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ES REICHT! Verstaubte Schönheitsideale verschwinden mehr und mehr von der Perfektionismus-Bildfläche

ICH BIN GUT GENUG! Dank Social Media wenden sich immer mehr Frauen von gängigen Schönheitsidealen ab und rufen dazu auf, endlich zum eigenen Körper zu stehen - und zwar so, wie er ist.

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wei frauen sitzen in Unterwäsche auf dem Bett - Body Positivity
© Photo by Billie on Unsplash

Es ist kein Geheimnis, dass uns im Fernsehen und mittlerweile auch auf Social Media das Bild einer schlanken, oft schon knochigen Frau als perfekt und erstrebenswert verkauft wird. Es geht aber noch weiter: Spätestens im Sommer, wenn sich das Leben nur noch um die perfekte Bikinifigur zu drehen scheint, stehen vor allem wir Frauen unter Druck.

Ich habe dieses Phänomen jetzt über mehrere Jahre beobachtet und das ist mein niederschmetterndes Fazit: Während meine Freundinnen und ich jedes Jahr schon völlig hysterisch die Fastenzeit vor Ostern dazu nützen, unsere "Sünden" der vergangenen Monate durch Verzicht auf all das, was wir normalerweise so besonders gerne in uns hineinstopfen, wieder in den Griff zu bekommen, scheint es dem Durchschnittsmann völlig egal zu sein, ob ihm die Badehose vom Vorjahr noch passt oder er sich eben eine neue zulegen muss. Dann ist der Körper über die letzten Monate halt ein bisserl aus der Form geraten - SO WHAT?

Gefühlt haben wir es also in eine gesellschaftlich Wahrnehmung geschafft, in der Frauen immer perfekt, schlank, natürlich schön sein müssen. Dem nicht genug, sollen sie darüber hinaus auch noch unkompliziert, niemals zickig, dafür immer gut gelaunt sein, einen super Schmäh haben und den sexy Kumpel eines Mannes darstellen, für den ihn seine besten Freunde beneiden. Eine völlige Illusion! So etwas gibt es maximal in irgendwelchen schlechten Hollywood-Filmen zu sehen. Zudem gibt es den perfekten Menschen schlicht und ergreifend nicht! Männer im Allgemeinen scheinen aber deutlich weniger Probleme damit zu haben, ihr über die Jahre hinweg gezüchtetes Bäuchlein in die Welt hinauszutragen. Ist halt einfach so. Der Vergleich untereinander als auch gesellschaftliche Vorgaben scheinen hier deutlich geringer zu sein als beim weiblichen Geschlecht.

#IAmGoodEnough - Tschüss zu Schönheitsidealen aus dem 20. Jahrhundert

Das Plus-Size Modeunternehmen YOURS Clothing hat es sich zur Aufgabe gemacht, Frauen mit großen Größen Modetrends zugänglich zu machen und damit Inklusion zu vermitteln. Leider ist es bis heute immer noch so, dass kräftiger gebaute Frauen aufgrund ihrer körperlichen Beschaffenheit von gängigen Modetrends ausgeschlossen werden. Noch verrückter: Frauen mit Kleidergröße 38 fallen in der heutigen Zeit in die Rubrik "Plus Size"! VERRÜCKT! Doch Gott sei Dank stehen die Zeichen schon seit einiger Zeit auf Veränderung - vor allem durch Apps wie Instagram, in der wichtige Themen wie Body Positivity und Selbstliebe großgeschrieben werden. HALLELUJAH!

YOURS Clothing positioniert sich ganz deutlich in Sachen Body Positivity und macht klar, dass es sich dabei um mehr als nur einen Hype handelt. Das Unternehmen beschäftigt sich intensiv mit den Entwicklungen der letzten Jahre, erstellte eine darauf basierende Social-Media-Analyse und holte sich zusätzliche Expertise von den beiden Plus-Size-Bloggerinnen Tanja Marfo und Elisabeth Januszek ein.

Was laut Studie auf jeden Fall mehr als deutlich wurde: Diversität wird vor allem in sozialen Netzwerken immer bedeutender. In Zusammenhang damit etablierten sich auch Hashtags wie #selflove, #plussize oder #bodypositivity, mittels derer ausgedrückt werden soll, zum eigenen Körper zu stehen und sich in der eigenen Haut wohlzufühlen - so, wie sie ist. Was in einer Statistik deutlich wird: Vor allem im Urlaubsmonat Juli steigt die Häufigkeit der Hashtagnutzungen zu diesem Thema massiv an. Logisch, denn das ist die Zeit, wo Frauen sich so zeigen, wie sie sind: Im Bikini oder Badeanzug und ohne den Schutz ihrer Kleidung. Und das ist oft verbunden mit Bodyshaming und einem Kampf mit sich selbst, da die Gesellschaft leider in vielen Fällen noch wenig Toleranz für Vielfalt aufbringt. Zu stark haben sich die Schönheitsideale des letzten Jahrhunderts in unsere Gehirne eingebrannt.

Die Bloggerin Tanja Marfo (Instagram @kurvenrausch) erfreut sich aber vor allem der Tatsache, dass es beispielsweise in den 90er Jahren nur wenige Vorbilder für das Thema Plus-Size gegeben hätte, es aber heute eben nicht mehr nur diese "perfekten" Frauen gäbe. Sondern eben auch starke Frauen, die dem gängigen Schönheitsideal des 20. Jahrhunderts nicht mehr entsprechen, als eine Frau mit den Maßen 90-60-90 als DIE Traumfrau schlechthin angesehen wurde. Sie bringt auch zum Ausdruck, dass sich zunehmend junge Frauen mit dem Thema Body Positivity beschäftigen würden und zeigt auch gerne auf ihrem Instagram-Account, wie positiv sie zu ihren weiblichen Rundungen steht und dass sie mit diesen definitiv gut genug für die Gesellschaft ist.

„Nicht jede Plus‑Size‑Frau ist curvy!“

Elisabeth Januszek (Instagram @elabonbonella) kritisiert an der medialen Berichterstattung, dass die Bezeichnung curvy nicht immer richtig eingesetzt und zudem auch zu schnell in den Mund genommen würde. Es störe sie, dass nicht jede Frau, die mehr Kilos habe, auch automatisch curvy sei. Das wiederum bringe mit sich, dass sich auch nicht jede Plus-Size-Frau davon repräsentiert fühle. „Wenn eine deutsche Fernsehshow ein Plus‑Size‑Model mit Größe 42/44 zeigt, ist es meiner Meinung nach noch keine Vielfalt. Denn die deutsche Durchschnittsfrau trägt Größe 42/44. Plus Size geht noch viel weiter. In Amerika gibt es viel mehr Influencerinnen mit verschiedenen Figurtypen und Hautfarben, dort ist die Medienrepräsentation diverser. Die jüngste Gillette-Werbung mit Plus-Size-Model Anna O’Brien und die Medienreaktionen in Deutschland zeigen, wieviel Aufklärungsarbeit noch nötig ist.“

Anhand der Aussagen der Bloggerinnen als auch der Studie von YOURS Clothing ist deutlich erkennbar, dass sich in den vergangenen Monaten und Jahren schon einiges hinsichtlich gängiger Schönheitsideale verändert hat. Vor allem für die jüngere Generation sind Botschaften wie diese unheimlich wichtig, um sich als junge Frau nicht in einem Sumpf von Perfektionismus, der mit dem realen Leben am Ende nur wenig zu tun hat, zu verlieren. Grundsätzlich sollten aber wir ALLE an uns arbeiten und wertschätzen, dass es ein Privileg ist, auf dieser Welt und im Optimalfall auch noch pumperlgsund zu sein - manchmal mit ein wenig mehr Kilos auf der Waage, unterschiedlich großen Brüsten oder aber Cellulite auf unserem Popo.

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