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Jeden Tag Sexismus: Auf dieser Webseite können Frauen sich auskotzen

Täglich geraten Menschen in unangenehme Situationen. Doch besonders Frauen werden aufgrund ihres Geschlechts diskriminiert. Auf der Webseite "The Everyday Sexism Project" werden die Erfahrungen von Frauen rund um den Globus gesammelt.

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© Photo by JoelValve on Unsplash

"Eines Tages kam ich im Winter ins Büro und zog meinen Mantel aus. Daraufhin schaute mein Boss auf meine Brust und meinte 'Kalt draußen?' Es war mir so unangenehm und ich fühlte mich fast entkleidet, trotzem lachte ich nur über den Sager, denn das ist es, was du in so einer Situation tun muss, wenn du nicht als humorlos gelten willst. Jahre später ließ ich meine Brust verkleinern. Ich sagte allen, dass es an den Rückenschmerzen lag, doch in Wirklichkeit machten mit die Schmerzen im geringsten nicht so viel aus, wie die täglichen Blicke und Kommentare über meine Brust." , schreibt eine gewisse Laura Bell im Netz.

Ihre Geschichte, so tragisch sie auch sein mag, ist nur eine von vielen auf der Webseite "The Everyday Sexism Project". Seit 2012 betreibt Laura Bates diese Seite im Netz. Bates selbst ist Autorin und Feministin, die sich schon seit langem für Frauenrechte einsetzt. Gegründet hat sie das Projekt, weil es Frauen noch immer schwer fällt über sexistische Zwischenfälle zu sprechen und über die Ungerechtigkeit, mit der sie jeden Tag konfrontiert werden.

Ein Tagebuch für alle unangenehmen Zwischenfälle

Schon ein Jahr nach dem Erscheinen der Seite, sprach Bates darüber, dass genau das bestätigt wurde, was sie sich immer gedacht hatte: Nämlich das trotz der Emanzipation, der modernen Zeit und der rechtlichen Errungenschaften immer noch jeden Tag Zwischenfälle passieren, in der eine Frau aufgrund ihres Geschlechts diskriminiert wird. Und genau das ist Sexismus: Wenn eine Person aufgrund ihres Geschlechts schlechter behandelt wird.

In den Geschichten der Frauen liest man von verbalen Zwischenfällen genauso wie von gewalttätigen und missbräuchlichen Situationen. Sie erzählen von Situationen im Freundeskreis, zuhause, mit fremden und entfernt bekannten Menschen. Anfangs lag noch ein besonderer Fokus auf dem Arbeitsleben in England, doch mittlerweile sind eben auch viele andere Geschichten aus diversen Lebensbereichen dazugekommen.

Sexistische Zwischenfälle in allen Sprachen und Ländern

Die Userinnen können entweder per Tweet oder Mail an die Administratorin herantreten, oder ihre Story direkt posten. Das geht auch auf der Muttersprache, soweit diese auf der Webseite repräsentiert ist. Im deutschsprachigen Forum sieht man zwar, dass schon länger nicht mehr über "The Everyday Sexism Project" berichtet wurde, da die letzten Einträge aus 2015 stammen, aber im allgemeinen, englischsprachigen Bereich gibt es viele aktuelle Postings.

"Vor kurzem spazierte ich einfach in der Einkaufsstraße herum, als mir ein Mann entgegenkam, der mich die ganze Zeit anstarrte. Er starrte auf meine Brust und machte dann anzügliche Gesten mit seiner Zunge. Den restlichen Tag fühlte ich mich so unwohl und aufgewühlt, dass ich nur noch im großen Pulli rausging, weil ich dachte, dann würde niemand auf mich aufmerksam werden. Die meiste Zeit wähle ich meine Outfits aufgrund Erfahrungen wie dieser..." , schreibt eine anonyme Userin.

Frauen sollen sich schützen? No!

Eine andere Userin teilt eine ähnliche Erfahrung: "Als Fraue fühle ich mich an bestimmten Orten in bestimmter Kleidung unwohl. Und das, obwohl ich mich gerne 'hübsch' anziehe, weil ich viel Sport mache und meine Erfolge besser feiern kann, wenn ich einen Rock oder ein enges Kleid trage. Aber das mache ich eben für mich und nicht, um Aufmerksamkeit auf mich zu ziehen. Dieser Zwiespalt macht mich schon seit Jahren immer wieder nervös."

Und die beiden sind nicht die einzigen, die ihren Alltag so verändert, dass sie jedem Risiko auf sexistische und gefährliche Situationen aus dem Weg geht. Frauen, die in Supermärkten arbeiten, parken so nah wie möglich am Eingang, andere gehen ihrem Boss oder männlichen Kollegen so gut sie können aus dem Weg, wieder andere haben einfach immer Pfefferspray dabei.

Jede einzelne kleine Story ist eine laute Kritik an der Gesellschaft, in der Frauen darauf schauen müssen, dass sie nicht Opfer von verbalen oder physischen Übergriffen werden. Wäre es nicht mal schön, wenn Männer einfach nicht übergriffig gegenüber Frauen sein würden? Wie man aber an den Storys auf "The Everyday Sexism Project" sieht, scheint das noch ein langer Weg zu sein...