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Ein Leben zwischen Kopftuch und Piercing:
WOMAN im Talk mit Emine und ihrer Mutter

Die Tochter trägt figurbetonte Tops und Miniröcke, ihre Nase ist gepierct. Die Mutter bedeckt ihren Kopf mit einem Tuch, verhüllt ihren Körper. Emine Isik, 23, und Sevim Özdemir, 44, sind türkischer Abstammung und gläubige Muslime. Beide leben gut integriert im Tiroler Telfs. In jenem Ort, in dem ein Sechstel aller Einwohner (von insgesamt 15.000) muslimischen Glaubens ist.


Ein Leben zwischen Kopftuch und Piercing:
WOMAN im Talk mit Emine und ihrer Mutter
© WOMAN

In jenem Ort, der durch den Bau eines Minaretts vor zwei Jahren für Aufregung sorgte. In jenem Ort, in dem die „Tatort“-Folge „Baum der Erlösung“ spielte. 1,8 Millionen TV-Zuseher verfolgten die Aufklärung eines mysteriösen Todesfalls, der sich als Flucht vor der Zwangsehe entpuppte. Emine und Sevim sorgten in der anschließenden ORF-Doku „Am Schauplatz“ für Aufsehen – die Mutter verhüllt, die Tochter bauchfrei. In WOMAN sprechen die beiden exklusiv über das etwas verschobene Bild der unterdrückten Frau.

Verstaubte Macho-Allüren
Denn Emine ist eigenständig. Und steht mit beiden Beinen im Leben! Das hat ihr ihre Mutter, Sevim Özdemir, 44, schon als Kind mit auf den Weg gegeben. „Ich habe meiner Tochter immer vermittelt, dass eine Frau selbständig sein muss – in allen Lebens lagen“, so die gebürtige Türkin. Und auch Emines Vater Kadir hält nur wenig von verstaubten Machoallüren. „Nur schwache Männer unterdrücken ihre Frauen! Weibliche Diskriminierung ist nicht Teil des muslimischen Glaubens. Im Gegenteil: Frauen werden in unserer Religion als sehr wertvoll eingestuft!“, räumt der dreifache Vater mit alteingesessenen „türkischen Traditionen“ auf. Familie Özdemir bedient also keinesfalls jene gängigen Klischees, mit denen sich Türken nur allzu oft konfrontiert sehen: Bei ihnen gibt es keinen Patriarchen, keine Zwangs ehe und auch keine Isolation in den eigenen vier Wänden. Emine, Sevim, Kadir haben sich voll integriert und leben ein modernes Familiendasein! Läuft zwischen Mutter und Tochter also immer alles reibungslos? „Natürlich gibt es zwischen uns auch Auseinandersetzungen. Mama sieht wegen unserer Religion sicher einige Dinge strenger, aber meistens haben wir dieselben Reibereien wie andere Mütter mit ihren Töchtern“, lächelt Emine.

Anfänge
Ein Rückblick auf die Familiengeschichte: Als die Eltern von Emine in den Siebzigerjahren nach Tirol kamen, waren sie selbst noch Kinder. Kennen gelernt haben sich Sevim und Kadir erst Jahre später – durch ihre Eltern. Eine Zwangsehe, so wie sie auch in der ORF- „Tatort“-Folge kritisch thematisiert wurde, war es aber keinesfalls. Sevim: „Unsere Eltern haben uns zwar einander vorgestellt, die Entscheidung lag aber bei uns. Meine Tochter sieht das trotzdem als Zwangsehe.“ Für Emine kam eine arrangierte Heirat nie infrage, sie folgte bei der Wahl ihres Liebsten rein dem Herzen und heiratete vor vier Jahren einen Muslim. Sicher wäre auch eine Beziehung mit einem Österreicher infrage gekommen, aber die verschiedenen Glaubensrichtungen wären ein Problem gewesen. „Ich habe mir immer gewünscht, dass mein Mann und ich die gleiche Religion haben. Einen Österreicher hätte ich versucht von meinem Glauben zu überzeugen“, ist sich die 23-Jährige sicher.

„Ich bin Muslima!“ Klingt, als ob Emine doch gläubiger wäre? Ist sie auch – teilweise zumindest! Auch wenn sie religiöse Aktivitäten nicht so streng nimmt wie ihre Eltern oder Großeltern, die tiefgläubige Muslime sind. „Der Grundglaube ist da, aber um den zu leben, muss ich nicht regelmäßig in die Moschee gehen.“ Und auch Kopftuch trägt sie keines, obwohl es sich ihre Mutter wünschen würde: „Es gehört zu unserer Religion, und sie sieht so hübsch damit aus. Aber sie hat sich eben anders entschieden!“ Ein Kopftuch hat Emine nur getragen, als sie mit 13 den Korankurs besuchen musste – zwei Monate lang in den Sommerferien. „Anfangs hat es mir Spaß gemacht, aber so richtig wohl gefühlt habe ich mich dort nicht“, blickt die angehende Einzelhandelskauffrau zurück.

Die ganze Story lesen Sie im WOMAN 02/09!