Ressort
Du befindest dich hier:

Von wegen Männerdomäne: Die erfolgreichsten Frauen der Formel 1

Rennsport ist nur etwas für Männer und Frauen sind dort höchstens hübscher Aufputz als sogenannte Grid-Girls? Diese starken Frauen zeigen, dass dies definitiv nicht so ist! Und schließlich gibt es auch keine Regel, die Fahrerinnen davon abhält, sich mit ihren männlichen Kollegen zu messen. Aber warum gibt es so wenige Frauen, die genau das versuchen?


Danica Patrick
© Brian Lawdermilk/Getty Images

„Frauen sollten stets weiß gekleidet sein – so wie die anderen Küchengeräte.“ Mit dieser Aussage sorgte Bernie Ecclestone für Aufsehen. Nun räumte der Formel 1-Mogul ein, dass ihn sehr wohl eines Tages eine Frau in seiner Position ablösen könnte. Ein Umdenken in den hohen Rängen der Formel 1? „Das Problem ist bloß, dass Frauen sich davor scheuen, die Verantwortung für eine so große Sache zu übernehmen“, relativiert Ecclestone seine Aussage. CNN-Moderatorin Amanda Davies sprach mit einigen der bekanntesten und erfolgreichsten Frauen im Auto-Rennsport:

Sexismus war nie ein Problem für mich“, sagt beispielsweise NASCAR-Fahrerin Danica Patrick. „Vielleicht habe ich aber auch eine extrem dicke Haut.“ Auch Claire Williams, stellvertretende Chefin beim Rennsportteam Williams, hat sich nie diskriminiert gefühlt – obwohl ihr eigener Vater, Eigentümer Frank Williams, der größte Gegner ihrer Formel 1-Karriere war. „Er war immer extrem dagegen, dass ich bei Williams Karriere mache. Es sind einige Schimpfwörter gefallen. Er meinte ich könnte es auf keinen Fall durchziehen“, erinnert sie sich. Williams führt dies auf die veraltete Einstellung ihres Vaters zurück.

Dass es Sexismus in der Motorsportwelt gibt, leugnet Rennfahrerin Susie Wolff nicht. „Sexismus existiert und wahrscheinlich wird er nie ganz verschwinden. Aber er hat meiner Karriere nicht geschadet.“ Ein Problem könnten jedoch die körperlichen Unterschiede zwischen Männern und Frauen darstellen. „Ich kann bestätigen, dass Frauen andere körperliche Voraussetzungen haben. Wir besitzen 30 Prozent weniger Muskelmasse als Männer, aber andererseits sind wir in den Autos nicht nur auf körperliche Stärke angewiesen. Ich denke, ich habe mit meiner Arbeit bewiesen, dass die körperlichen Unterschiede keine Barriere für Frauen im Motorsport darstellen.“


In der Tat benötigen Frauen im Motorsport ein anderes Training als ihre männlichen Kollegen. „Frauen haben zwar weniger Muskelmasse als Männer, aber darauf kommt es aber nicht zwingend an. Es geht vielmehr um die Kraft im Verhältnis zur Körpergröße.“, erklärt Sportphysiologe Dr. Rob Child. „Untrainiert sind Frauen zwischen 50 und 20 Prozent schwächer als Männer. Aber wenn sie trainiert sind, liegt der Unterschied nur noch bei etwa fünf Prozent.“ Frauen seien also durchaus im Stande, die Anstrengungen der Rennstrecke auch körperlich zu meistern.

»Frauen haben zwar weniger Muskelmasse als Männer, aber darauf kommt es aber nicht zwingend an.«
Danica Patrick
Danica Patrick

„Es ist besonders wichtig, dass das Herz gesund bleibt“, erklärt die spanische Rennfahrerin Carmen Jordá. „Deshalb machen wir besonders viel Cardio-Training.“ Dr. Child stimmt ihr zu: „Ein Formel 1 Rennen dauert um die zwei Stunden. Motorsport ist praktisch Ausdauersport.“ Besonders wichtig daran ist es, dass das Ausdauertraining Frauen weniger anfällig für Dehydration macht – ein gefährliches Risiko auf manchen Rennstrecken. „Ich fahre, seit ich zwölf Jahre alt bin und ich habe die körperlichen Unterschiede immer als Handicap empfunden“, erzählt Jordá. „Besonders auf dem hohen Level des Rennsports müssen Frauen deutlich härter arbeiten als Männer. Deshalb ist es nicht so einfach für Frauen, Formel 1-Fahrerinnen zu werden.“


Es sind also verschiedene Faktoren, die junge Mädchen davon abhalten, sich in den Motorsport zu involvieren. Doch um die Chancen auf einen weiblichen Formel 1-Champion zu erhöhen, ist es wichtig, dass mehr Mädchen in den Sport einsteigen. Im britische Formel 1-Trainingscamp "Formular Cart Stars", das unter anderem Rennsport-Stars wie Lewis Hamilton absolvierten, trainieren im Moment 55 Nachwuchstalente, aber nur vier davon sind Mädchen.

Susie Wolff
Susie Wolff
»„Die meisten Jungs hier sagen, dass sie der nächste Lewis Hamilton werden wollen. Für Mädchen gibt es so jemanden nicht.«

Die britische Rennfahrerin Alice Powell erklärt, dass der Mangel an Interesse bei Mädchen hauptsächlich daran liegen würde, dass es kaum weibliche Vorbilder im Motorsport gebe: „Die meisten Jungs hier sagen, dass sie der nächste Lewis Hamilton werden wollen. Für Mädchen gibt es so jemanden nicht. Deshalb arbeite ich hier mit den Teams und helfe den Mädchen, sich in die Welt des Motorsports einzufinden.“


An Begeisterung mangelt es den jungen Nachwuchsfahrerinnen nicht. „Ich war zuerst reiten, aber das war mir zu langsam. Also habe ich zum Motorsport gewechselt und ich liebe es hier!“, erzählt eines der Mädchen an der Rennstrecke. „Dass ich ein Mädchen bin, ist für mich kein Hindernis.“

Frauen in der Formel 1
Thema: Report