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Equal Pension Day: Gleichberechtigung durch Pensionssplitting

Im Vergleich zum Vorjahr gab es zwar eine minimale Verbesserung - das Ergebnis sei aber trotzdem "mehr als ernüchternd", schreibt unsere Gastautorin, Rechtsanwältin Carmen Thornton.

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Equal Pension Day: Gleichberechtigung durch Pensionssplitting
© Photo by Matthew Bennett on Unsplash

Am 29. Juli 2019 hatten Pensionistinnen in Österreich wenig Grund zum Feiern. Auf dieses Datum fiel heuer nämlich der sogenannte Equal Pension Day, also der Tag, an dem Männer bereits so viel Pension erhalten haben wie Frauen bis zu Jahresende. Im Vergleich zum Vorjahr ist das zwar eine minimale Verbesserung von einem Tag, das Ergebnis ist trotzdem mehr als ernüchternd.

Im Durchschnitt liegen die Pensionen der Frauen um mehr als 40 % unter jenen der Männer. Das liegt vor allem daran, dass Frauen wegen der Kinderbetreuung häufiger und länger in Karenz gehen und danach wesentlich häufiger in Teilzeit arbeiten als Männer. Dies führt dazu, dass Frauen beim Pensionsantritt im Schnitt 10 Beitragsjahre weniger aufweisen können als Männer und daher zusätzlich zu den Einkommensverlusten während der Erwerbstätigkeit auch in der Pension finanzielle Abstriche machen müssen. Frauen rutschen daher besonders oft in die Altersarmut.

Freiwilliges Pensionssplitting

Eine Möglichkeit, um für etwas mehr Fairness bei den Pensionen zu sorgen, ist das freiwillige Pensionssplitting. Der berufstätige Elternteil kann nach der Geburt des Kindes bis zu 50% seiner Pensionsgutschrift auf seinen Partner, der sich der Kindererziehung widmet, übertragen lassen. Dieser bekommt dadurch (zusätzlich zur automatischen Anrechnung der Kindererziehungszeiten) eine Gutschrift auf seinem Pensionskonto. Die Eltern müssen dafür weder verheiratet sein noch in einem gemeinsamen Haushalt leben. Das Pensionssplitting ist für die ersten 7 Lebensjahre des Kindes (bei mehreren Kindern für insgesamt 14 Jahre) möglich und kann auch noch im Nachhinein bis zum 10. Geburtstag des jüngsten Kindes beantragt werden.

Das Pensionssplitting ist allerdings nur möglich, wenn ein Elternteil überhaupt nicht arbeiten geht oder nur geringfügig beschäftigt ist. Wenn ein Partner neben der Kinderbetreuung in Teilzeit arbeiten geht und die Geringfügigkeitsgrenze überschreitet, kann er sich keine Pensionsgutschriften übertragen lassen. Frauen, die neben der Kinderbetreuung einer Teilzeitbeschäftigung nachgehen, landen also wieder in der Teilzeitfalle.

Keine automatische Anrechnung der Beiträge

Ein Problem ist auch, dass es in Österreich (im Gegensatz zu anderen Ländern) keine automatische Anrechnung der Beiträge gibt. Es müssen also beide Elternteile eine entsprechende Vereinbarung treffen und einen Antrag bei der Sozialversicherung stellen. Das erweist sich in der Praxis als ziemlicher Hemmschuh. Es wäre daher sinnvoll, wenn die Beiträge der Eltern für die Zeiten der Kinderbetreuung automatisch auf die Pensionskonten beider Eltern aufgeteilt werden. Eine Änderung der Rechtlage ist derzeit leider nicht in Sicht.

Frauen, die sich hauptsächlich um die Betreuung der Kinder kümmern, sollten trotzdem keine Hemmungen haben, dieses Thema mit ihrem Partner zu besprechen. Wenn ein Elternteil den Großteilder unbezahlten Arbeit übernimmt, ist es nur fair, wenn sich die Eltern zumindest die Pensionszeiten gerecht aufteilen. Und die meisten Männer werden dies wahrscheinlich auch so empfinden.

Gerechte Verteilung von unbezahlter Arbeit

Auch wenn das Pensionssplitting an sich eine gute Sache ist: Um die Pensionslücke wirklich zu schließen, wäre eine gerechte Verteilung von unbezahlter Familienarbeit und bezahlter Erwerbstätigkeit notwendig. Dazu braucht es vor allem eine umfassende und flächendeckende Kinderbetreuung, die mit einer Vollzeitbeschäftigung vereinbar ist, also ganztägige Öffnungszeiten von Kindergärten (auch während der Schulferien) und eine kostenlose Nachmittagsbetreuung in Schulen.

Rechtsanwältin Carmen Thornton.

Über die Autorin: Mag. Carmen Thornton ist selbständige Rechtsanwältin in Wien und schreibt regelmäßig juristische Artikel für WOMAN.at - zuletzt etwa über Zahnspangenkosten. Ihre Kanzlei ist spezialisiert auf Scheidungen, Obsorge und Unterhaltsverfahren. Sie ist verheiratet und hat zwei Kinder.