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10 Paare erzählen: "Unser Leben mit Zwillingen"

von

"Es werden Zwillinge" - Mit diesem Satz vom Arzt ändert sich schlagartig alles. Wir haben Eltern von Zwillingen gefragt, warum es toll ist zwei Kids auf einmal zu bekommen und wann es richtig nervt...


Sabine und Markus Kleinlercher (35)

Zwillinge: Sarah und Mia, 3
Wohnort: Markt Piesting, NÖ

1. "Sie bekommen Zwillinge!" - Unsere Reaktion:
Markus: Meine erste Reaktion war: "Scheiße - finanziell haben wir jetzt die Arschkarte gezogen"
Sabine: "Ich hab zuerst geglaubt, dass mich die Gynäkologin auf den Arm nehmen will, dann wurde mir einfach nur schlecht und ich hab noch wochenlang Panik geschoben, weil ich mir nicht vorstellen konnte, dass wir das hinbekommen. Immerhin gibt es in beiden Familien keine Zwillinge - noch nie und dann gleich eineiig. Markus hat sich sehr schnell mit der neuen Situation abgefunden und war ab diesem Zeitpunkt mein Fels in der Brandung, hat sich um die Informationsbeschaffung betreffend Kinderbetreuungsgeld, Babyausstattung etc. gekümmert. Alles was nur ansatzweise mit Geld zu tun hatte hat mich im wahrsten Sinne des Wortes "kotzen" lassen.
2. Wann ist es einfach nur toll Zwillinge zu haben?
So richtig toll finden wir es seit sie 1,5 - 2 Jahre alt sind. Wir haben nun mehr Luft für den "normalen" Alltag. Haushalt geht immer öfter nebenbei und nicht nur, wenn einer mit den Kindern spazieren geht, oder die Kinder schlafen. Sie spielen immer öfter alleine bzw. miteinander. Da sehen wir schon einen Vorteil gegenüber Einlingseltern - während diese meist eher entspannte erste Jahre erleben, dürfen sie sich jetzt um die Bespaßung kümmern - unsere Kinder spielen miteinander, da sind wir als Eltern oft sogar störend :) - Was den Alltag auch sehr entspannt macht - die Kinder können sich immer besser artikulieren - wenn mal wo der Schuh drückt können sie zumindest sagen WO ihnen was weh tut, in der Babyzeit ist es ja doch meist ein Herumraten (vor allem in der Anfangszeit). Wir lieben die Diskussionen mit unseren Mädels - es ist wunderschön zu beobachten, wie sie ihre Umwelt begreifen lernen und sich ihre eigenen Gedanken dazu machen und diese auch mit uns teilen. Aktuelle Frage: Warum ist der Marienkäfer rot mit schwarzen Punkten und nicht anders? (Da wäre mir die Frage nach dem blauen Himmel irgendwie lieber *ggg*)
3. Wann ist es nervig Zwillinge zu haben?
Genervt war ich (Sabine) relativ schnell bei Spaziergängen. Irgendwie hat man das Gefühl, dass man als Zwillingsmama mit jedem Reden muss, dabei oft die Intimsphäre verletzt wird (Frage nach künstlicher Befruchtung/natürliche Empfängnis, vaginale Entbindung/Kaiserschnitt, stillen/Flascherl) und die Kinder ständig von Fremden begrapscht werden müssen. Wenn man sich gegen solche "Übergriffe" wehrt, wird man gerne als unfreundlich, undankbar - weil man das Interesse nicht zu schätzen weiß und im schlimmsten Fall sogar hysterisch abgestempelt.
Abgesehen davon nervte im ersten Lebensjahr, dass wir bei vielen Wehwehchen der Mädchen nicht gleich wussten, was ihnen fehlt. Sei es nun das Bauchweh in den ersten 4 Monaten, die Zahnschmerzen, oder ein Übermaß an Außenreizen. Aber, wir haben diese Zeiten überlebt - man wächst mit seinen Aufgaben und mit der Zeit kennt man seine Pappenheimer.
Was uns nicht genervt, sondern richtig gehend wütend macht, ist das Mehrlingseltern u.a. in finanziellen Dingen benachteiligt werden. Kinderbetreuungsgeld gibt es nur das 1,5 fache - Ausgaben hat man aber doppelt. Förderung bei Kinderbetreuungskosten ist in NÖ an das Familieneinkommen gekoppelt, wenn man also seinen Job nicht aufgibt, hat man kaum die Chance auf einen Zuschuss, da die Einkommensgrenzen so niedrig angesetzt sind. Bei der Mietkostenbeihilfe sieht es ähnlich aus.
Daher sind viele Familien gezwungen, ihre Kinder schon früh in Fremdbetreuung zu geben, auch wenn sie eigentlich mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen wollen. Und Vereinbarkeit von Familie und Arbeit wird zwar gerne propagiert, aber gelebt wird es nicht. DAS nervt und macht wütend.