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Ein Blick in die Zukunft der Frauen: Ein Plädoyer für mehr Selbstwahrnehmung!

Kurzarbeit! Gehaltskürzung! Jobverlust! Armut! – Die Meldungen über Auswirkungen der Wirtschaftskrise sorgen vielfach für Angst und Panik. Viele Menschen sind nicht nur mit Einsparungen konfrontiert, sie fürchten um ihre gesamte Existenz. Doch müssen wir wirklich alles so schwarz sehen? Bedeutet Krise nicht auch immer einen Wendepunkt im Leben? Was können wir aus der derzeitigen Situation lernen? In einem Exklusiv-Interview fragten wir Trend- und Zukunftsforscher Matthias Horx, 54, welche Rolle den Frauen zukünftig zuteil wird. Ob sie fürchten müssen, ihre Positionen zu verlieren. Oder ob ihre Fähigkeiten durch die Krise sogar aufgewertet werden.


Ein Blick in die Zukunft der Frauen: Ein Plädoyer für mehr Selbstwahrnehmung!
© Klaus Vyhnalek

Woman: Eine Katastrophennachricht über die Folgen der Krise jagt die andere – sollten wir TV, Radio und Internet besser abdrehen und lieber mal einen Roman statt der Tageszeitung lesen?
Horx: Ja, das sollten wir bisweilen tun. Ich erlebe immer wieder: Wenn Menschen einmal den Aus-Knopf drücken, kommen sie auf neue Gedanken. Sie nehmen dann die Welt unvoreingenommener wahr. Sie verstehen, was wirklich wichtig ist – und dass wir von einer Menge „tragender Netze“ umgeben sind, sei es in den Familien, in der Gesellschaft oder auch in der Wirtschaft.
Woman: Brauchen wir also keine Angst vor der Krise zu haben?
Horx: Es geht mir mehr um den Umgang mit der Angst. Dass man sich fürchtet, Wohlstand zu verlieren, ist ganz natürlich. Die Frage ist nur, ob es nicht auch berechtigten Anlass dazu gibt, anzunehmen, dass Firmen, Gesellschaften, die Politik, ja jeder Einzelne von uns etwas daraus lernen kann!
Woman: Zum Beispiel?
Horx: Ich denke, dass wir unachtsam geworden sind, was die materiellen Steigerungsfantasien betrifft. Viele Menschen haben geglaubt, dass zehn Prozent mehr Kohle pro Jahr normal sind … aber unsere Wirtschaft wächst nicht so schnell, und Geld ist nur ein Teil von Lebensqualität. Die Krise hat das gleichsam klar gemacht. Jetzt müssen wir uns darüber unterhalten, welche anderen Möglichkeiten die Zukunft bietet als materielles „Immer mehr“.
Woman: Bedeutet das, kürzerzutreten?
Horx: Das hat nichts mit Verzicht zu tun, im Gegenteil. Die Krise fördert den postmateriellen Wertewandel. Vielleicht lässt sich ja Lebens-, Umwelt- und Liebesqualität als neuer Kenn- und Zielwert etablieren. Ich glaube, wir sind auf dem Weg dorthin: Es geht um „mehr“ in einem geistigen, emotionalen, vielleicht auch spirituellen Sinn. Die alte Industriegesellschaft neigt sich dem Ende zu – die Krise gehört zu ihren letzten Zuckungen. Wir sind auf dem Weg zu einer kreativeren Wissensökonomie, in der Lebensentwürfe, Arbeitswelten etc. nicht mehr so gleichförmig verlaufen wie früher. Darauf müssen wir uns vorbereiten. Und das tun wir derzeit nicht. Wir jammern vielmehr den alten Verhältnissen hinterher.

LESEN Sie das ganze Interview in WOMAN 11/09!