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Erfolg, Partnerschaft, Beruf, Familie,
Liebe, ... – Schicksal oder Zufall?

Ist es eine höhere Macht, die unser Leben lenkt, oder passiert alles rein zufällig? Experten beleuchten dieses spannende Thema.

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Erfolg, Partnerschaft, Beruf, Familie,
Liebe, ... – Schicksal oder Zufall?

Der Mann hatte den Arzttermin für eine Vorsorge-Darmspiegelung schon lange ausgemacht, als ihm doch etwas dazwischenkam. Seine Frau meinte spontan: Weißt was, ich geh statt dir hin. So eine Untersuchung kann ja nicht schaden. Der Arzt fand bei der Lehrerin aus OÖ einen Darmtumor, allerdings noch so im Anfangsstadium, dass sie völlig geheilt werden konnte... Zufall oder Schicksal?

Als die junge Frau nach einem Konzert auf ein Taxi wartete, wurde ihr von einem rüden Pärchen der Wagen weggeschnappt. Empört beschwerte sie sich beim Fahrer des nächsten Taxis, einem Studenten mit Nebenjob. Inzwischen sind die beiden glücklich verheiratet, und die Wienerin mag gar nicht dran denken, was gewesen wäre, wenn nicht... Zufall oder Schicksal?

Kathrin M. hatte gerade ihren Job verloren. Als sie trübsinnig im Café saß, kam ein Bekannter herein, den sie seit vielen Jahren nicht mehr gesehen hatte. So nebenbei erzählte er, dass er sich selbständig gemacht hatte und eine Mitarbeiterin suchte... Zufall oder Schicksal? Wer würfelt unser Leben aus? Wer streut die vielen kleinen Ereignisse, die oft so unbedeutend ausschauen und so viel bewirken, auf unseren Weg? Eine höhere Macht? Die Planeten? Oder gar wir selbst?

Stefan Klein ( www.stefanklein.info ) hat eine andere Erklärung: den Zufall. Der promovierte Biophysiker, einer der erfolgreichsten Wissenschaftsautoren deutscher Sprache, hat sich in seinem Buch "Alles Zufall" ( Verlag Rowohlt , € 10,30) mit dem Thema auseinandergesetzt. Seiner Meinung nach sind nur wir selbst es, die im Nachhinein Zusammenhänge und Mythen konstruieren, da wir in allem einen Sinn erkennen wollen, der im Vorhinein nicht vorhanden ist.

Schätzungen nach glaubt aber die Hälfte der Bevölkerung an irgend eine Art von Vorsehung. Diese Menschen, so Klein, suchen nach verborgenen Plänen, Mustern und magischen Zusammenhängen. Was wiederum in der evolutionären Programmierung unseres Gehirns seinen Ursprung habe. Denn nur wer Zusammenhänge herstellt, kann etwas lernen. Wenn Sie als Kind geglaubt hätten, die Erwachsenen brabbeln nur zufällig irgendwelche Silben vor sich hin, hätten Sie nie sprechen gelernt. Ein gewisses Misstrauen dem Zufall gegenüber ist also notwendig, um klüger zu werden. Aber damit hat sichs für den Forscher auch schon wieder...

Gott lenkt.
Nicht so für die vielen Menschen, die nicht an Zufälle – also Ereignisse, die wir nicht planen und hinter denen wir keine Regel erkennen können glauben. Schon in der griechischen und römischen Mythologie suchte man, Schicksalsgöttinnen milde zu stimmen. In christlichen Religionen waltet die göttliche Vorsehung nach dem Motto Der Mensch denkt und Gott lenkt, und im muslimischen Kulturraum bezeichnet Kismet alles Gute und Schlechte, das jemandem von oben zugeteilt wird. Fatalismus als Extrem ist eine Weltanschauung, die davon ausgeht, dass alles Geschehen durch eine höhere Macht unabänderlich bestimmt wird.

Charakterprägung.
Helga Kuhn befasst sich mit dem Einfluss der Gestirne auf unser Geschick. Die WOMAN-Astrologin ist sicher: Die Ereignisse auf unserer Erde geschehen genauso wenig durch Zufall wie Ereignisse in unserem Leben. Alles ist eine Art Spiegel der kosmischen Energien. Die Astrologie ist die Lehre von Gestirnseinflüssen auf die Natur und auf uns Menschen und geht daher von physikalischen Ursachen aus.

Die Stellung der Sterne bei unserer Geburt liefert Astrologen Hinweise auf Charakter und allgemeine Tendenzen des Lebens. Durch diese Charakterprägung, so Helga Kuhn, handelt man in bestimmten Situationen so und nicht anders, was meiner Meinung nach schon Schicksal ist. Es gibt aber keine Beweise dafür, dass die Gestirne unsere Persönlichkeit unmittelbar beeinflussen oder Ereignisse in unserem Leben verursachen können. Man kann aus einem Geburtshoroskop nicht ersehen, wann und wo einem ein Stein auf den Kopf fallen wird, wohl aber lässt sich eine Tendenz herauslesen, dass man in einem bestimmten Zeitraum unfallgefährdet ist. Oder etwa, dass die Zeit unter gewissen Planeten-Aspekten auf meiner Seite ist, wenn ich einen Liebespartner suche. Aber auch wenn man in der Astrologie vieles vorhersehen kann, betont Helga Kuhn, sie nimmt einem keine Entscheidungen ab! Jeder Mensch muss selbst aus der jeweiligen Situation das Beste machen.

Das kann man mit dem Zufall auch, plädiert Wissenschaftler Klein für sein Modell der Überraschungen. Wir täten gut daran, den Zufall als Auslöser vieler Lebenssituationen stärker anzuerkennen und zu sehen, dass er Chancen bietet, aus denen wir etwas machen können. Wenn ich den Flug zu meinem Bewerbungsgespräch versäume wer weiß, wofür es gut war. Welche neuen Chancen sich dadurch für mich auftun. Der Job wär womöglich ohnehin nicht der richtige gewesen, und vielleicht sitzt im nächsten Flieger ein hoch interessanter Mensch neben mir.

Wenn das passiert, dann haben wir diese Situation selbst angezogen, sieht Michael Adam, spiritueller Coach ( www.sonnenscheinseminare.at ), das Leben nach einem ganz anderen Fahrplan ablaufen. Weder sind wir Spielball wahllos auftretender Umstände noch Marionetten an den Fäden eines vorbestimmten Schicksals, so seine Überzeugung. Denn unsere Realität erschaffen wir uns durch unsere Gedanken und Gefühle selbst. Ziehen genau das an, was mit unseren Gedanken und Emotionen in Resonanz steht. Ich verwende dafür gerne das Bild von einem Radio. Sagen wir, ich hör gerne klassische Musik, es ist aber ein Rocksender eingestellt. Auf meine Lieblingsstücke kann ich lange warten. Schließlich beklage ich mich bei einem Freund über das furchtbare Programm. Er sagt: Du hast einfach den falschen Sender eingestellt; und er dreht an meinem Radio, und auf einmal hör ich, Morgenstimmung und, Adagio und bin superhappy. Was hat sich verändert? Ich mich? Mein Umfeld? Das Radio? Oder hatte ich einfach nur Pech? Nein, es ist alles gleich geblieben, nur die Empfangsfrequenz wurde anders eingestellt. Um uns herum sind immer alle Programme, Himmel und Hölle, aber es liegt an uns, welche wir empfangen.

Das gelte auch für unsere Antennen in Sachen Liebe. Welche Partner wir anziehen, folgt der Energie, die wir ausstrahlen. Aktion und Reaktion. Kennt eine Frau etwa das Muster Gewalt seit der Kindheit und hat es noch nicht aufgelöst, dann wird sie mit großer Wahrscheinlichkeit immer wieder an gewaltbereite Männer kommen.

Direkte Konsequenz.
Vom Gesetz von Ursache und Resultat oder Wirkung spricht auch Gelongma Lama Palmo, Österreichs erste buddhistische Priesterin und Direktorin von Palpung Europe: Niemand außer uns selbst bestimmt unser Schicksal. Alles, was ich jetzt tue, hat eine direkte Konsequenz, die sich entweder jetzt oder in Zukunft offenbaren wird. Wir haben Intelligenz, die uns dazu ermächtigt, eigenständige, verantwortungsvolle Entscheidungen zu treffen, deren Resultate uns in Zukunft ereilen werden. Nichts fällt von irgendwo auf mich herab.

Wahl-Freiheit.
Tut es doch, ist Stefan Klein sicher, sieht uns aber keineswegs als hilflose Opfer des Zufalls. Er löst zwar sehr viel mehr Begebenheiten in unserem Leben aus, als wir glauben. Doch es ist uns überlassen, was wir daraus machen. Die psychologische Forschung zeigt, dass die erotische Anziehung zwischen zwei Menschen fast immer dem Zufall unterliegt. Mit wem ich einen Flirt habe, hängt davon ab, wer zufällig gerade Lust hat und mir über den Weg rennt. Aber ich habe sehr wohl die Freiheit, zu wählen, wann es bei einem Flirt bleibt, aus welchen Begegnungen eine kurze Affäre oder eine längere Beziehung wird.

Wer sich den Zufall zum Freund macht, könne viel profitieren. Sie können Ihrem Kind im Café eine Geschichte aufschreiben und zur reichsten Frau Englands werden, wie die Autorin von Harry Potter. Zufall und Unsicherheit sind Kinder der Freiheit, in der wir leben und, so meint der Wissenschaftler, wir überschätzen, was wir im Voraus planen können, und unterschätzen, wie anpassungsfähig wir sind. Der Mensch hat überlebt, weil er das flexibelste Geschöpf ist, das die Evolution hervorgebracht hat. Und was machen wir? Zwanghaft legen wir alles darauf an, dass die Welt nach unserer Pfeife tanzt.

Universum hilft.
Anhänger spiritueller Lehren hingegen wähnen den Kosmos ganz auf ihrer Seite, sind überzeugt, dass das Universum auch ungezählte Wünsche erfüllt, wenn man sie nur konkret genug nach oben schickt. Und wenn man für die Lieferungen der Pakete auch offen ist, sprich: versteckte Hinweise auf die große Liebe, den großen Reichtum und das Traumhaus auch als solche wahrnimmt, kann vieles klappen. Zufälle wären solche Begebenheiten allemal keine.

Auch nicht die Situation, die wohl jeder von uns schon erlebt hat: Man denkt an einen Menschen und genau in dem Moment ruft er an. Übersinnliche Verbindungen?

Nein, sagt Stefan Klein, mit mysteriösen Schwingungen hat das nichts zu tun. Man denkt oft an Menschen, die einem wichtig sind, aber nicht immer klingelt gleich das Telefon. Nur wenn beides zusammenfällt, behalten wir das in Erinnerung. Eine rein zufällige Angelegenheit.

Das ist sie für den Lebenscoach Michael Adam keinesfalls: Also, dass wir Menschen telepathisch in Kontakt stehen, steht für mich außer Frage. Darüber gibt es seit vielen Jahren eindrucksvolle Forschungen in der guten alten Parapsychologie.

Sehr auseinander gehen die Meinungen auch, wenn es um das körperliche Befinden geht. Die Esoterik sieht zum Beispiel Krebs als Krankheit der Lieblosigkeit an, als Folge etwa, wenn sich jemand selbst nicht liebt. Klein hingegen will den Menschen in seinem Buch klarmachen, dass Krebs fast immer durch zufällige Prozesse in der Erbinformation entsteht und Selbstvorwürfe unberechtigt sind. Wissenschaftliche Beweise gibt es allerdings für keine der Lehren, die sich damit beschäftigt, wer unser Leben bestimmt.

Man kann den Zufall nicht beweisen, sagt es Stefan Klein klar, Sie können nur beweisen, dass etwas nicht zufällig geschah, aber nie das Gegenteil. Auch könne keine Wissenschaft den Glauben an eine Vorsehung widerlegen, wenngleich auch nichts dafür spricht.

Kein Mensch wird je beweisen können, ob etwas Zufall, Fügung oder Schicksal ist, bringt es auch Michael Adam auf den Punkt. Aber wenn ich eine gesunde und glückliche Lebenseinstellung habe, erlebe ich wunderbare Zeiten und leider auch umgekehrt, ist er überzeugt.

Wie auch immer: Der Glaube daran, in welchem und von wem gelenkten Zug er sitzt und durchs Leben fährt, der bleibt jedem unbenommen.

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