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Ex-„Germany’s Next Topmodel“-Kandidatin Miriam Höller im WOMAN-Interview

Stuntfrau Miriam Höller nach dem Rausschmiss bei „Germany’s Next Topmodel“ im Interview über Fast Food, Hormontherapien und Fallschirmspringen.


Ex-„Germany’s Next Topmodel“-Kandidatin Miriam Höller im WOMAN-Interview
© Antoine Verglas

Miriam Höller im ungekürzten Interview wie sie leibt und lebt. Von Diäten hält die 22-Jährige genau so wenig wie von Haartönungen und Make up. Mit ihrer frechen Art hat sie aber nicht nur die Herzen der Zuseherinnen erobert, sondern auch bei einigen Castings überzeugt (Hintergrundsszenen vom Reebokshooting auf www.rebok.com ). Uns verriet sie, wie es jetzt bei ihr weitergeht.

WOMAN: Sie haben mit 91–63–89 Traummaße. Gibt es auch etwas an Ihrer Figur, das Sie stört?

Höller: Manchmal nerven mich meine langen Beine – wenn ich coole Klamotten sehe und die mir dann einfach zu kurz sind.

WOMAN: Hatten Sie denn je ernsthafte Figurprobleme?

Höller: Als Kind musste ich eine Wachstumsstopp-Hormontherapie machen, da der Arzt ausgerechnet hatte, dass ich 198 cm groß werden würde. Durch die vielen Hormone, die ich über ­einen längeren Zeitpunkt nehmen musste, habe ich ca. 10 kg zu­genommen. Leider konnte ich nicht wirklich etwas dagegen machen. An dem Tag, als ich die Medikamente abgesetzt habe, habe ich mit einem eisernen Fitnesstraining begonnen, und das habe ich jeden Tag durchgezogen. So habe ich in kürzester Zeit mein früheres Gewicht wiedererlangt.

WOMAN: Und Diäten sind ein Fremdwort für Sie?

Höller: Klar! Ich halte nichts von Selbstgeißelung. Ich würde mich nie zwingen lassen, viel abzunehmen, nur um einen Job zu bekommen. Das ist ja das Schöne: Je mehr Sport man macht, umso mehr kann man auch essen.

WOMAN: Auch Fast Food?

Höller: Ich bin viel unterwegs und hasse es, in der Küche zu stehen. Von daher kommen mir Schnellrestaurants sehr gelegen. Dass es natürlich so ungesund ist, ist ein bisschen blöd, aber schmecken tut es trotzdem, und deswegen sieht man mich schon mal öfter dort...

WOMAN: Wie schaut bei Ihnen die Ernährung, über den Tag verteilt, aus?

Höller: Ich esse fünfmal am Tag. Das Frühstück ist das Wichtigste: Müsli, Vollkornbrot mit Nutella, Ei, Obst. Ich trinke keinen Kaffee, eher Milch oder Saft. Dann eine Kleinigkeit zwischendurch, einen Müsliriegel oder einen Apfel. Mittags versuche ich darauf zu achten, nicht zu viel Fleisch zu essen, eher Fisch mit Kartoffeln. Dann wieder eine Kleinigkeit zwischendurch und abends etwas, das nicht zu sehr im Magen liegt.

WOMAN: In sportlicher Hinsicht haben Sie ja eher ausgefallene Angewohnheiten: Fallschirmspringen, Tauchen, Wake- und Snowboarden oder Klettern gehören zu Ihren Lieblingssportarten. Was war das verrückteste Erlebnis, das Sie auf dem Gebiet bisher hatten?

Höller: Ich wurde von einem Braut- und Abendmode-Designer gebucht, um Werbeaufnahmen für seine aktuelle Kollektion zu machen. Er wollte nicht nur schöne Bilder für seinen Katalog, sondern richtig ausgefallene, um mit einem Eyecatcher seine Kunden zu faszinieren. Wir haben gemeinsam am Konzept getüftelt und uns dann auf eine Kampagne unter dem Motto „Mode im freien Fall“ geeinigt.

WOMAN: Was kann man sich darunter vorstellen?

Höller: Im Abendkleid aus einem Flugzeug zu springen und das Kleid bei 200 km/h noch gut aussehen zu lassen. 4.000 Meter über der portugiesischen Algarveküste sprang ich dann mit dem Fotografen abseits jeglicher Sicherheitsvorkehrungen – ohne Schuhe, ohne Helm und ohne Sportbekleidung –, stattdessen mit einem eleganten schwarz-roten Tüll-Abendkleid aus dem Flieger. Nach dem anstrengenden Shooting-Tag war das Kleid von den hohen Geschwindigkeiten völlig zerfetzt und ich einfach nur froh, dass alles reibungslos geklappt hat. Wenn das Ergebnis nachher richtig toll ist, kann man auch mal etwas mehr riskieren.

WOMAN: Welche Extremsportart würden Sie noch gerne lernen?

Höller: Ich würde gerne Autorennenfahren und Jetfliegen lernen.

WOMAN: Wieso das denn?

Höller: Wenn ich im absoluten Adrenalinrausch bin, geht es mir einfach gut. Ich habe Lust, mich immer wieder neuen Her­ausforderungen zu stellen und meine Grenzen auszutesten. Geschwindigkeit ist eine meiner größten Leidenschaften. Bis ich allerdings einen Jet fliegen kann, wird es wohl noch etwas dauern, aber das Autofahren klappt schon ganz gut...

WOMAN: Gibt es diesbezüglich schon genauere Pläne?

Höller: Leider suche ich mir immer sehr zeitaufwendige und vor allem teure Sportarten aus. Wenn ich etwas lernen will, dann richtig und nicht nur halbherzig. Um Autorennen fahren zu können, braucht man gute Sponsoren und jede Menge Zeit. Die hab ich leider nicht, und so konzentriere ich mich lieber mehr auf meine Sportarten und warte auf einen Rennfahrer, der mir sein Auto schenkt (lacht) .

WOMAN: Und wo sind Ihre Grenzen, welcher Sport wäre auch Ihnen zu extrem?

Höller: Hmm, bisher habe ich noch nichts ausprobiert, was mir zu heftig war. Für mich kann es nie zu schnell, zu hoch oder zu weit sein.

WOMAN: Was bringt Ihnen dieser Adrenalinkick?

Höller: Ich fühle mich richtig super, wenn ich mit Schürfwunden, blauen Flecken und Muskelkater abends ins Bett falle. Da weiß ich, ich hab richtig was getan. Jedes mal auf´s Neue bekomme ich mehr Lebensenergie. Alles um uns herum besteht aus verschiedenen Energien, ob positiv oder negativ. Wenn man aber ein extremes, grenzwertiges Erlebnis hinter sich hat, könnte man die folgenden Tage Bäume ausreißen.

WOMAN: Eigentlich sind Sie ja auch gelernte Sport- und Fitnesskauffrau...

Höller: Für mich war es wichtig, eine fundierte Ausbildung zu haben, auf die ich immer zurückgreifen kann, wenn mir etwas Schlimmes im Stuntberuf passieren sollte und ich diesen dann nicht mehr ausüben kann. Außerdem ist der Beruf Stuntman nicht staatlich anerkannt, von daher macht sich eine „vernünftige“ berufliche Ausbildung besser in einem Lebenslauf.

WOMAN: Aber Sie üben den erlernten Beruf nicht aus!?

Höller: Ich habe einfach schnell gemerkt, dass ich unterfordert war und mir keine 9-to-5-Jobs liegen. Ich bin ein Arbeitstier, das sich gerne auspowert und viel Energie in Projekte steckt. Ich arbeite lieber mit vielen Menschen und an der frischen Luft. Eben alles, was mit Action und Sport zu tun hat.

WOMAN: Wie kommt man eigentlich auf die Idee Stuntfrau zu werden?

Höller: Der Wunsch war aber schon viel früher da. Ich war immer schon ein Mädchen was „mit anpackt", sich gerne schmutzig macht und sich über eine gebrochene Nase oder schlimme Schürfwunden tot lacht. Wenn man dann noch Actionfilme liebt und sich nichts mehr wünscht, als eine Darstellerin zu sein, die brennend unter einem Helikopter hängt und von da aus ins Meer springt, dann liegt der Beruf nicht mehr so fern. Man muss schon wirklich den Job lieben und aus voller Überzeugung machen, um den geistigen und körperlichen Herausforderungen stand halten zu können.

WOMAN: Mir erscheinen Sie auch eher als die Wilde, mit der man beim Wirt um die Ecke ein Bier trinken geht und einen spaßigen Abend verbringt, als ein klassisches Model – wie sehen Sie das?

Höller: Ich hab mich vor „Germany’s Next Topmodel“ nie um Nägel, Haare oder Handtaschen gekümmert. Für mich waren immer andere Dinge interessanter und wichtiger, als sich über neue Haartönungen und Make-up zu unterhalten. Aber durch die Sendung habe ich auch meine weibliche Seite entdeckt, die mir sehr gut gefällt.

WOMAN: Was erwarten Sie nun nach „Germany’s Next Topmodel“?

Höller: Ich versuche immer, meine Erwartungen so klein es geht zu halten, weil man dann später nicht enttäuscht ist, wenn es nicht funktioniert. Ich fände es aber toll, wenn eine neue Sparte des Modelns erkannt würde und man Menschen mit ganz neuen Ideen begeistern könnte. Wieso nicht ein Model zeigen, das brennend über den Laufsteg läuft, oder eine Kampagne, in der Sportschuhe im freien Fall gezeigt werden?

WOMAN: Und das wäre genau Ihr Ding, nehme ich an...

Höller: Ja. Ich möchte viel arbeiten und tolle Jobs bekommen. Vor allem werde ich weiter meinen Plan verfolgen, den Actionbereich mit dem Stuntbereich zu verbinden. Es gibt mit Sicherheit viele Kunden, die Interesse an einer Frau haben, die mehr kann, als nur nett über den Laufsteg zu gehen.

WOMAN: Wie ist es Ihnen beim Reebok-Shooting mit den Easy Tones gegangen? Da diese Schuhe eine instabile Sohle haben, muss man dabei ja ständig ausbalancieren...

Höller: Das war ungewohnt. Es hat aber viel Spaß ­gemacht. Nur dass man davon auch einen Muskelkater bekommt, hätte ich nicht gedacht!

WOMAN: Haben Sie zuvor schon einmal ähnliche Schuhe probiert?

Höller: Ich hatte sogar einmal Schuhe, um meinen Rücken zu trainieren und die Haltung zu verbessern. Aber die sehen furchtbar aus, wie riesige Gesundheitslatschen. Seit ich die Easy Tones habe, die wie normale Sportschuhe aussehen, stehen meine alten Dinger verstaubt in der Ecke.

WOMAN: Ich nehme an Sie durften die Easy Tones behalten – wie oft und wann tragen sie diese jetzt?

Höller: Meistens ziehe ich sie im Alltag an, beispielsweise wenn ich lange Shoppingtouren mit einer Freundin vor habe.

WOMAN: Beim Reebok-Shooting wurden Sie unter anderem auch wegen Ihres schönen Pos und Ihrer schönen Beine ausgewählt. Wie halten Sie sich fit?

Höller: Ich fahre oft mit dem Rad – Mountainbike und Rennrad. Aber ich klettere und schwimme auch. Die Grund­fitness bekomme ich durch Krafttraining mit Gewichten. Aber dafür muss ich mich oft selbst motivieren, da mir meine Funsportarten wie Fallschirmspringen, Tauchen, Motocross bzw. Supermoto, Snowboarden, Wakeboarden oder Schlammfootball viel mehr Spaß machen.

WOMAN: Wie motivieren Sie sich dann zum Training?

Höller: Ich habe Action-DVDs, auf denen die abgefahrensten Sportarten und deren Freaks vorgestellt werden. Es fasziniert mich immer wieder, wie man einen menschlichen Körper an seine Grenzen bringen kann. Dafür braucht man aber eine bestimmte Grundfitness, und da ich auch immer weiter kommen möchte, spornen mich diese Aufnahmen total an!

WOMAN: Wie schaut das tägliche Training aus?

Höller: Ich fahre mit dem Bike zum Fitnessstudio und powere mich beim Krafttraining richtig aus. Bauch, Rücken, Beine, Po usw.. Am Wochenende gehe ich dann meistens zum Fallschirmspringen. Bei schönem Wetter fahre ich durch die Wälder mit meinem Motorrad Richtung Windtunnel und arbeite an meinen Flugkünsten. Je nach Wetterlage, persönlicher Stimmung und Lust suche ich mir meine Sportarten aus. Egal was, Hauptsache immer was tun und in Bewegung bleiben.

WOMAN: Verstehe. Wie sehen das Ihre Freunde? Wie würden diese Sie beschreiben?

Höller: Mir wurde mal gesagt: „Mensch, Miri, für dich ist Pferdestehlen viel zu langweilig, du schleichst dich lieber in den Zoo ein und reitest auf Giraffen.“ Meine Freunde wissen, dass es mit mir nie langweilig wird. Aber auch wenn ich mal wirklich gebraucht werde, bin ich da!

WOMAN: Sie betreuen auch behinderte Kinder, die in der Karibik mit Delfinen schwimmen – wie sind Sie dazu gekommen?

Höller: Ich habe ein wirklich turbulentes Leben, bin viel unterwegs, sehe tolle Sachen auf der Welt und genieße jeden Tag aufs Neue. Natürlich habe ich dann auch mal Momente in denen man runter kommt und sieht, dass es Menschen gibt, die all das nicht erleben können. Ich finde es umso wichtiger, dass gesunde Menschen ein Teil von ihren vollen Akkus an die Menschen abgeben, die es benötigen. Mein Job besteht auch aus Shows und Theater. Es ist nicht einmal die Darstellung die ich liebe, viel mehr erfreue ich mich an den begeisterten Gesichtern und strahlenden Kinderaugen im Publikum. Es ist ein schönes Gefühl etwas für andere Menschen zu tun. Vor allem geistig oder körperlich eingeschränkte Kinder und auch Erwachsene geben einem in kleinen Momenten ganz viel wieder zurück.

Redaktion: Eva Jankl