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Entspannung: Einfach mal abschalten

Wer ständig nur von einem Termin zum nächsten hetzt, wird freudlos, krank und lebt kürzer. Wie man entschleunigt, sich Zeit für Muße nimmt und seine fünf Sinne wieder arbeiten lässt, liest du hier.

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Entspannung: Einfach mal abschalten

Halte doch mal die Zeit an!

© Thinkstock

Alles wird immer schneller. Arbeiten, Essen, Informieren, Unterhalten, Reisen, Erholen. Nicht nur Sportler, Autos und Flugzeuge müssen immer rascher werden - Spezialisten betreiben die Technik des Zeitsparens auch für unseren Alltag bis zur Perfektion. Der britische Psychologe Richard Wiseman fand heraus, dass sich die Gehgeschwindigkeit der Menschen innerhalb von zehn Jahren um ungefähr 10 Prozent beschleunigt hat. Aber was bringt’s? Das Problem ist: Die Seele bleibt bei diesem Tempo auf der Strecke. Sie braucht den Einsatz unserer Sinne, sonst verkümmert sie. Wie können wir bewusst sehen, hören, riechen, schmecken und fühlen, wenn sogar in der Freizeit ein Termin den anderen jagt? Chronisch hohe Werte des Stresshormons Cortisol machen den Körper kaputt. Das "Hurry-Sickness-Syndrom", wie die Amerikaner es nennen (Hetzkrankheit), führt direkt ins Burnout. Einziges Mittel dagegen: Immer mal wieder einfach nichts tun. Ganz ohne schlechtes Gewissen! In seinem Buch "Zeit ist Leben, Leben ist Zeit" gibt der deutsche Zeit-Experte, Coach und Bestsellerautor Lothar Seiwert Tipps, wie man entschleunigt und wie man die gewonnene Zeit am besten füllt. Wir haben die wichtigsten Punkte zusammengefasst.

Planung ist alles. Überlege dir am Wochenende in Ruhe, was du in der kommenden Woche in deiner Freizeit alles tun willst. Schreibe jeden Termin in den Kalender, und schätze die Länge der Aktivität ein. So kommst du nicht ins Strudeln. Fixiere die Shopping-Tour mit der Freundin, Besuche im Wellness-Center, das Schachspiel mit dem Sohn genauso wie die Stunde Müßiggang, und halte das auch ein wie einen Geschäftstermin. So hast du die Gewähr, dass du allem, was dir wichtig ist, angemessen Zeit einräumst. Und Entspannung ist schon eingeplant!

Keinen Ballast. Überall so viel Zeug! Das bedrückt - und du brauchst mehr Zeit zum Suchen. Miste aus! Nehme dir vor, jeden Tag mindestens ein Teil zu entsorgen. Vielleicht fällt’s am Anfang schwer. Aber Trennungsschmerz gehört zum Leben!

Nein sagen lernen. Im Büro oder daheim: Alles bleibt an dir hängen? Lerne Nein sagen! Übe es vor dem Spiegel. Sage freundlich, aber unmissverständlich "Nein", und lehne alle Gefälligkeiten ab, wenn du dich ausgenutzt fühlst oder wenn dir dein Bauch sagt: Das will ich nicht.

Arbeit abgeben. Delegieren ist der Schlüssel zum Erfolg: Delegieren heißt, anderen etwas zutrauen. Und es schenkt dir mehr Zeit für Muße. Stelle dir immer die Frage: Muss ich das selbst tun? Den Brief mit zur Post nehmen kann doch deine nette Nachbarin. Der Schüler von nebenan geht sicher für ein Taschengeld gerne einkaufen, bügeln kann die Wäscherei. Die junge Kollegin im Büro fühlt sich geschätzt, wenn sie dir Arbeit abnehmen kann. Werde kreativ!

Life-Balance. Ein ausgefülltes Leben muss noch lang kein erfülltes sein. Die Kunst der Life-Balance beherrscht, wer keinen der folgenden Bereiche vernachlässigt: Arbeit und Leistung, Familie und Beziehungen, Sinn und Kultur, Körper und Gesundheit.

Sinnkrise. Wenn der Sinn im Leben fehlt, drückt das auf die Seele. Glück, Erfolg, Liebe, Geld macht Menschen nur dann froh und zufrieden, wenn sie in ihrem Tun einen Sinn sehen. Für den großen Sinn-Forscher Viktor Frankl war entscheidend, ob es gelingt, anderen etwas Gutes zu tun. Wenn du dich im Innersten überflüssig fühlst, versuche einem Kunden, Kollegen, Freund oder Wildfremden mit einem überraschenden Gefallen das Dasein zu erleichtern, und prüfe, wie du dich danach fühlst.

Beziehungen. Jede Freundschaft verlängert das Leben. Freunde und ein liebender Partner machen glücklich. Wir benötigen vielfältige Beziehungen zu unterschiedlichen Menschen. Wenn du schwer Kontakt knüpfen kannst, dann ist deine neue Aufgabe, mit Menschen, die du im Alltag triffst, einfach ein paar nette Sätze zu wechseln. Kontakte ergeben sich so von selbst!

Muße muss sein. Wahres Leben ist Erleben, und das tun wir mit unseren Sinnen. Muße ist nichts anderes, als zur Besinnung kommen. Nur über die Sinne entsteht in Ihrem Körper Glück. An einer Rose riechen, deinen Partner betrachten, Mozart hören, den Hund streicheln, Schokolade naschen, Rotwein schmecken: Auf all das antwortet dein Körper mit einem Mehr an dem Glückshormon Serotonin. Gönne dir regelmäßige Mußestunden, lesen, malen, schreiben oder träume, ganz ohne schlechtes Gewissen.

Langsame leben länger. Leben ist Energieverbrauch. Je rascher diese Energie verrinnt, desto schneller verschleißt der Organismus, desto eher stirbt man. Wir verbrennen Energie in den kleinen Kraftwerken der Körperzellen, in den Mitochondrien. Und unser Stoffwechsel ist der Motor. Je schonender er arbeitet, desto länger tut der Körper seinen Dienst. Je langsamer das Lebenstempo, desto mehr Jahre. Je mehr Muße, desto mehr Energie. Setze dich eine Stunde unter einen Baum, und tue gar nichts. Danach überlege: Was habe ich versäumt? Du wirst feststellen: nichts.

Thema: Psychologie