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Diese Frau baut das erste Holzhochhaus der Welt

Caroline Palfy ist Hochbautechnikerin und leitet in der Seestadt Aspern den Bau eines 24-geschoßigen Hauses in Holzbauweise. Warum es auf der Baustelle oft ehrlicher zugeht als im Business-Alltag, erklärt sie im Gespräch mit WOMAN.at.

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Diese Frau baut das erste Holzhochhaus der Welt
© WOMAN

Stell dir vor es ist Feierabend und keiner will nach Hause gehen. Das klingt zwar ziemlich unrealistisch, Caroline Palfy hat das bei ihrem aktuellen Bauprojekt aber quasi zum Leitmotiv erhoben. Und hat man das Haus erst mal gesehen, versteht man ganz genau, was damit gemeint ist. Denn sie baut gerade das erste Hochhaus in Holzbauweise der Welt - und das in Wien. Oder besser: Sie leitet das Bauprojekt in der Seestadt Astern, das noch vor Ende des Jahres abgeschlossen sein wird und umgangssprachlich "HoHo" (HolzHochhaus) genannt wird. Dabei handelt es sich genau genommen um zwei Bauteile - einer ist mit 24 Geschoßen sehr hoch, der zweite ist bereits fertiggestellt und ein bisschen niedriger. „Genau genommen ist es ein Hybrid-Bau“, klärt Palfy auf: Überall dort, wo es sinnvoll ist, wurde mit Holz gebaut und dort wo es um die tragende Struktur geht, mit Beton. „Wir wollten uns eben nicht an diesem ‚höher, schneller, größer, weiter‘ beteiligen, sondern bewusst auf Nachhaltigkeit setzen“, erklärt Palfy bei der exklusiven Baustellenführung.

Das 24-stöckige Hochhaus soll bis Jahresende fertig sein.

Das sieht man von außen und innen: Verwendet wurde zu 100 Prozent österreichisches Fichtenholz, das nicht nur für die einzigartige Bauweise zum Einsatz kam, sondern auch die Innenräume haben Holzdecken und Holzwände. Das riecht man nicht nur, das spürt man auch. So braucht das Haus keine künstliche Lüftung, ganz bewusst lassen sich die Fenster auch im obersten Stockwerk noch öffnen - im Gegensatz zu gewöhnlichen Hochhäusern, wo das selten der Fall ist. „Das ist doch grauenhaft, wenn man den ganzen Tag in einem Büro mit schlechtem Klima sitzt und nicht mal ein bisschen frische Luft rein lassen kann“, sagt Palfy. Und allein dieser Satz spiegelt sehr gut Palfys Vision des Projekts wieder: Sie schafft hier ein Gebäude, in dem zwar gearbeitet wird - aber in dem man sich eben auch rundum wohlfühlen soll. Und dazu gehört nicht nur die nachhaltige Bauweise, sondern auch das Nutzungskonzept.

So schauen die Büroräumlichkeiten aus - das Holz verleiht dem Raum nicht nur einen angenehmen Geruch, sondern auch ein super Klima.

MieterInnen sollen voneinander profitieren

Das Erdgeschoß des niedrigeren Gebäudeteils ist eine Geschäftsfläche mit sehr viel Licht - noch steht nicht fest, wer einziehen wird. Klar ist für Palfy, dass ein potenzieller Nutzer zum Haus passen muss. Das könnte genauso gut ein Unternehmen aus dem Bereich „Wellness“, wie auch aus der Beauty-Ecke sein. Dass die Lage - zwar direkt neben der U-Bahnstation, aber eben in der Seestadt Aspern - noch ein bisschen schwierig ist, weiß sie, setzt aber auf die Anziehungskraft und das Potenzial, dass der neu geschaffene Stadtteil besitzt. „Wir such Pioniere, die sich hier raus trauen und hier etwas neuartiges verwirklichen wollen.“ Und dabei sollen die Mieter des Hauses nicht nur von der Bauweise, sondern voneinander profitieren.

Der niedrigere Bauteil ist bereits fertig.

So sollen hier in Zukunft Restaurants, Wellness, Beauty, Hotel, Start-Ups nicht nur unter einem Dach ihr Geschäft abwickeln, sondern sich gegenseitig Annehmlichkeiten verschaffen. „Mittels HoHo-App kann sich etwa die Mitarbeiterin aus dem 2. Stock einen Termin im Wellnessbereich für nach der Arbeit buchen und dann gleich noch einen Tisch im Restaurant nebenan reservieren“, beschreibt Palfy den „Lebensraum“, der hier entstehen soll. Damit trägt sich nicht zuletzt dem Rechnung, dass Arbeit heute eine andere Wertigkeit einnimmt als früher. „Das sehe ich auch bei meinen Töchtern, dass die ganz andere Vorstellung vom Arbeitsleben haben.“ Nicht zuletzt für sie wolle sie das Raum-Konzept von Arbeitsplätzen in eine lebenswerte Zukunft führen, sagt Palfy.

"Auf der Baustelle hab ich gar kein Problem"

Wie die Hochbautechnikerin überhaupt auf die Idee kam, ein Holzhochhaus zu bauen? „Wir hatten das Grundstück mit einer Hochhauswidmung und für mich war klar, dass hier ein konventioneller Bau nicht in Frage kommt. Der Werkstoff Holz hat mich schon immer interessiert, das Thema Nachhaltigkeit und CO2-Einsparen ist mir auch sehr wichtig und so kam Eines zum Anderen.“ Zum Glück war auch der Investor schnell von der Idee zu überzeugen und so leitet Caroline Palfy nun seit vier Jahren das einzigartige Projekt. Wie es ihr auf der Baustelle, die ansonsten ja doch von männlichen Arbeitskräften dominiert ist, so geht? „Auf der Baustelle hab ich gar kein Problem. Da ist es im Business-Alltag oft schwieriger. Am Bau ist alles so ehrlich, da wird man akzeptiert wenn man seine Arbeit gut macht.“ Aber: „Je älter ich werde, umso mehr Erfahrung ich habe - umso besser wird es. Als junges Mädchen habe ich mich oft gekränkt und Dinge persönlich genommen, in Wirklichkeit war das aber immer die Schwäche von anderen und nicht meine“, so Palfy über ihre Arbeit in einer männlich dominierten Branche.

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