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Emotionales Haus – Das Glück hat 9 Räume: Ordnung schaffen in den Gefühls-Zimmern

Fühlen Sie sich ständig unglücklich und unzufrieden, und das ohne wirklichen Grund? Dann gehen Sie mal durch alle Zimmer im Haus Ihrer Emotionen. Ein Buch sagt, wie!


Emotionales Haus – Das Glück hat 9 Räume: Ordnung schaffen in den Gefühls-Zimmern
© Corbis

Irgendwie ist sie doch wie ein Fluch, diese ewige Unzufriedenheit. Da steht man morgens gesund und munter auf, doch der erste Blick in den Spiegel vermiest alles: Wieder ein paar Fältchen mehr unter den Augen. Der Partner ist aufgewacht und ruft: „Hallo Liebling“, aber leider ist man gerade auf die Waage gestiegen und kann nur bitter denken: „Was findet der bloß an mir?“

Und wenn man nun an den Bettchen der noch engelsgleich schlafenden Kinder vorbeigeht, drängt sich sofort schlechtes Gewissen zum Mutterstolz: Ich hab wirklich zu wenig Zeit für die beiden. Was nützt es, dass der Chef einen später lobt, wenn man nur wieder denken kann: Werde ich es das nächste Mal genauso gut bringen? Und wenn man am Abend heimkommt, springt einen als Erstes der Stapel unbezahlter Rechnungen an. Das Essen, das der Liebste vom Inder mitgebracht hat, schmeckt nur noch halb so gut.

„Dabei gibt es nichts, was Frauen mehr anstreben, als glücklich zu sein“, weiß Catherine Birndorf, eine bekannte US-Psychiaterin. Doch es scheint, als würden sie sich selbst Prügel in den Weg legen, ganz nach dem Motto: Wenn nicht ALLES in meinem Leben perfekt ist, dann kann ich auch nicht zufrieden sein. Schlechte Aussichten. Denn alles ist nie perfekt. Deshalb, rät Lucy Danziger, soll man sich darauf besinnen, was man hat. Lernen Sie zu sagen: „Gut, meine beste Freundin hat mich enttäuscht, aber ich habe immer noch einen lieben Mann, süße Kinder und einen tollen Job.“

Lucy Danziger ist Chefredakteurin eines großen US-Lifestyle-Magazins namens „Self“ und hat gemeinsam mit Catherine Birndorf ein Buch geschrieben: „Die neun Räume des Glücks“. Darin rät sie allen Frauen, ihr Leben als Haus mit neun Zimmern zu sehen. Jeder Raum steht für ein anderes Thema.

Das Problem ist: Acht Zimmer können noch so schön eingerichtet und aufgeräumt sein – wenn im neunten Chaos herrscht, dann zählt für die meisten Frauen nur das. Die Gedanken an das „schwarze Schaf“ schleppen sie durchs ganze Haus. Glücks-Sabotage ist das für Lucy Danziger, die sich auch gleich eines Beispiels aus der Society-Welt bedient: Sandra Bullock, vom Ehemann mehrfach betrogen. Aber ist sie wirklich sooo arm?

„Dass ihr Mann ein Betrüger ist, heißt nicht, dass ihre anderen Beziehungen, die mit ihrer Familie und ihren Freunden, mit ihren Arbeitskollegen und ihrem Produktionsteam, nicht stark sind und sich nicht vielleicht sogar als wichtiger erweisen.“ Oft sind es aber gar nicht so augenscheinliche Ereignisse, die uns um unser Wohlgefühl bringen, sondern versteckte Unfriedenstifter.

Deshalb raten Danziger und Birndorf in ihrem Buch: Gehen Sie durch Ihr emotionales Haus, und schauen Sie nach, welche(s) Zimmer im Chaos liegt/liegen und für Ihr latentes Unglücklichsein verantwortlich ist/sind. Dann räumen Sie nach und nach auf. Wir zeigen Ihnen, in welchen neun Räumen Sie nachschauen müssen. Oft sind es nur Kleinigkeiten, die Ihnen den gesamten Aufenthalt im Haus vermiesen.

Der Keller
Es kann sehr lehrreich sein, die knarrenden Stufen in den Keller hinabzusteigen, die Kisten aufzubrechen und in alten Erinnerungen zu wühlen. Durch sie können Sie verstehen, wie Sie heute denken, fühlen und nach Glück suchen. Im Keller lagern Spielzeug, Fotoalben, sentimentale Erinnerungen, aber auch alle Schmerzen Ihrer Kindheit. Sie sind der Ursprung weiter Teile unseres Verhaltens.

„Um mit der Vergangenheit Frieden zu schließen, muss man darin eintauchen, darüber nachdenken und sie neu interpretieren“, sagen die Expertinnen in ihrem Buch. Denn wenn man weiß, woher die schlechten Gefühle kommen, verlieren sie ihren Einfluss. Denken Sie nach: Was ist Ihr emotionaler wunder Punkt?

Der prägende Moment kann ein großes Ereignis wie eine Scheidung oder ein kleiner Vorfall gewesen sein, wo ein Lehrer sagte: „Du wirst in Mathe nie gut sein.“ Danach reagieren Sie ein Leben lang darauf, entweder, indem Sie Ihren Kontostand nicht in den Griff kriegen, oder indem Sie Ingenieurin werden, um das Gegenteil zu beweisen.

Das Familienzimmer
Eltern, Großeltern, Geschwister, aber auch eine Lieblingstante, das entscheidende Kriterium für die Menschen im Familienzimmer ist, dass sie Ihnen am nächsten sind. Sie keifen oder schreien sich gelegentlich an, wissen aber, dass Ihre Liebe zueinander Bestand hat. Ihre Lieben geben Ihnen (hoffentlich) ehrliches Feedback, das Ihnen hilft, Ihren Platz im Leben zu finden.

Manchmal muss in der guten Stube aber auch aufgeräumt werden. Wie bei Jean zum Beispiel. „Meine Mutter hat mir immer gesagt, dass andere, besonders Frauen, es gar nicht gerne sehen, wenn man zu erfolgreich ist und alles hat“, erzählte sie den Autorinnen. Jean, 35, hat eine tolle Familie, ein schönes Haus und verdient gut. Aber sie denkt, dass sie das alles nicht verdient hat, und hat Schuldgefühle.

Sie telefoniert mehrmals wöchentlich mit ihrer Mutter, die gerne Sätze wie „Wer glaubst du eigentlich, dass du bist“ fallen lässt. Jean hat zehn Kilo Übergewicht, ist ständig müde und hat keine Lust auf Sex. „Mit den Jahren ließ Jean zu, dass die Sticheleien ihrer Mutter an ihrer Selbstachtung nagten“, schreibt Birndorf.

Man erfährt, dass Jean kürzlich allerdings beschloss, ihre Lebensweise gründlich zu ändern, weil sie sich einfach nicht mehr so schlecht fühlen wollte. Wenn ihre Mutter heute hässliche Dinge zu ihr sagt, erwidert sie: „Weißt du was, ich bin glücklich so!“ Sie hat ihr Familienzimmer aufgeräumt, indem sie die negativen Feedbacks nicht weiter zuließ.

Das Wohnzimmer
Hereinspaziert, liebe Freunde und Freundinnen, das ist euer Reich. Aber wehe, wenn hier drin Chaos herrscht! Das Wohnzimmer ist vor allem für jüngere Frauen extrem wichtig. „Freundschaften und das Gefühl von Gemeinschaft sind ganz wichtig fürs Glücklichsein“, weiß Danziger. „Frauen hassen es, eine schlechte Freundin zu sein.“

Danielle, eine 27-jährige Event-Planerin, hat ein Problem an die Expertinnen herangetragen: Immer wenn sie zwei ihrer Freundinnen miteinander bekannt macht und die sich dann auch einmal ohne sie treffen, leidet sie wahnsinnig. Die Psychiaterin erklärt, dass Danielles Schwesterndynamik bis heute Beziehungen zu Frauen belastet.

Sie fühlte sich als Kind von ihren beiden Schwestern ausgeschlossen und überträgt ihre Enttäuschung heute auf Freundinnen. Sie gibt zu schnell auf, weil sie erwartet, dass es ihr am Ende sowieso wieder schlecht geht. Eine sich selbst erfüllende Prophezeiung. Um das Muster zu durchbrechen, sollte sie mit ihren Freundinnen über ihre Empfindlichkeiten sprechen. „Dann“, ist Birndorf sicher, „würden sie Rücksicht nehmen.“

Das Arbeitszimmer
Im emotionalen Arbeitszimmer Ihres Hauses müssen Sie sich mit Ihren Sorgen um Geld, Karriere und Ihre Lebensaufgabe befassen. Lynn, 42, muss das auch. Sie klagt, dass sie zwar einen Bürojob hat, aber keine Leidenschaft für die Arbeit. Sie glaubt aber auch nicht, die Persönlichkeit zu haben, um sich mit einem anderen Job – sie bäckt gut und gerne – selbständig zu machen.

Birndorf sagt, dass Lynn im Keller feststeckt, wo ihre Eltern ihr aus falsch verstandener Liebe nie ein ehrliches und strenges Feedback gaben. Sie lernte nie, ihre Begabungen von dem zu unterscheiden, was sie nicht kann. Lynn hat keinen Beruf, der ihr etwas bedeutet, weil sie sich dem Urteil der anderen nicht stellen will. Aber um aufzuräumen, muss sie lernen, dass es auch eine Entscheidung ist, wenn man sich nicht entscheidet.

Auch Martha, 37, hat im Arbeitszimmer Probleme. Sie blieb zuhause, als die Kinder kamen, jetzt fühlt sie sich wie auf dem Abstellgleis. Ihr Mann arbeitet umso mehr und möchte Anerkennung für den Stress. Sie wünscht sich aber, das er ihr mehr im Haushalt hilft. Er meint: Weiß sie denn gar nicht, wie gut sie es hat?

Kaum verwunderlich, dass es im Schlafzimmer auch nicht funktioniert. Martha vermisst ihr Berufsleben und fühlt sich von Kleinigkeiten überfordert. Die Expertin sagt, dass sie und ihr Mann unbewusst ein Familienbild aufrechterhalten, an dem beide keine Freude haben. Ein Gespräch darüber, was machbar ist und was sie sich wirklich wünschen, ist ihre Aufräumarbeit.

Das Badezimmer
Da sind wir jetzt, im Zentrum Ihrer Gefühle zu Gesundheit, Gewicht, Eitelkeit, Älterwerden und Körperbild. Apropos: Eine Umfrage, die Lucy Danziger für ihr Magazin „Self“ machte, zeigte ihr, dass 82 Prozent der Frauen mit ihrem Körper unglücklich waren.

„Besonders Frauen zwischen 20 und 40 Jahren lassen allzu leicht die Zahl auf der Waage darüber entscheiden, ob es ein guter oder schlechter Tag wird“, schreibt sie. Lucy möchte aber auch ein gutes Wort für die Eitelkeit in Maßen einlegen: „Sie sorgt dafür, dass wir uns nicht gehen lassen, sondern so lange wie möglich gesund bleiben.“

Bei Lori, 42, sorgte ihr Dick-Komplex dafür, dass sie bis heute Single ist. „Das Erste, woran ich denken muss, wenn ich einem Mann begegne, ist: Findet er mich dick?“, gibt sie zu. Lori hat langes schwarzes Haar, strahlend blaue Augen und trägt Kleidergröße 42/44. Essen war in Loris großer italienischer Familie immer ein wichtiges Thema. Die Psychiaterin ortet hier auch die Wurzel allen Übels.

Essen ist für Lori gleichzusetzen mit Verbundenheit und ein Sicherheitsnetz. Eigentlich scheut sie die Veränderung, möchte kein Risiko eingehen oder gar endlich erwachsen werden. „Sie weiß, dass sie trotz ihres Gewichts einen Mann finden könnte. Aber es gelingt ihr nicht.“ Lori müsste bereit sein, das sichere Nest zu verlassen.

Das Schlafzimmer
Im Schlafzimmer geht es um Liebe und Sex, Intimität und liebevolles Miteinander. Fühlt man sich in diesem Raum nicht wohl, liegt das Problem häufig an der Lücke zwischen Erwartung und Realität. In einer Beziehung kann man nicht ständig Urlaubssex wie an einem unbeschwerten freien Tag haben oder wilden „Rockstar-Sex“, wie es die Autorinnen nennen. Man hat dann eben „Ich-liebe-dich-Sex“, der nicht in die Annalen eingehen wird, aber der Beziehung gut tut. Und Orgasmus-Zwang gibt es auch keinen.

„Aber“, so die Expertinnen, „ehe Sie überhaupt nur daran denken können, sich körperlich und emotional zu verbinden, müssen Sie Verbindendes in anderen Bereichen entdecken. Sie können Kinder miteinander haben, ein Haus, ein gemeinsames Bankkonto, aber wenn Sie einander nicht an den Kleinigkeiten Ihres Alltags teilhaben lassen, wird der Sex weniger befriedigend und rückt schließlich ans Ende der Prioritätenliste. Sie können auch häufig zu müde für den Spaß im Bett sein.

„Eine der größten Epidemien unter Frauen“, weiß Birndorf. Es muss gar nicht sein, dass mit Ihrer Beziehung etwas nicht stimmt, vielleicht sind Sie einfach ausgelaugt und von zu vielen Seiten zugleich beansprucht. Besprechen Sie mit Ihrem Partner offen die Lage. Nehmen Sie die Verantwortung für Ihre Zufriedenheit selbst in die Hand, statt zu hoffen, dass er Sie glücklich macht. Sie brauchen keine „bessere Hälfte“.

Die Küche
Am Küchentisch finden bei gutem Essen die richtigen Familiengespräche statt. Hier kann man genießen. Hier werden aber auch Pflichten verteilt, was die Küche zu einem Ort angespannten Austauschs machen kann. Warst du schon mit dem Hund draußen? Wer holt Susi von ihrem Kurs ab? Wer geht einkaufen?

Für Tracy, 43, ist die Küche ein problematischer Raum. Sie schreibt: „Ich habe das Gefühl, ich bin ganz allein. Bin ich verheiratet oder nicht? Ich tue alles für alle – für meine Kinder, meinen Mann. Wann kann ich sie mal um Hilfe bitten? Ich frage mich, wo ist meine Erholung? Ich habe keine einzige freie Minute!“

Die Psychiaterin kann das – häufig vorkommende – Problem benennen: „Tracy hat keine Zeit für sich, weil sie sich keine nimmt.“ Wenn sie also eine Stunde „Zeit für mich“ auf ihren Stundenplan schriebe und die genauso ernst nähme wie einen Arzttermin für die Kinder, dann wäre sie der Lösung ihres Problems schon näher. Wenn nicht, bricht ihr Körper irgendwann zusammen. Wenn ihre Familie sie liebt und wenn sie es ihnen erklärt, werden sie Verständnis für Mamis Auszeit aufbringen – und eher selbständig werden.

Das Kinderzimmer
Das ist der Ort, wo Sie grundsätzlich alles falsch machen. Die Zweifel „Bin ich wirklich eine gute Mutter?“ gehören zu den klassischen Zufriedenheitskillern. Es ist das unordentlichste Zimmer im ganzen Haus, und selbst wenn es Ihnen gelingen sollte, Sauberkeit und Ordnung herzustellen – bald ist das nächste Chaos da.

Im Kinderzimmer müssen Sie herausfinden, wie es Ihnen und auch Ihrem Kind gut gehen kann. Es ist nicht egoistisch, wenn wir versuchen, zufriedene Eltern zu sein. „Die meisten Eltern tun ihr, Bestes‘“, weist Catherine Birndorf darauf hin. Aber es wäre für alle Teile besser, wenn man versuchte, „eine ausreichend gute Mutter“ zu sein, statt eine perfekte. Als „ausreichend gute Mutter“ sind Sie Ihrem Kind nahe, lassen ihm aber Raum zum Wachsen. Konflikte und Streit gehören allerdings dazu, damit sich Kinder von Eltern abgrenzen können.

Der Dachboden
Gehen wir jetzt auf den Dachboden, wo Ihre emotionale DNA aufbewahrt wird. Hier lagern Erwartungen, die auf uns lasten, und Traditionen, mit denen wir groß geworden sind. Welchen Beruf wir ergreifen, wen wir heiraten, woran wir glauben und wie wir mit Geld umgehen. Hier kann der Aufräumschlüssel nur lauten: Wir entscheiden selbst, welches Erbe wir annehmen und welches nicht. Und: „Sie können stolz auf Ihr Erbe sein“, so die Expertinnen, „und trotzdem ohne schlechtes Gewissen Ihre eigene Geschichte schreiben.“

Redaktion: Miriam Berger

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