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Eifersucht - Ansporn oder bringt das "Gift in der Seele" den Tod jeder Beziehung?

Ein bisschen Liebesneid kann ein Ansporn für die Beziehung sein und diese richtig spannend machen. Zu viel Eifersucht ist aber der sichere Tod jeder Liebe. Lesen Sie, wie Sie am besten mit den Emotionen umgehen!

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Eifersucht - Ansporn oder bringt das "Gift in der Seele" den Tod jeder Beziehung?
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Eigentlich hätte es ein schöner Abend werden sollen, aber jetzt ist alles gelaufen. Ihr Partner hat doch tatsächlich auf der Geburtstagsparty Ihrer besten Freundin hemmungslos mit einer anderen Frau geflirtet. Alle Versuche, ihn von ihr wegzulotsen, scheiterten – bis Sie ihn am Ärmel packten und wutentbrannt sagten: "Wir gehen jetzt!" Und jetzt sitzen Sie neben ihm im Auto, könnten vor Zorn schreien, und seine gelassene Art versetzt Sie noch mehr in Rage: "Ich werd doch noch mit einer anderen reden dürfen!" - "Das war schon mehr als Reden. Du hast mich noch dazu vor allen blamiert!", werden Sie heftig, und er erwidert: "Was du dir immer einbildest. Wir haben die ganze Zeit nur über römische Ausgrabungen und Bergsteigen geredet!" Na fein! Genau die beiden Hobbys, die Sie nicht mit ihm teilen. "Dann nimm dir doch die!", rufen Sie und würden am liebsten aus dem Auto springen. Wenn er jetzt sagt: "Aber komm, Schatzi, du bist doch die Beste und Tollste, und ich will gar keine andere", dann könnte bald alles wieder im Lot sein und unter "einmaliger Ausrutscher" abgehakt werden. Wenn nicht, wird möglicherweise für Sie beide eine schwierige Zeit beginnen, mit der größten Feindin der Liebe an der Seite: der Eifersucht.

Quälendes Gefühl.
Es gibt eine "reaktionelle und eine pathologische Eifersucht", stellt Gabi Fischer, Sozialpädagogin und Lebensberaterin ( www.gabifischer.com ), dazu klar, "also eine begründete und eine, wo Gründe nur oder vor allem in der Einbildung existieren. Wenn ich meinen Partner beim Flirten erwische, beim Werben um eine andere Person, oder gar eindeutige Anzeichen habe, dass er untreu ist, ist es begründet, dass ich reagiere." Und unvermeidbar, dass der wohl jedem bekannte Gefühlscocktail aus Angst, Minderwertigkeitsgefühlen und Wut ins System schießt. Eines der quälendsten Gefühle, die man haben kann. "Denn fast automatisch melden sich auch die eigenen Defizite", weiß die Expertin, "und führen zu Fragen wie: Bin ich nicht mehr attraktiv genug, liebenswert und interessant? Was hat sie, was ich nicht habe?" Was normal ist, solange es fallbezogen bleibt und nicht zum Hauptgedanken der Beziehung wird.

"Hinter der Eifersucht verbergen sich Selbstzweifel, Besitzdenken, die Einstellung, unbedingt die Liebe, Bestätigung und Aufmerksamkeit des Partners zu brauchen", definiert es der deutsche Psychotherapeut Rolf Merkle ( www.rolfmerkle.de ), der zu dem Thema auch den Ratgeber "Eifersucht" ( Pal-Verlag, € 12,80 ) herausgebracht hat. Er beschreibt die quälende Emotion nicht als Liebesbeweis, sondern als Angst vor dem Verlust der Liebe. Wobei er einräumt, dass leichte Eifersuchtsgefühle für uns auch ein Ansporn sein können. "Wir bemerken, wie wichtig der Partner für uns ist, und bemühen uns wieder mehr um ihn."

Große Verlustängste.
Wie eifersüchtig jemand reagiert, hängt von seinem Selbstwert ab. "Menschen, die an sich glauben, sich ihrer Stärken und Schwächen bewusst sind, sich annehmen und von der Meinung anderer weniger abhängig sind, sind auch weniger empfänglich", weiß Merkle. Kollegin Fischer, auch bekannt als redegewandte Ratgeberin in Barbara Karlichs täglicher Talkshow, pflichtet dem bei: "Selbstvertrauen und Selbstwertgefühle werden schon in der Kindheit geprägt." Bezugspersonen müssen dem Nachwuchs nur hin und wieder andeuten, dass man ihm eh nichts zutraut und die Tochter vom Nachbarn viel fleißiger, schöner und gescheiter ist, und schon sind die schönsten Narben ins Selbstwertgefühl gegraben.

"Das sind dann oft Frauen oder Männer, die für andere durchaus attraktiv und beneidenswert wirken, weil sie alles zu haben scheinen", so die Expertin. "Die aber im eigenen Inneren überzeugt sind, dass alle anderen schöner, besser und vifer sind. Und wenn man sich selbst nicht liebt, glaubt man auch nicht, dass andere es tun. Im Fall des Partners ist man sicher, dass man ihn eigentlich gar nicht verdient hat und er sich schon längst um was Besseres umschaut. Verlustängste werden riesengroß - und damit die Eifersucht."

Glückliche Einzelkinder.
Auch wer als Kind eine Trennung der Eltern erlebt hat und diese nicht aufarbeiten konnte, ist anfällig für Defizite: "Wenn die Menschen, von denen ich dachte, sie lieben mich, mich im Stich lassen, dann bin ich wahrscheinlich nicht okay!" Negativ prägend können auch Geschwister sein, die bevorzugt wurden. "Einzelkinder leiden am wenigsten unter Eifersucht", erläutert Rolf Merkle, "da sie nicht mit Geschwistern um die Liebe der Eltern rivalisieren mussten. Die Erfahrung, die Liebe exklusiv zu bekommen, ohne Angst haben zu müssen, sie zu verlieren, gibt Vertrauen!"

Ein Gefühl, das krankhaft Liebesneidige nicht kennen. Ob man jetzt selbst in der Rolle des Misstrauischen ist oder derjenige, der kontrolliert wird – das giftige Gefühl zerstört auf Dauer jede Beziehung. "Liebe ohne Freiheit stirbt", bringt es Fischer auf den Punkt, "Kontrolle ist das Gegenteil von Vertrauen!"

Beweise für Untreue.
Mara, eine verheiratete Frau Ende 30 und Mutter zweier Kinder, lebte in der ständigen Angst, ihr Mann könnte eine andere Frau attraktiver finden. "Ich hab sein Gewand nach verdächtigen Zetteln durchsucht, sein Handy kontrolliert, wenn er später heimgekommen ist, bin ich fast ausgerastet", gibt sie zu. "Als ich sogar schon anfing, den Mistkübel nach Beweisen für seine Untreue zu durchwühlen, hab ich mich selbst geschämt." Aber aufhören, ihrem Mann hinterherzuspionieren, konnte sie nicht. "Der Gedanke, ihn an eine andere zu verlieren, versetzte mich in Panik!"

Maras Mann versuchte, seine Frau erst mit Liebesbeweisen von seiner Treue zu überzeugen, schließlich blieb er fast nur mehr zuhause. Ein Wort mit einer anderen Frau, und er hätte die Hölle gehabt. "Ich war mir sicher, dass ihn die alleinige Schuld an der Misere traf", erzählt die inzwischen geläuterte Mara, "würde er sich anders verhalten, wär ich auch nicht so!" Heute, nachdem ihr Mann sie letztendlich verlassen und Mara eine Therapie hinter sich gebracht hat, weiß sie, dass "ich mich selbst eifersüchtig gemacht habe."

Für begründet halten viele Menschen ihre Eifersucht allerdings dann, wenn der andere tatsächlich fremdgegangen ist. "Aber", so Therapeut Merkle, "die Reaktion ist auch nur für eine befristete Zeit normal." Wenn der Partner für sein restliches Leben bespitzelt und mit Vorwürfen überhäuft werden soll und über jeden seiner Schritte Rechenschaft ablegen muss, wird sich keiner in der Beziehung mehr wohl fühlen. "Irgendwann ist es für die Partnerschaft und den eigenen inneren Frieden notwendig, loszulassen, zu verzeihen und wieder Vertrauen aufzubauen oder aber sich zu trennen." Ist der Partner krankhaft eifersüchtig, nützt es nichts, auch wenn man noch so oft seine Unschuld beteuert und ihm sagt, dass man nur ihn liebt. Er wird weiterhin dieselben nervtötenden Fragen stellen. "Da hilft", rät Gabi Fischer, "wirklich nur mehr eine Therapie!"

Angst vor dem Partner.
Gern wäre Bianca mit ihrem Exlebensgefährten in eine solche gegangen, doch der extrem Eifersüchtige wollte davon nichts wissen.

"Er wollte mich einsperren, von allem isolieren", wird es der 34-Jährigen bei der Erinnerung noch immer ganz anders. "Zum Schluss war er nicht nur auf andere Männer eifersüchtig, sondern auf meine Freundinnen und Arbeitskollegen, ja sogar den Hund, mit dem ich spazieren ging. Er behauptete, ich würde mit allen anderen lieber meine Zeit verbringen als mit ihm!" Als sie sich bereits vor seinen Ausbrüchen zu fürchten begann, beendete sie die Beziehung, wurde aber noch monatelang von ihm gestalkt. Bis er zum Glück (für sie) eine andere fand.

Othello-Syndrom.
"Pathologische Eifersucht hat ja nichts mit Realität zu tun", so Beziehungsspezialistin Fischer. "In der Fantasie des Misstrauischen laufen oft ganze Filme ab, in denen er die vermeintliche Untreue in den für ihn schmerzlichsten Situationen sieht. Und das kann bis zum Wahn, dem so genannten Othello-Syndrom, gehen!" Leider kann krankhafte Eifersucht auch gefährlich werden, sie führt bis hin zu Gewalt, Mord und Totschlag.

Mit Liebe habe die negative Emotion aber gar nichts zu tun, räumt Rolf Merkle mit Missverständnissen auf: "Einen anderen lieben bedeutet für mich, ihm die Freiheit zu lassen, sich zu entfalten und weiterzuentwickeln, bedeutet, ihn zu unterstützen. Wenn ich eifersüchtig bin, tue ich genau das Gegenteil: Ich enge den Partner ein, beschneide seine Freiheit, terrorisiere ihn!"

Angst vorm Alleinsein.
Ist eine Beziehung nur mehr von misstrauensbedingtem Streit, Konflikten und Vorwürfen geprägt, sollte man versuchen, dem Eifersüchtigen klar zu machen, dass es professionelle Hilfe gibt. "Ich mag dich, aber dein Verhalten ist ätzend!" In leichteren Fällen könnte man, meint Gabi Fischer, auch versuchen, das Sicherheitsgefühl des Partners zu stärken: "Sagen Sie ihm öfter, dass Sie ihn lieben. Bieten Sie ihm an, dass er Sie vom Englisch-Kurs abholen kann." Den Liebsten umgekehrt absichtlich eifersüchtig machen zu wollen kann, in Maßen betrieben, eine Beziehung beleben. Allerdings auch ins Auge gehen. "Wenn ich mir selbst eine rote Rose kaufe, verdächtige Telefonnummern herumliegen lasse oder Anspielungen auf andere Verehrer mache, kann der Partner plötzlich auf die Idee kommen zu sagen: Ich trau dir nicht mehr. Du gehst jetzt nicht mehr allein aus!" Und der schönste Streit ist vorprogrammiert. Ist man tatsächlich an einen Partner geraten, der viel Bewunderung von anderen braucht, müsste man, wenn man’s nicht aushält, eine Trennung in Erwägung ziehen. "Das ist", so Gabi Fischer, "aber meist leichter gesagt als getan, weil für viele Menschen die Angst vor dem Alleinsein eine der größten ist!"

Tipps gegen Eifersucht
Am besten wäre es, dem negativen Gefühl erst gar keinen Nährboden zu geben - was mit diesen Tipps gelingen könnte:

1. Klären Sie mit Ihrem Partner, welche Freiheiten Sie sich gegenseitig zugestehen möchten, und halten Sie sich beide daran!

2. Machen sie kein Drama aus einem harmlosen Flirt seinerseits. Sie vermitteln ihm so das Gefühl von Freiheit, wodurch er sich unbewusst stärker an Sie gebunden fühlt.

3. Geben Sie Ihrem Liebsten aber zu verstehen, dass auch Sie andere Menschen reizvoll finden. Das macht Sie begehrenswerter und stärkt Ihr Selbstbewusstsein.

4. Machen Sie Ihr Selbstwertgefühl nicht allein von der Gunst des Partners abhängig. Pflegen Sie Ihren Freundes- und Bekanntenkreis, gehen Sie Ihren Hobbys nach, und freuen Sie sich über Erfolge im Job.

5. Stärken Sie Ihr Selbstbewusstsein, indem Sie sich immer wieder vorsagen, welche guten Eigenschaften und Vorzüge Sie haben, die Ihr Partner woanders sicher nicht so leicht finden kann.

Zuletzt noch ein "Quick-Tipp" von Rolf Merkle. Sprechen Sie Ihre ärgerlichen und eifersüchtigen Gedanken auf lustige Weise, etwa mit Mickymausstimme, vor sich hin. Oder singen Sie diese in die Nacht hinein: "Hast du was mit einer anderen? Ich trau dir nicht, lalala...!" Dann müssen Sie unwillkürlich lachen und haben Ihr negatives Gefühlsprogramm zumindest für eine kurze Zeit unterbrochen.

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