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Elisabeth Stadler auf Platz 50 der bestverdienenden Vorstände Österreichs

Ein kürzlich veröffentlichtes Ranking zeigt, wie viel die Vorstände Österreichs börsennotierter Unternehmen verdienen. Elisabeth Stadler ist mit Platz 50 die erste Frau in der Liste.

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Elisabeth Stadler auf Platz 50 der bestverdienenden Vorstände Österreichs
© Trend Lukas Ilgner Auftrag

Vor kurzem wurde das Ranking der best verdienenden Vorstände Österreichs Börsenunternehmen veröffentlicht. Die erste Frau findet sich erst auf Platz 50. Auch in den ChefInnenetagen der Börsenunternehmen kassieren die Männer (wieder einmal) um einiges mehr ab. Elisabeth Stadler ist mit einem Verdienst von 1,06 Millionen Euro im Jahr auf Platz 50. Im Schnitt verdiente jeder ATX-Manager im letzten Geschäftsjahr 1,7 Millionen. Die ersten Plätze des Rankings belegen:

  • 1. Anas Abuzaakouk, Bawag 5,25 Mio.
  • 2. Sat Shah, Bawag 4,35 Mio.
  • 3. Wolfgang Eder, Voestalpine 3,76 Mio.
  • 4. Karl Sevelda, RBI 3,58 Mio.
  • 5. Wolfgang Leitner, Andritz 3,50 Mio.

Stellvertretende Chefredakteurin Melanie Zingl hat Elisabeth Stadler für unsere WOMAN @work-Ausgabe zum Interview getroffen.

Von den 20 größten österreichischen Unternehmen ist Elisabeth Stadler die einzige weibliche Chefin. Seit 2016 steht sie an der Spitze der Vienna Insurance Group. Und hat eine klare Regelung für zukünftige Personalrochaden ausgerufen: Bei gleicher Qualifikation kommen Bewerberinnen zum Zug.

Als Chefin der größten Versicherungsgruppe Österreichs ist man selten nicht im Job. "25.000 Mitarbeiter, 50 Gesellschaften in 25 Ländern – das ist eine schöne, aber auch eine große Verantwortung", sagt Elisabeth Stadler. "70 Prozent meines Lebens nimmt bestimmt der Beruf ein. Selbst wenn ich am Wochenende auf einer Veranstaltung bin, treffe ich Leute, mit denen ich dienstliche Gespräche führe. Oder vielleicht auch einen Kunden, der mit mir etwas diskutieren möchte." Die 57-Jährige hat an der TU Wien Versicherungsmathematik studiert und ist mit viel Engagement in den letzten 35 Jahren bis ganz nach oben aufgestiegen.

»Man muss immer wieder aufzeigen!«

Unter den Vorstandsvorsitzenden von Österreichs 20 größten börsennotierten Unternehmen sind Sie die einzige Frau. Woran liegt das?
Stadler: Ich bin davon überzeugt – und das zeigen auch die Statistiken –, dass Frauen in Führungspositionen mehr werden, aber es geht halt nicht von heute auf morgen. Leider entwickelt sich das nur langsam. Wenn ich an mein allererstes Managementmeeting denke, waren dort 100 Männer und drei Frauen. Langsam sind es dann um die 25 Prozent geworden. Wir müssen konsequent dranbleiben, nur wenn die Basis breiter wird, können auch mehr Frauen aufrücken.

Fördern Sie Frauen bewusst?
Stadler: Ja! Grundsätzlich achten wir auf Diversität, bei uns arbeiten 17 verschiedene Nationen allein im Headquarter der VIG. Altersmäßig findet man bei uns im Konzern Mitarbeiter vom Lehrling bis zu Kollegen, die über 65 sind. Darüber hinaus gibt es die klare Regel: Bei gleicher Qualifikation bevorzugen wir die Frau.

Gibt’s da Proteste von männlicher Seite?
Stadler: Das kommt vor. Aber nur so findet auch ein Umdenken statt.

»Ich habe nie nur das getan, was mir angeschafft wurde, sondern gern zusätzliche Aufgaben entgegengenommen.«

Warum haben Sie es so weit geschafft?
Stadler: Ich bin seit über 30 Jahren im Versicherungswesen und kenne mich hier aus wie in meiner Westentasche. Fachlich kann mir keiner etwas vormachen. Man muss auch aufzeigen. Mich hat immer wieder etwas Neues interessiert. Ich habe mich nie zurückgezogen und nur das getan, was mir angeschafft wurde, sondern gern zusätzliche Arbeiten entgegengenommen. Natürlich muss man auch zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein. Ich bin CEO des größten Versicherungskonzerns in Österreich, Zentral- und Osteuropa. Den Job gibt es nur alle paar Jahre. Dann muss man genau zu dem Zeitpunkt bemerkt werden und verfügbar sein.

Mussten Sie sich im Laufe Ihrer Karriere oft Machosprüche anhören?
Stadler: Nein. Ich hatte auch nie das Gefühl, dass ich benachteiligt werde. Im Gegenteil: Ich bekomme oft die Rückmeldung, dass das Klima in Vorstandssitzungen, seit ich dabei bin, anders ist. Der Umgang ist höflicher.

Haben Sie das Chefsein gelernt?
Stadler: Man nimmt von jeder Aufgabe etwas mit, entwickelt sich weiter. Aber wenn ich an meine Jugend denke, war ich schon immer diejenige, die alles organisiert hat: Wo gehen wir abends hin? Wie sieht der Urlaub aus? Welche Lokale besuchen wir? Das hat sich im Job weitergeführt.

Hatten Sie einen beruflichen Mentor?
Stadler: Als ich noch in den Anfängen war, hat mich der damalige Vorstandsdirektor sehr gefördert und zu internationalen Meetings geschickt. Er hat mir auch immer wieder Tipps gegeben.

Welchen Ratschlag haben Sie da noch in Erinnerung?
Stadler: Er hat zum Beispiel gesagt, dass man bei Veranstaltungen möglichst bei den Ersten sein soll, die den Saal betreten. Und man soll sich vorn platzieren. Das hat zwei Vorteile: Man kriegt besser mit, was vorgetragen wird, und man wird vom Redner und den
anderen Teilnehmern stärker wahrgenommen. Wer erfolgreich sein will, muss sich positionieren und darf sich nicht in der letzten Reihe verstecken.

Nach über zwei Jahren als CEO – wie haben Sie sich verändert? Was haben Sie dazugelernt?
Stadler: Ich hoffe, dass ich ein bodenständiger Mensch geblieben bin. Außerdem bin ich sehr kommunikativ. Damit die Mitarbeiter wissen, was läuft, versuche ich relevante Informationen immer möglichst rasch mit ihnen zu teilen. Was ich aber gelernt habe, ist, dass ich nicht alles selber machen kann. Ich muss mehr delegieren als vorher und akzeptieren, dass die Dinge vielleicht manchmal nicht so perfekt sind, wie ich sie machen würde. Ich bin aber auch ein sehr penibler Mensch.

Wie reagieren Sie dann?
Stadler: (lacht) Grundsätzlich versuche ich zu vermitteln, dass das, was mir geliefert wurde, sehr gut ist. Aber vielleicht ein bisschen verbesserungswürdig. Ich muss bei Bedarf meine Anmerkungen schon machen, kann es nicht kommentarlos akzeptieren.

Werden Sie in dieser Funktion in Pension gehen? Oder könnten Sie sich vorstellen, noch einmal ganz etwas anderes zu tun? Stadler: In den letzten 35 Jahren habe ich keine Minute meiner Arbeitszeit bereut. Bis zur Pension möchte ich nichts anderes mehr machen. Ich bin Vizepräsidentin des Roten Kreuz, das ist eine sehr schöne Aufgabe, und ich könnte mir gut vorstellen mich später dort mehr zu engagieren. Nur in Pension zu gehen und Tauben zu füttern? Das strebe ich nicht an.

Themen: Report, Gehalt