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Hilfe, der Darm brennt!

Häufiger Durchfall? Unterbauchschmerzen und Koliken beim Stuhlgang? Allgemeine Müdigkeit und Fieber? Ursache kann eine chronische Darmentzündung sein. Wie man sie diagnostiziert – und was hilft.

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Frau sitzt mit Darmschmerzen neben der Toilette.

Der Darm brennt – und jeder Gang zur Toilette zur Qual.

© Blue Images / Radius Images

Ein quälender Schmerz im Unterbauch, schnelle Erschöpfung, der Darm brennt schubweise. Der Gang aufs Klo wird zur Tortur. Die meisten PatientInnen haben einen fast vierjährigen Leidensweg hinter sich, bis ihre Erkrankung richtig diagnostiziert und therapiert wird. Bis zu 80.000 Menschen in Österreich leiden an einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung. Wir sprachen mit Fachrztin Dr. Sieglinde Angelberger von der "Klinik für Innere Medizin III" über die Symptome – und wie sie behandelt werden.

»80.000 Österreicher sind von einer entzündlichen Darmerkrankung betroffen«

WOMAN: Welche chronisch entzündlichen Darmerkrankungen gibt es?
Sieglinde Angelberger: Dazu zählen Morbus Crohn und Colitis ulcerosa. Beides sind chronische Erkrankungen, die schubweise verlaufen. Bei Patienten mit Morbus Crohn kann die Entzündung im gesamten Verdauungstrakt, das heißt vom Mund bis zum After, überall auftreten. Im Gegensatz dazu ist die Entzündung bei Patienten mit Colitis ulcerosa auf den Dickdarm beschränkt.

WOMAN:: Wie entstehen diese Darmerkrankungen?
Angelberger: Die genaue Ursache ist bis dato noch nicht geklärt. Man geht davon aus, dass einerseits eine genetische Veranlagung, andererseits das Zusammenspiel von Umweltfaktoren und Darmbakterien für die Entzündungsentstehung verantwortlich sind. Als mögliche Umweltfaktoren wurden bisher z.B. Rauchen, übertriebene Hygiene, Ernährung und manche Medikamente genannt.

WOMAN: Was sind die Symptome einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung?
Angelberger: Die Hauptsymptome sind Durchfall, der blutig sein kann, Bauchschmerzen und Gewichtsverlust. Zusätzlich können die Patienten an Gelenksschmerzen, Augenentzündungen und Entzündungen der Haut leiden.

WOMAN: Wie diagnostiziert man die Krankheit?
Angelberger: Neben Blutabnahmen und Stuhluntersuchungen ist vor allem eine Darmspiegelung mit Gewebsentnahmen notwendig. Bei Verdacht auf Morbus Crohn muss auch der Dünndarm radiologisch untersucht werde.n

WOMAN: Was sind die Folgen einer entzündlichen Darmerkrankung?
Angelberger: Das muss man zwischen Morbus Crohn und Colitis ulcerosa unterscheiden. Bei Patienten mit Morbus Crohn kann es durch die Entzündung, die die gesamte Darmwand betrifft, zu Engstellen oder Fisteln kommen. Unter Fisteln versteht man Gänge, die von einer Darmschlinge zu einer anderen oder zu einem benachbarten Organ, wie etwa die Blase, ziehen. In diesen Fällen muss das erkrankte Darmstück operativ entfernt werden. Bei Patienten mit Colitis ulcerosa ist die Situation anders. Hier kommt es nicht zu Engstellen oder Fistelbildungen. Eine Operation, bei der jedoch der gesamte Dickdarm entfernt wird, ist nur dann notwendig, wenn der Patient auf keine Therapie anspricht. Dies ist aber dank der neuen Therapien deutlich seltener geworden

WOMAN: Wie sieht der Krankheitsverlauf aus?
Angelberger:: Die Krankheit verläuft in Schüben. Es wechseln sich Phasen, in denen es den Patienten schlecht geht, mit Phasen, in denen sie beschwerdefrei sind, ab. Mit Medikamenten versucht man einerseits, dass der Patient rasch symptomfrei wird, andererseits, dass dieser Zustand lange erhalten bleibt.

WOMAN: Besteht ein Zusammenhang zwischen Rauchen und chronisch entzündlichen Darmerkrankungen?
Angelberger: Ja, den gibt es. So haben Patienten mit Morbus Crohn , die zusätzlich noch rauchen, ein erhöhtes Risiko, dass sie häufiger klinisch aktiv sind, schlechter auf die Therapie ansprechen und früher und häufiger wegen Engstellen oder Fisteln operiert werden müssen. So sollen Patienten mit Morbus Crohn unbedingt das Rauchen beenden. Anders bei Colitis ulcerosa . Hier gibt es Daten, dass das Rauchen vor einer Erkrankung schützt.

WOMAN: Ab wann wird eine Magenspiegelung (Gastroskopie) durchgeführt?
Angelberger: Bei Verdacht auf Morbus Crohn und zusätzlichen Beschwerden, wie Oberbauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen sollte auf jeden Fall eine Magenspiegelung durchgeführt werden, um das gesamte Entzündungsausmaß zu erfassen.

WOMAN: Wann hilft ein Ultraschall weiter?
Angelberger: Für die Diagnosestellung einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung ist eine Ultraschall-Untersuchung alleine zu wenig. Aber mittels Darm-Ultraschall kann man sich rasch, ohne dass sich der Patient speziell für diese Untersuchung vorbereiten muss, einen Überblick über das Entzündungsausmaß sowie Komplikationen wie Engstellen und Abszesse schaffen.

WOMAN: Gibt es vorbeugende Maßnahmen oder Tipps, wie es gar nicht so weit kommen kann?
Angelberger: Da man bis jetzt nicht die Ursache für diese Erkrankungen kennt, kann man nichts Vorbeugendes unternehmen. Bei länger bestehendem Durchfall, das heißt länger als 4-6 Wochen, ist aber unbedingt ein Arzt aufzusuchen. Denn je rascher man die Erkrankung diagnostiziert, umso früher kann man mit einer effizienten Therapie beginnen und somit mögliche Komplikationen vermeiden.