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In Gedenken an Elizabeth T. Spira: Unser Interview mit ihr und ihrem Ehemann Hermann Schmid

Elizabeth T. Spira, die "Kupplerin der Nation" ist am Samstag verstorben. 2014 haben sie und ihr Ehemann WOMAN ihr erstes gemeinsames Interview gegeben. Über ihre Liebe, die - trotz zahlreicher Trennungen im Geiste - über 40 Jahren hielt.

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In Gedenken an Elizabeth T. Spira: Unser Interview mit ihr und ihrem Ehemann Hermann Schmid
© Woman/ Ferry Nielsen

Vor wenigen Tagen mussten wir uns von Elizabeth "Toni" Spira verabschieden. Ob "Alltagsgeschichten" oder „Liebesg’schichten und Heiratssachen“: Ihre Sendungen waren einzigartig und lebten von dem unvergleichlichen Stil der ORF-Fernsehmacherin. Sie ist am Samstag im Alter von 76 Jahren gestorben. Wir möchten ihr noch einmal mit ihren eigenen Worten gedenken.

Sie war Österreichs Spezialistin für einsame Herzen: Seit Jahren tingelte Elizabeth "Toni" Spira in Amors Mission quer durchs Land und verkuppelt heimische Singles aller Altersklassen. Ihr eigenes Herz hatte Spira seit über 40 Jahren verschenkt: an Burg- und Volkstheaterschauspieler Hermann Schmid. Auf Anhieb funkte es damals zwar nicht: weder bei der ersten Begegnung, als die gebürtige Schottin für eine Jugendzeitung eine Kritik über den Kärntner schrieb. Noch beim Jahre späteren zufälligen Wiedertreffen im Café Dobner an der Wienzeile: "Es war keine Liebe auf den ersten Blick", gesteht Schmid. "Aber es gab schon spezielle Augenblicke", setzt Spira nach. So, dass man irgendwann pragmatisch beschloss: "Gut, das passt."

1980 läuteten die Hochzeitsglocken - mehrere Jahrzehnte später wurde es den beiden noch immer nicht fad miteinander. Auch, weil ihre Enkerl Sammy und Noah neuen Schwung in den Alltag brachten. Der Doppel-Talk über ihr Ehegeheimnis:

"WIR WOLLTEN GAR NICHT HEIRATEN"

WOMAN: Frau Spira, Sie als Kandidatin in Ihrer eigenen Sendung - wäre das denkbar?
SPIRA: Nein, ich glaube nicht. Ich bin, was meine Person betrifft, ziemlich diskret. Tratschen tu ich gerne, aber über andere Leute. Deshalb bin ich ja Journalistin geworden.
SCHMID: Ich würde mich vielleicht schon bewerben, wenn ich dich nicht kennengelernt hätte. Warum auch nicht?
SPIRA: Also ich kann mir nicht vorstellen, dass ich öffentlich erzähle, was ich suche, was mir fehlt, was ich gerne habe, was ich nicht gern habe. Über meine erotischen Vorlieben würde ich mich ausschweigen. Über dieses sehr private Thema spreche ich nicht einmal mit meinen Freunden.

WOMAN: Frau Spira, Sie meinten einmal: "Was Männer heute bei Frauen suchen, sind Partnerinnen auf Augenhöhe, keine Heimchen am Herd." Wie war die Rollenverteilung bei Ihnen zuhause?
SPIRA: Da wir gemeinsam immer gut verdient haben, hatten wir jemanden, der uns im Haushalt geholfen hat. Ich bin ja dafür nicht geschaffen, mich hat das nie interessiert. Ich kann nicht stricken, nähen, kochen. Mein Mann kocht dafür wunderbar!
SCHMID: Ach, dass du nicht nähen kannst, war schon ein Problem! Vor allem einen Zwirn durch ein Nadelöhr zu fädeln, geht mir besonders auf die Nerven. Doch es gibt ja Gott sei Dank Änderungsschneidereien. Kochen hingegen tu ich wirklich wahnsinnig gerne! Das hat sich bei uns so ergeben durch den Arbeitsrhythmus. Wir haben zu unterschiedlichen Zeiten gearbeitet, sie untertags, ich in der Nacht. Und wenn es sich zum Wochenende ergeben hat, habe ich eben gekocht.
SPIRA: (Unterbricht) Ich lade lieber alle ins Restaurant ein.

WOMAN: Kein Problem, dass Sie sich wegen Ihrer Arbeitszeiten wenig gesehen haben?
SPIRA: Das ist für uns die einzige Möglichkeit, eine Beziehung zu führen! Es wäre nichts für mich, ständig aneinanderzukleben. Schrecklich! Nichts ist schlimmer als das. Auch im Alter. Es ist gut, wenn jeder sein Leben lebt. Zumindest war es bei uns so. Zum Glück ist Hermann auch kein Kleber.

WOMAN: So haben Sie's bis vor den Traualtar geschafft! Und, sind Sie auf die Knie gefallen, Herr Schmid?
SPIRA: Vor Erschöpfung vielleicht! Wir wollten gar nicht heiraten.
SCHMID: Wir mussten!
SPIRA: Weil wir ein Kind adoptiert haben. Sonst war das gar kein Thema.
SCHMID: Wir fanden das spießig. Aber wir haben uns zusammengerissen. Es war ja Voraussetzung, sonst hätten wir unsere Tochter nie bekommen.
SPIRA: Deswegen gab es auch keinen klassischen Antrag. Also, nein! Er hat sich nicht vor mir niedergekniet.
SCHMID: Hättest du das gerne gehabt?
SPIRA: Um Gottes willen! Da hätte ich einen Lachkrampf bekommen!

WOMAN: Gibt es etwas, das Sie an Ihrem Mann noch immer so richtig nervt?
SPIRA: Das ist nicht für die Öffentlichkeit bestimmt. Aber prinzipiell streiten wir gerne. Das finde ich auch wichtig!

INTIM. Im Talk mit den Redakteurinnen S. Jungmann & J. Schwarz gaben Spira & ihr Mann Einblick in ihr Eheleben: "Nichts ist schlimmer, als aneinanderzukleben."


WOMAN: Wer hat dann das letzte Wort?
SPIRA: Ich bin jähzornig und auf brausend. Aber nach fünf Minuten ist alles wieder gut und ich lache über mich selbst. Hermann ist mir zwar immer ein bisserl bös, er nimmt mich da ein bisschen zu ernst. Aber ich entschuldige mich jedes Mal.

WOMAN: Und wie wichtig sind Rituale?
SCHMID: Wir frühstücken immer zusammen. Da gibt's keine Zeitungen und kein Handy. Wir unterhalten uns.

WOMAN: Klingt alles sehr harmonisch. Wie viele handfeste Krisen gab's?
SCHMID: Im Geiste trennt man sich oft!

WOMAN: Gab es Seitensprünge?
SCHMID: Das kann passieren.
SPIRA: Überlebt man aber.
SCHMID: Wir haben sie überlebt. Ob jetzt noch Seitensprünge kommen, weiß ich nicht - mit 75!

WOMAN: Der Sextrieb endet nie - sagte Karl Merkatz einmal in WOMAN.
SPIRA (lacht): Angeber. Der Trieb endet nicht, aber die Möglichkeit. Sagen wir so: Es wird schwierig. Aber man muss ja hier auch nicht alles bereden.

WOMAN: Was ist Ihnen heute unwichtiger als am Anfang Ihrer Beziehung?
SPIRA: Nichts ist unwichtig. Außer vielleicht das Tanzen gehen. Mein Mann ist ein schlechter Tänzer. Einmal haben wir einen Kurs besucht, da haben wir uns so schlecht benommen, dass wir nach der ersten Stunde rausgeflogen sind. Wir sind ja auch von der Größe her viel zu unterschiedlich. Schuhe mit Absätzen ziehe ich auch nicht mehr an. Diese Eitelkeiten sind vorbei.

WOMAN: Würden Sie sagen, dass es "den Richtigen" bzw. "die Richtige" gibt?
SPIRA: Es gibt Richtigere, ein bissl Falschere, und dann trifft man halt einen sehr Richtigen. Aber ob 's der Richtige ist, weiß ich nicht.
SCHMID: Letztlich war's nie unrichtig.

Thema: Society