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Ewige Liebe? Bleib' realistisch!

Gibt es die ewige Liebe? Ja! Gibt es das dauerhafte Glück? Nun, nicht ganz. Ein paar Sachen, die du über Ehe und Beziehung wissen solltest. Weil Realismus über schwere Zeiten hilft.

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Ewige Liebe? Bleib' realistisch!

Bleib' realistisch und genieß das Glück!

© Thinkstock/iStock/McMaster639

Wenn wir heiraten oder auch nur frisch verliebt sind, dann glauben wir ganz fest daran, dass dieses Glück für immer anhalten wird. Wir sind glücklich, wir lieben einander, haben großartigen Sex, dieselben Werte und Ziele.

Was also soll schief gehen?

Natürlich sagt die Logik, dass die Scheidungsquote bereits bei 50 Prozent liegt. Aber sag' das mal deinem Bauch! In unserem Glücks-Taumel können wir uns einfach nicht vorstellen, dass sich irgendein Schatten über unsere Liebe legt, dass es Situationen geben wird, an denen unsere Beziehung auf dem Prüfstand steht. Dass wir in unser Kopfkissen weinen werden und uns zwischenzeitlich nicht mehr daran erinnern können, wie es damals war, als wir...

Ja. Es gibt die ewige Liebe. Einen Menschen, den wir über alles auf der Welt lieben, mit dem wir unser Leben verbringen wollen. Aber es gibt kein dauerhaftes Glück.

Diese Aussage ist überhaupt nicht böse oder verbittert gemeint. Sondern als Anleitung, damit man die Schwierigkeiten des Beziehungs-Alltags realistischer und damit entspannter sieht.

Denn um mit einem anderen Menschen dauerhaft zusammenzuleben, braucht es Geduld und Flexibilität. Dazu den Vorsatz, Fehler schneller zu vergessen und die guten Taten länger im Gedächtnis zu behalten. Kurzum: es gibt Tiefs und Hochs, wieder Tiefs – aber tatsächlich: mit ein wenig Bemühen auch wieder ein Hoch.

Sei realistisch: Was du über Beziehungen wissen solltest

1

Bleib' ruhig, wenn es schwierig wird. Es wird der Moment kommen (vielleicht auch nur ganz kurz, wir wünschen es dir!), an dem du deine Beziehung anzweifelst. Dann führ' dir vor Augen, dass es nicht nur dir so geht. Eine Ehe oder lange Partnerschaft stellt jeden Menschen vor Herausforderungen, es gibt da keine Ausnahme. Schließlich kennt niemand die ultimativen Kniffe, niemand hat eine Anleitung oder einen Fahrplan, mit dem sich diese gemeinsame Reise problemloser gestalten lässt. Dazu treffen uns Beziehungsprobleme sehr oft unvorbereitet. Das bedeutet nicht, dass mit einem Mal ALLES an eurer Liebe falsch ist. Sondern dass Beziehungsarbeit nicht umsonst den Suffix "Arbeit" hat.

2

Der Sex verändert sich. Wenn man frisch verknallt ist, reicht oft ein Blick und man möchte in der Sekunde über den Partner herfallen. Aufgeputscht von Hormonen passiert leidenschaftlicher Sex ohne einen Hauch von Anstrengung. So. Und nun addiere ein paar Jährchen, ein paar Kinder und zwei Karrieren dazu – schon geht der Thrill automatisch verloren. Wir sind froh, wenn wir abends durchs TV-Programm zappen oder früh schlafen können. Richtig: Das Neue, das Spannende und Aufregende geht mit den Jahren verloren. Das bedeutet aber nicht, dass der Sex aus der Partnerschaft vollends ausgeklammert ist oder langweilig wird. Er verändert sich nur eben – und du dich mit ihm. Wärme und Vertrauen bilden nun die Plattform für Verlangen und Leidenschaft. Den Extra-Pfeffer müsst' ihr nun eben auf kreativere Weise nachwürzen.

3

Glaub' nicht, dass immer alles fair sein muss. Das Leben ist nicht gerecht. Warum sollte es also eine Beziehung sein? Muss wirklich immer alles 50:50 geteilt werden (der Urlaub, die Einkäufe, die Kinderbetreuung, der Haushalt, die kleinen Erledigungen)? Auch dass man sich immer auf halbem Weg entgegenkommen muss: Eine unrealistische Idealvorstellung. Wer will schon sein Leben lang auf- und gegenrechnen, wer wem wie viel schuldet? Spielt es wirklich eine Rolle, ob du bereits zweimal den Müll runter gebracht hast? Oder er die Kinder einmal öfter zum Fußball gefahren hat? Wie wäre es mit einem anderen Ansatz? Nämlich dem, dass wir uns einfach nur bemühen, großzügig zu sein. Die glücklichsten Paare legen mehr Wert darauf, was sie dem jeweils Anderen geben, als was sie zurückbekommen. Am Ende, so platt das auch klingt, sind Geben und Nehmen ein- und dasselbe.

4

Lerne verzeihen. Du wirst im Laufe eurer Beziehung eine Menge Fehler machen. Es wird Missverständnisse geben. Themen, die schlummern, aber nicht angesprochen werden. Du wirst manchmal laut werden, ungeduldig, ungerecht und genervt sein, über den anderen hart urteilen. Das ist menschlich, wir alle sind manchmal spinnert. Warum also erwarten wir, dass unser Partner fehlerfrei ist? Vielleicht sollten wir eher lernen,uns schneller für Fehler zu entschuldigen – und dem anderen die seinigen eher verzeihen. Entwickeln wir doch besser eine Strategie, wie wir unsere Fehler wieder gutmachen und dem anderen so die Möglichkeit zur Versöhnung geben können.

Ihr seid zwei Menschen, mit unterschiedlichen Ideen und Vorstellungen. Gerade deshalb habt ihr euch doch ineinander verliebt
5

Ihr seid eben verschieden. Du bist überpünktlich – er kommt regelmäßig zu spät. Es wird immer Momente geben, in denen dir sein Verhalten nicht schmeckt. Du hast zwei Möglichkeiten: Entweder, du flippst aus. Oder du lernst, wie du damit umgehst. Denn wesentlich ändern wirst du an seinem Wesen nichts. In seine Eigenarten und Besonderheiten hast du dich damals ja auch verliebt, nicht wahr?

6

Was ärgert dich eigentlich wirklich? Manche Aktionen, die dein Partner liefert, treiben dich auf die Palme. Wie er schmatzt. Manchmal ins Leere starrt. Wie er jedes Mal vergisst, die Rechnung für den Kindergarten zu zahlen oder er dir zum vierten Mal dieselbe Geschichte erzählt. Aber hast du dir schon mal überlegt, warum dich das so wütend macht? Nicht alles, was dich an deinem Partner nervt, macht er dir zufleiß. Bedeutet seine Vergesslichkeit wirklich, dass er sich nicht um dich kümmert? Sein Blick ins Narrenkastel, dass ihn nicht interessiert, was du erzählst? Je emotionaler du reagierst, desto eher ist die Wahrscheinlichkeit, dass es sich beim Ursprung deines Ärgers eigentlich um ein ungelöstes Thema aus deiner Kindheit handelt. Einen Rucksack, den du trägst – den aber auch nur du von deinen Schultern nehmen kannst.

7

Ihr habt eine Partnerschaft, keine Symbiose. Viele Paare glauben, dass ihre Beziehung nur dann glücklich ist, wenn sie alles miteinander unternehmen, keine Sekunde voneinander getrennt sind. Doch dieses symbiotische Verhalten funktioniert nicht dauerhaft. Denn Menschen entwickeln sich weiter, haben eigene Träume und Vorstellungen. Nicht immer kann der Partner dabei Schritt halten. Merkt man, dass der Geliebte einen Entwicklungssprung macht, dann wird das gerade in einer symbiotischen Beziehung als plötzliche Entfremdung empfunden. Auf einmal kann man nicht mehr an allem teilhaben, fühlt sich zurückgesetzt und reagiert mit Klammern oder Distanz. Teilt vieles – aber behaltet euer eigenes, erfülltes Leben, in dem es auch schöne Momente OHNE den Partner geben kann. Glückliche Paare behaupten nicht, dass der Andere ihre "bessere Hälfte" ist oder sie "vervollständigt". Sie wissen, dass man manchmal einen Schritt nach vor oder zurück machen muss, um den Partner wieder in seiner Gesamtheit zu schätzen.