Ressort
Du befindest dich hier:

Ernährungs-Mythen im Check

Machen Kartoffeln dick? Ist Frischgemüse gesünder als tiefgekühltes? Bewusstes Essen wird immer komplizierter! Licht ins Dunkel der Ernährungs-Mythen.


Ernährungs-Mythen im Check
© Corbis

Gesundheit ist auch eine Frage der Ernährung . Eine simple Feststellung, die sich immer mehr als komplizierte Wissenschaft entpuppt. Predigen doch Food-Gurus unterschiedliche Ernährungstipps: Die einen verbannen Kartoffeln vom Teller, andere leben ab 15 Uhr in Askese oder schwören auf Vollkorn-oder Light-Produkte. WOMAN verrät, was man von propagierten Ernährungstrends halten darf.

Ernährungs-Grundregeln

Noch relativ einfach erscheinen die Empfehlungen der Österreichischen Gesellschaft für Ernährung ( www.oege.at ):

• 1. Die Ernährung sollte ausgewogen (= abwechslungs- & nährstoffreich und kalorien- & fettarm) sein.

• 2. Es sollten reichlich Getreideprodukte und Kartoffeln auf den Tisch kommen.

• 3. Fünfmal am Tag sollte Gemüse und Obst gegessen werden.

• 4. Wichtig sind mindestens 1,5 Liter Flüssigkeit am Tag und

• 5. schonendes Zubereiten und genussvolles Essen.

Bei Punkt 2 würden sich allerdings schon einige Experten in die Haare kriegen! Eröffnen wir also mit den Kartoffeln unseren Reigen "Ernährungs-Mythen - richtig oder falsch" …

Kartoffeln sind Dickmacher

Falsch. Kartoffeln werden wegen ihres relativ hohen glykämischen Index - d. h. sie bewirken einen relativ schnellen Blutzuckeranstieg - immer wieder als Dickmacher verurteilt. Dabei sind Kartoffeln fettfrei, sehr wasserhältig, reich an komplexen Kohlenhydraten (lang anhaltende Sättigung) und voller wichtiger Mineralstoffe. Zum wahren Dickmacher werden sie erst, wenn sie, in Scheiben geschnitten, frittiert werden. So nehmen sie besonders viel Fett auf (lesen Sie hier: Chips & Co. im Kaloriencheck ). Und Fett hat mehr als doppelt so viel Energie wie Kohlenhydrate. Also: Finger weg von Pommes frites und Chips! Gekocht haben Kartoffeln auch einen viel niedrigeren glykämischen Index als gebraten …

Breakfast-Cancelling macht schlank

Falsch. Frühstücksmuffel irren, wenn sie glauben, bei der ersten und wichtigsten Mahlzeit des Tages Kalorien sparen zu können. Statistiken bestätigen, dass Frühstücker schlanker und gesünder leben. Das Weglassen von Mahlzeiten steigert eher den Hunger und damit auch die kontraproduktiven Heißhungerattacken . Vorsicht: Ein üppiges Frühstück mit viel Fett und Zucker ist ebenso tabu wie gar keines. Ausgewogen und mit Getreide-und Milchprodukten sowie Obst und Gemüse ist es die Basis für einen guten, kraftvollen Start in den Tag! Ideal sind frische Früchte mit Vollkorn-Cerealien und Milch oder Joghurt. Wer's lieber pikant mag, isst Vollkornbrot mit Putenwurst und Paprika. No-No: Croissants & Marmeladesemmel!

Figur-Hit: Süßstoff statt Zucker

Richtig. Süßstoff oder Stevia haben kaum Kalorien und sind daher ein beliebter Zuckerersatz , der beim Kaloriensparen hilft, ohne dass man auf "Süßes" verzichten muss. Die gängige Behauptung, Süßstoff fördere die Insulinausschüttung, was in der Folge den Blutzuckerspiegel absinken lässt und zu Heißhunger führt, konnte wissenschaftlich nicht belegt werden. Dennoch warnen die Experten vor allzu viel Süßstoff. Denn das Verlangen nach Zucker bleibt dann bestehen, es erfolgt keine echte Ernährungsumstellung .

Mit Light-Produkten nimmt man schneller ab

Richtig. Aber nicht mit allen. Grundsätzlich helfen Light-Produkte, die meistens genauso gut schmecken wie fettreichere, bei der Kalorienreduktion, sofern wirklich weniger Fett, Zucker oder Alkohol enthalten sind. Immer die Etikette prüfen! Wichtig ist allerdings eine gewisse Disziplin: Den Light-Faktor nicht mit der Verfielfachung der Menge kompensieren!

Bio ist gesünder

Richtig. Biologische Lebensmittel stehen längst nicht mehr nur auf dem Speiseplan von grünen Umweltaktivisten. Mittlerweile hat Bio-Food Trend-Faktor. Und das aus gutem Grund. Biologische Lebensmittel enthalten aufgrund der kontrollierten Produktions-und Herstellungskriterien geringere Nitratgehalte bei Gemüse, geringere Pestizid-, keine Antibiotika-Rückstände und enthalten meist weniger Lebensmittelzusatzstoffe. Zudem zeigen Untersuchungen, dass manche biologische Lebensmittel einen höheren ernährungsphysiologischen Wert haben, sie enthalten mehr essenzielle Aminosäuren (Getreide, Hülsenfrüchte), mehr Vitamine (z. B. Vit. C in Weißkraut, Äpfeln, Tomaten), mehr Mineralstoffe, 10-40 % höhere Gehalte an sekundären Pflanzenstoffen und eine günstigere Fettsäure-Zusammensetzung (Milch, Fleisch)." Tipp: Achten Sie auf die Bio-Erkennungszeichnung (etwa die roten Logos: AMA-Bio oder BIO-AUSTRIA, mehr Infos unter www.ama.at ).

Abends soll man auf Rohkost verzichten

Falsch. Die Behauptung, rohes Obst oder Gemüse am Abend tun unserem Organismus nicht gut, weil sie zu gären beginnen, stimmt nicht. Rohkost gärt nicht. Dennoch gibt es Menschen, die rohes Gemüse oder Obst einfach nicht gut vertragen (etwa bei Histamin-Intoleranz ). Eine individuelle Angelegenheit also. Wie bei beinahe allen Gesundheitsfragen gilt auch in diesem Fall: Wir müssen lernen, auf unseren Körper zu hören und darauf Rücksicht zu nehmen! Tipp: Manche Gemüsesorten (etwa Karotten oder Tomaten) sind gedünstet ohnehin noch gesünder als roh: Der Körper verwertet dadurch die Vitamine besser.

Frisches Gemüse ist besser als tiefgekühltes

Teilweise falsch. Sicher: Frisches Gemüse sollte erste Wahl sein. Vorausgesetzt, Äpfel, Karotten & Co haben keine zu langen Transportwege hinter sich. Achten Sie darauf, dass Obst und Gemüse aus saisonalem und regionalem Anbau kommt. Wenn nicht, so ist es sinnvoller, auf tiefgekühltes Gemüse zurückzugreifen. Dieses wurde sofort nach der Ernte tiefgekühlt und erhält durch diese nährstoffschonende Konservierungsmethode im Vergleich zu länger gelagertem Gemüse aus dem Frischeregal noch mehr Vitamine.