusichern.

Der Grund dafür, dass hierzulande weniger Leute einen solchen Vertrag überhaupt als notwendig empfinden, als zum Beispiel im benachbarten Deutschland, liegt in der ohnehin recht günstigen Gesetzeslage. Denn in Österreich herrscht der so genannte gesetzliche Güterstand der Gütertrennung. Dieser sieht vor, dass beide Eheleute die Eigentümer ihres jeweiligen Vermögens bleiben, egal ob sie es vor oder während der Ehe verdient haben –vorausgesetzt natürlich, es handelt sich dabei nicht um gemeinsam genutzte Güter wie Mobiliar oder ein Auto, das für die gemeinschaftliche eheliche Nutzung angeschafft wurde, oder ein gemeinsames Sparkonto für Urlaube und andere eheliche Ausgaben und Anlagen.

Doch wo genau verläuft die Grenze zwischen dem ehelichen und dem privaten Vermögen? Der Ehevertrag kann viele dieser finanziellen Unsicherheiten auflösen und lohnt sich daher vor allem für Paare, die in Sachen Vermögen ungleich aufgestellt sind. Der Vertrag regelt eindeutig alle finanziellen Fragen und kann so viele Themen, die zu einem Streit führen könnten, im Vorfeld entschärfen.

Ein Beispiel: Einer der Ehepartner verdient mehr als das Doppelte dessen, was der andere monatlich einnimmt, und kauft daher den Großteil der Wohnungseinrichtung. Nach dem Gesetzt werden diese Güter zum ehelichen Gebrauchsvermögen gezählt und würden bei der Scheidung fair unter den Eheleuten aufgeteilt werden. Befürchtet der finanziell stärkere Partner nun einen erheblichen Nachteil durch diese Regelung, kann der Ehevertrag dies abändern. Besonders romantisch und vertrauensvoll mag das zwar erst einmal nicht klingen, doch vom logischen Standpunkt her macht der Vertrag in solchen Fällen durchaus Sinn und beseitigt obendrein die eine oder andere Sorge.

Sind beide Partner hingegen finanziell in etwa gleich gut aufgestellt, ist dieses Thema natürlich weniger wichtig – hierfür braucht man nicht unbedingt eine vertragliche Regelung. Der Ehevertrag kann übrigens auch noch jederzeit während der Ehe geschlossen werden und muss nicht unbedingt schon vor der Hochzeit vorliegen. So kann und sollte man ihn außerdem stets vom Notar an die aktuelle finanzielle Situation anpassen lassen.

Ein weiteres gutes Argument für den Ehevertrag ist, dass Frauen im Schnitt weniger Erwerbsarbeit leisten, wenn sie ein Kind bekommen. Ihre Arbeitskraft fließt zumindest in der ersten Zeit zum größten Teil in die Fürsorge und Erziehung des Nachwuchses, sodass sie zumindest auf dem Papier weniger zum ehelichen Vermögen beizutragen scheinen. Familienarbeit ist selbstverständlich ein gleichwertiger Beitrag zum Ehevermögen, doch er ist auch weniger leicht greifbar und das kann verständlicherweise zu Unsicherheiten führen. Wer hier eine finanzielle Benachteiligung im Scheidungsfall befürchtet, kann durch eine vertragliche Regelung sehr viel Sicherheit gewinnen.

Fazit

Nicht immer scheint sich ein Ehevertrag auf den ersten Blick zu lohnen, da das Ehegüterrecht in Österreich schon viele der fraglichen Punkte zu regeln scheint und im Normalfall eine recht ausgewogene Aufteilung der ehelichen Güter nach der Scheidung bewirkt. Doch eines kann selbst das beste Gesetz nicht vereinfachen, und das sind die Details rund um das eheliche und private Vermögen der Partner. Nach einer langen Ehe kann es sehr mühsam werden, wenn man sich haarklein seiner Finanzen von vor zehn oder zwanzig Jahren entsinnen soll — hier können sich selbst Paare, die annähernd gleich gut verdienen, viel Kopfzerbrechen und eine unnötige Verzögerung des Scheidungsprozesses ersparen. Vor allem, wenn man sich Auseinandersetzungen rund um das liebe Geld ersparen möchte, bringt der Ehevertrag auch schon während der Ehe einiges an Sicherheit, weshalb man ihn nicht von Vornherein ausschließen sollte.

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