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8 unrealistische Erwartungen in unsere Kids

Kinder sind das Tollste – können aber auch ein ziemlicher Pain in the *ihrwisstschonwas* sein. 8 Erwartungen, die wir in sie setzen. Und die einfach enttäuscht werden müssen.


8 unrealistische Erwartungen in unsere Kids

Sind Kinder immer nur süß und lieb? Eltern aber auch nicht...

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Kinder zu haben ist fantastisch. Wunderbar. Dein Leben wird lustiger, bunter, du befreist dich von deinem Egoismus. Du lernst, Dinge in einem anderen Licht zu betrachten. Und du liebst völlig bedingungslos.

Es gibt da draußen Menschen, die die Elternschaft zu paradiesischen Zuständen glorifizieren, zu einem einzigen Weg ins Licht. Aber ihr wisst genau wie ich: Diese Menschen lügen. Denn trotz all der schönen Seiten können Kinder gleichzeitig auch ein echter Pain in the *ihrwisstschonwas* sein.

Sie bringen alles durcheinander. Unsere Wohnung, unser komplettes Leben. Sie schwindeln, sie sind hinterhältig (manchmal), sie hören nicht zu und sie wissen ganz genau, wie man all die falschen Tasten auf unserer Nerven- und Emotionsklaviatur spielt.

Damit erzähle ich den Müttern unter euch freilich nichts, was sie nicht eh schon wissen. Doch während uns unsere Kids mit ihrem Verhalten zeitweise auf die Palme treiben... wenn wir ehrlich sind, dann machen wir doch auch ab und an Sachen, die den Fortpflanz zumindest sachte irritieren.

Wir hoffen (und versuchen), unsere Kinder so aufzuziehen, dass sie ein besseres Leben als wir führen können – und überschreiten dabei immer wieder die Grenze mit unseren eigenen, heuchlerischen Standards. Wir setzen Erwartungen in sie, die sie einfach nicht erfüllen können. Die da wären:

1

Sei immer gut drauf. Kennt ihr das? Ihr kommt nach einem langen Arbeitstag nach Hause, und eure Kinder sind schlecht drauf? Ziehen lange Mienen, weil ihnen das Abendessen nicht passt, quängeln, weil sie noch fernschauen wollen? Du hast den ganzen Tag hart gearbeitet, damit sie sich ihre Bäuche vollschlagen dürfen – und das einzige, was sie machen, ist, dir weiteren Stress zu bereiten... Habe ich recht? Nein, wir sind vor diesen Gedanken nicht gefeit, sie tauchen ab und an auf – und wenn wir eine besonders schlechte Minute haben, dann sprechen wir sie auch aus. Aber: Auch Kinder haben schlechte Tage. Sind mit dem falschen Fuß aufgestanden. Hatten Stress mit dem Kindergarten-Freund oder Ärger mit der Lehrerin. Wir müssen ihnen ihre schlechte Laune zugestehen. Genauso wie uns.

Immer gut drauf? Iwo. Muss nicht sein.
2

Sei gut in der Schule. Es ist total nachvollziehbar, dass du dir wünscht, dass deine Kinder gut in der Schule sind. Im besten Fall studieren sie (Medizin! Jura! Biotechnologie! Irgendetwas, was deine Pension absichert!), sind Miniatur-Ausgaben von Doogie Howser (für alle Kinder der 80er ). Nur: Das war eine TV-Serie. Im echten Leben lernen Kinder Dinge anders. Es ist unsere Aufgabe, sie zu führen und zu unterstützen, wenn ihnen das Lernen schwer fällt. Nicht, sie zu bestrafen oder sklavisch anzutreiben. Wenn wir uns an der Nase nehmen: Wir sind auch nicht perfekt im Job. Schule ist für unsere Kinder vergleichbar mit "Arbeit". Anstrengend. Und nicht immer lustig-leicht.

3

Mach' keinen Saustall. In der Nacht trittst du auf Playmobil-Figuren (sehr schmerzhaft!). Am ganzen Tisch sind Krümmel und Nutella. Das Teenager-Zimmer zu betreten gleicht einem Besuch auf der Müllhalde. He! Wir sind auch manchmal nachlässig. Wir verschütten genauso den Saft. Wir lassen auch manchmal unsere Kleidung liegen und räumen sie nicht in der Sekunde auf. Wir stellen schon mal den Pizza-Karton in die Küche und lassen die Gläser über Nacht stehen. Warum granteln wir unsere Kinder an, wenn wir doch auch oft genauso handeln? Natürlich: Irgendwann muss aufgeräumt werden. Aber es muss nicht immer JETZT! IN! DER! SEKUNDE! sein...

4

Sei dankbar für alles, was ich für dich tue. Wir geben und ermöglichen unseren Kindern sooo viel – und, ja: Sie sollten dankbar dafür sein. Aber wir dürfen auch keine Gegenleistung erwarten. Bloß weil der Urlaub teuer war, wird dein Kind trotzdem daheim wieder nörgeln, weil es nicht weiter fernsehen darf. Du solltest übrigens auch nicht dem Irrglauben aufsitzen, dass du ein reines Geben bist, während sie nur nehmennehmennehmen. Bloß weil du im selben Zimmer mit ihnen bist, bedeutet das nicht, dass du Zeit mit ihnen verbringst. Schenk' ihnen Aufmerksamkeit. Die Belohnung in Form ihrer Freude folgt auf den Fuß. Mehr Dankbarkeit brauchst du doch gar nicht...

5

Ignorier', was zwischen Mama und Papa ist. Unsere Kinder sehen und hören mehr, als wir denken. Vor allem spüren sie alles. Wenn du glaubst, dass euer Krach und die Art und Weise, in der ihr miteinander umgeht, von den Kleinen nicht bemerkt wird, dann lebst du hinterm Mond. Wie du und dein Partner eure Beziehung führen, prägt das Leben eurer Kinder. Wenn ihr euch vor den Kindern kritisiert, wenn ihr schlecht übereinander redet oder lautstark miteinander streitet, ist es nicht mehr nur eine Sache zwischen euch beiden. Unsere Kinder lernen von uns, wie Menschen mit Konflikten umgehen und wie wir einander behandeln. Denk' lieber zweimal nach, ehe die Emotionen dich überrollen und du etwas sagst oder tust, was deine Kinder negativ beeinflussen könnte.

6

Lüg' mich nicht an. Kinder schwindeln. Denk' nur mal an deine eigene Kindheit. Hast du deinen Eltern immer verraten, wo du abends hingehst? Dass du nicht bei einer Freundin übernachtest? Dass der Test leider völlig schiefgegangen ist? Dass du rauchst oder ein Tattoo hast? Es gibt Situationen, die Kindern unangenehm sind. Oder Sachen, die sie einfach nur geheim halten wollen. Laut einer Langzeitstudie lügen Erwachsene 200mal am Tag. Da sind Höflichkeitslügen inkludiert. Wie unrealistisch wäre es, von unseren Kindern immer nur die Wahrheit einzufordern?

7

Du musst mir alles verzeihen. Du kannst nicht jedes Jahr das Laternenfest schwänzen, nicht zum Fußballtraining kommen, keine Zeit für sie haben, herumbrüllen oder heulend im Zimmer hocken - und glauben, dass dir Kinder alles verzeihen MÜSSEN, bloß weil du ihre Mutter bist. Das erhöht zwar die Toleranzgrenze. Aber sie ist nicht unendlich dehnbar. Es gibt Situationen im Leben, die sind schwierig. Ihr lasst euch scheiden, das Geld ist knapp, der Alltagsstress hoch, alles scheint über dir zusammenzubrechen. Aber trotzdem musst du versuchen, für deine Kinder das Beste daraus zu machen. So viel Stärke kannst du als Erwachsener immer noch aufbringen. Musst du aufbringen. Vermittle ihnen ein Gefühl von Normalität und dass du für sie da bist, auch wenn alles andere durcheinander gerät.

8

Mach, was ich dir sage. Am Ende des Tages lernen Kinder nicht aus dem, was wir sagen – sondern aus dem, wie wir handeln. Bei der Kindererziehung bestimmt vor allem dein Vorbild, wie sich deine Kinder entwickeln. Also geh mit gutem Beispiel voran. Deine Kinder werden keine perfekten Roboter sein – denn das bist du auch nicht. Wenn eine Situation Disziplin benötigt, dann solltest du diese auch einfordern. Aber stell' keine unrealistischen Erwartungen an sie, die nicht einmal du erfüllen könntest. Geh voran, sie folgen dir.

Thema: Erziehung

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