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Untreue? Erleben Mann und Frau anders...

Eifersucht, diese furchtbare, uns in Monster verwandelnde Gemütsregung! Forscher haben nun herausgefunden: Männer und Frauen erleben Untreue anders...

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Untreue? Erleben Mann und Frau anders...

Emotionen bringen SIE auf die Palme

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Jeder, der schon mal in einer Beziehung war, kennt es: dieses ekelhafte Gefühl der Eifersucht, dass uns in kleine, irrationale, bösartige Monster verwandelt, die wahlweise toben oder urplötzlich Eiseskälte ausstrahlen, die Vorwürfe in den Raum brüllen oder bitterlich in eine Ecke weinen.

Ein verdächtiges Facebook-Posting, ein unbeantworteter Anruf, ein zu langer Blick auf die langbeinige Blonde, ein heimliches Date ... die Auslöser, warum uns die Eifersucht ganz plötzlich eiskalt packt, sind so verschieden wie die Ausprägung, in der wir sie erleben.

Fakt ist: Eifersucht ist zwar nix Schönes, aber dennoch etwas völlig normales.

Dennoch gibt es Unterschiede, wie Männer und Frauen Eifersucht erleben – beziehungsweise auch, was die tieferliegenden Gründe dafür sind.

Männer treibt Fremd-Sex ihrer Freundin in den Wahnsinn

Die Forscher David Friedrich von der amerikanischen Chapman Universität und seine Kollegin Melissa Fales von der UCLA wollten in einem Experiment ihre These bestätigen, dass Männer eher in Sachen Sex Eifersucht empfinden, während Frauen bei einem emotionalen Fehltritt durch die Decke gehen.

Zwar gab es bereits einige Untersuchungen zu diesem Thema – die waren allerdings allesamt nur an einer kleinen, heterosexuellen Sample-Gruppe durchgeführt worden und deshalb nicht wahnsinnig aussagekräftig, wie Elite Daily meldet.

Frederick und Fales gingen die Sache deshalb nun größer an. Sie befragten unglaubliche 64.000 heterosexuelle, homosexuelle und bisexuelle Männer und Frauen im Alter von 18 bis 65 Jahren.

Zu klären: Was würde die Probanden mehr aufregen: Wenn ihr Partner mit jemand anderem schläft, aber nicht in ihn verliebt ist.... Oder wenn der Partner sich in jemanden verliebt, mit dem aber nicht in die Kiste steigt.

Die deutliche Antwort: 54 Prozent der Männer gaben an, dass sie die Vorstellung, ihr Partnerin hätte gefühllosen Sex mit einem anderen Kerl mehr aufregen würde.

Eine Einstellung, die nur 35 Prozent der heterosexuellen Frauen, 32 Prozent der homosexuellen Männer, 34 Prozent der lesbischen Frauen und rund 30 Prozent der bisexuellen Männer und Frauen teilten.

Die evolutionäre Eifersucht des Mannes: Die Brut ist nicht von ihm

Die Erklärung dafür ist für die Forscher – wie eigentlich fast immer – evolutionär in unseren Genen verankert. Ehe nämlich Vaterschaftstests möglich wurden, konnte der Homo masculinus niemals sicher sein, ob ein Kind seiner Partnerin tatsächlich das Produkt seiner Lenden war.

Nun bedeutet aber die Aufzucht eines Kindes große Verantwortung und Mühe (etwa muss das Mammut, welches zum Nachtmahl erlegt wird, gleich einmal für Drei reichen). Sich das anzutun lohnt sich, so zumindest will es die Evolutionswissenschaft erkannt haben, nicht, wenn der Fortpflanz nicht auch die eigene Brut ist.

So gesehen macht die verstärkte Eifersucht des Mannes auf externe Befruchtungsversuche seiner Partnerin absolut Sinn. Er will seine kostbare Energie nicht in die Aufzucht eines Kindes stecken, das womöglich nicht von ihm ist.

Der Umkehrschluss erklärt auch die Eifersucht der Frauen. Für uns wiegt es weit schlimmer, wenn sich der Partner in eine andere Frau verliebt – selbst, wenn er mit ihr keinen Sex hat. Unsere Urangst: Der Mann könne uns und die Kinder verlassen, und wir so alleine mit der Erziehung und Versorgung betraut sein.

Ist er emotional nicht an uns gebunden und deshalb eher bereit, sich in eine andere Person zu verlieben (statt einfach nur lieblos mit ihr durch die Laken zu turnen), steigt dieses Risiko exorbitant.

Da die Forscher aber nicht alleine die Evolutionsgeschichte als Erklärung für das unterschiedliche Eifersuchtsverhalten von Mann und Frau herbeiziehen wollten, untersuchten sie auch die moderne Rollendefinition von Männlich- und Weiblichkeit und deren Auswirkungen auf unsere Erfahrungen mit der Eifersucht.

Am Ende des Tages dreht sich seine Eifersucht um SEINE Männlichkeit

Heute, so die Conclusio der Wissenschaftler, definiere sich ein Mann sehr stark über seine sexuelle Leistungsfähigkeit. Länger, größer, ihr wisst schon.

Hüpft die Partnerin nun mit einem anderen Mann ins Bett, dann stellt sie damit seine Fähigkeit, sie zu befriedigen, in Frage. Und damit den Kern seiner Männlichkeit. Eine Erschütterung, die den stärksten Kerl aus den Latschen kippt. So sei es auch erklärbar, warum ihn sexuelle Untreue weit mehr aufregt als emotionale.

Auf der anderen Seite entspricht es dem Rollenverständnis der Frau, liebend, emotional und umsorgend für ihren Partner zu sein. Verliebt er sich nun in eine Andere, dann wird ihre weibliche Fähigkeit, eine Bindung herzustellen, torpediert. So empfindet sie emotionale Untreue als wesentlich schlimmer denn reinen Sex.

Freilich, so beeilen sich die Forscher zu erklären, bedeute das nicht, dass es dem Mann egal sei, wenn sich die Partnerin in jemand anderen verliebe – oder die Frau gleichmütig darüber hinwegsieht, wenn er durch fremde Betten turnt. Es gehe nur darum auszuloten, welcher Aspekt die Geschlechter mehr aufrüttle.

Tatsächlich sei auch sexuelle Untreue für Frauen eine furchtbare Erfahrung. Denn die Tatsache, dass der Partner mit einem anderen Menschen Sex hat, hinterlässt sie mit dem Gefühl, nicht mehr anziehend genug für ihn zu sein. Mit möglicherweise fatalen Auswirkungen auf ihr Selbstwertgefühl und Körperbild.

Bei homosexuellen Paaren ergab sich ein etwas anderes Bild: sexuelle Untreue wurde hier als nicht so gravierend bezeichnet. Die Forscher vermuten, dass die evolutionären Reproduktionsgedanken bei gleichgeschlechtlichen Paaren eben keine so große Rolle spielen. Weshalb der Fokus auf die emotionale Treue gelegt werde.

Ein bisschen Eifersucht ist gesund

Am Ende, so beschließen die Wissenschaftler, zeige die Untersuchung, dass Eifersucht eine entsetzliche Kraft ist, vor der niemand gefeit sei und die Beziehungen zerreißen kann.

Ehe wir jetzt in sachte Depressionen verfallen: Ein klein wenig Eifersucht ist sogar ganz gesund. Das zumindest erklärte die biologische Anthropologin Helen Fisher dem amerikanischen Sender CNN: "Eifersucht kann auch das Feuer in einer langen Beziehung wieder entfachen."

Denn sie erinnert uns daran, dass der Partner nach wie vor schön und begehrenswert ist (auch wenn wir das vielleicht längst nicht mehr sehen....)