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Elfriede Ott: Die Grande Dame der Wiener Volkskomödie feiert ihren 85. Geburtstag

85 Jahre alt und noch gar nicht müde: Schauspielerin Elfriede Ott hat gerade vor ein paar Monaten Andreas Prochaskas Kinofilm "Die unabsichtliche Entführung der Frau Elfriede Ott" abgedreht, in wenigen Wochen feiert sie mit Nestroys "Zu ebener Erde" Premiere, im Herbst steht sie in Franz Wittenbrinks "Eh wurscht" im Theater in der Josefstadt auf der Bühne.


Elfriede Ott: Die Grande Dame der Wiener Volkskomödie feiert ihren 85. Geburtstag
© Robert Newald/picturedesk.com

Keine große Feier wird es am 85. Geburtstag von Elfriede Ott geben – stattdessen wird die Aktrice ihren großen Tag mit Nestroy-Proben verbringen: in wenigen Wochen feiert sie nämlich bei ihren Maria Enzersdorfer Festspielen mit "Zu ebener Erde" Premiere.

Doch nicht genug der Schauspielerei – gerade vor wenigen Monate war Drehschluss bei Andreas Prochaskas Kinofilm "Die uabsichtliche Entführung der Frau Elfriede Ott", und nach dem Nestroy-Stück steht schon das nächste Engagement an: im Herbst wird sie in Franz Wittenbrinks "Eh wurscht" im Theater in der Josephstadt, zu dessen Ensemble sie seit 52 Jahren gehört, auf der Bühne stehen.

Obwohl der Terminplaner von Ott in den nächsten Tagen und Wochen äußerst voll sein wird und diese schon anstrengend wären, will die Grande Dame der Wiener Volkskomödie keine Probe in Maria Enzersdorf auslassen. "Natürlich würde ich sehr gerne ein bissl Ruhe haben, aber im Moment ist nicht dran zu denken", so Ott im Gespräch mit der APA, und fügt hinzu: "Wenn's um etwas geht, nehme ich alle Kraft zusammen. Und schließlich tu ich alles, um das Werk und Wirken von Hans Weigel zu behüten."

Neben ihren zahlreichen Engagements unterrichtet Ott auch noch weiterhin an ihrer geliebten Schauspielschule "Studio der Erfahrungen". Immerhin, so Ott, ist die Schauspielakademie "ein großer Teil meines Lebens."

Würdigungen für Elfriede Ott gibt es nicht nur anlässlich ihres 85. Geburtstag, sondern auch zahlreich in der Vergangenheit. So sagte Hilde Spiel einst, dass Ott die Fähigkeit besitzt, "alle Seiten des wienerischen Temperaments, das Graziöse wie das Grantige, das Maliziöse wie das Sentimentale, das Raimund'sche Gemüt wie das Nestroy'sche Gift in rascher Aufeinanderfolge abzuwandeln." Auch der ehemalige Bundespräsident Thomas Klestil galt als großer Fan der Josefstadt-Schauspielerin: "Tatsächlich haben Sie sich in die Herzen Ihres Publikums gespielt und zählen zu jenen Künstlern unseres Landes, die unverwechselbar österreichische Lebensart verkörpern – eine Lebensart, die Liebenswürdigkeit und weiblichen Charme mit dem unverwechselbaren Timbre der wienerischen Leichtigkeit verbindet."

Elfriede Ott kam am 11. Juni 1925 als Tochte eines Goldschmiedes in Wien zur Welt. Trotz ihres eigentlichen Berufes Uhrenmacherin ging Ott nach dem Tod ihres Vaters der Liebe zum Theater nach und debütierte 1944 am Burgtheater in Gerhart Hauptmanns "Die goldene Harfe". 1958 wechselte die Schauspielerin an das Theater in der Josefstadt, dessen fixen Ensemble sie seither angehört. In einem Interview meinte Elfriede Ott einst: "Mein Theater war und ist die Josefstadt." Im Jahr 1985 gründete sie die Schauspielabteilung des Wiener Konservatoriums, das sie bis 2004 leitete, daraufhin folgte das "Studio der Erfahrungen". Bekannte ehemalige Schüler von Ott sind Andre Heller, nicolas Ofzarek, Christoph Friedl oder Sandra Cervik.

Die 85-Jährige wurde mit dem Professorentitel, dem Titel Kammerschauspielerin, dem Österreichischen Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst 1. Klasse, der Josef Kainz-Medaille, dem Großen Silbernen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich oder der Goldenen Ehrenmedaille der Stadt Wien ausgezeichnet. Außerdem erhielt sie
den Titel "Doyenne der Josefstadt".

Eine Würdigung anlässlich des 85. Geburtstags von Elfriede Ott gibt es am 5. Juni 2010 um 13:10 Uhr in ORF 2 mit dem Portriat "Die Ott – Eine Langzeitbeobachtung", gefolgt von ihrem Film "Keine Leiche ohne Lilli" aus dem Jahr 1980. Am 20. Juni 2010, 11:00 Uhr, wird Ott mit "Ein Hoch der Ott" in den Kammerspielen des Theaters in der Josefstadt geehrt. Außerdem ist sie am 12. Juni 2010 zu Gast bei Renate Burtscher im Ö1-"Klassik-Treffpunkt" im ORF KulturCafé des Radio Kulturhauses.

Redaktion: Marlene Altenhofer