Ressort
Du befindest dich hier:

Experten warnen vor Hitze-Schlaganfällen

von

Experten warnen vor Hitze-Schlaganfällen

Experten warnen vor Hitze-Schlaganfällen

© APA/HANS PUNZ

An den heißesten Tagen des Jahres steigt auch die Zahl der Patienten, die mit Schlaganfällen ins Krankenhaus kommen. Das Risiko für solche akut lebensbedrohenden Akuterkrankungen steigt während sommerlicher Hitzewellen vor allem durch Flüssigkeitsmangel, warnte am Mittwoch die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft (DSG).

"Die trockene Hitze kann vor allem für Ältere und für Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen ein erhöhtes Risiko für einen Schlaganfall bedeuten. Die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) rät deshalb dringend, dass sich die Risikogruppen bei diesem Wetter vermehrt in kühlen Räumen aufhalten und unbedingt ausreichend trinken sollten. Sie sollten zudem auch auf Warnsignale wie beispielsweise einen schnelleren Herzschlag, Luftnot oder die typischen Schlaganfallzeichen - zum Beispiel auf plötzliche halbseitige Schwäche, Seh- oder Sprachausfall - achten", schrieben die Experten.

Bei der häufigsten Schlaganfallform, dem ischämischen Schlaganfall, kommt es zu einer durch einen Thrombus hervorgerufenen Verstopfung eines gehirnversorgenden (Blut-)Gefäßes, sodass das umliegende Gewebe nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird. Dann geht Hirngewebe zugrunde. Bleibende Schäden sind häufig. "Die klinische Erfahrung und wissenschaftliche Studien der vergangenen Jahre zeigen, dass diese Form des Schlaganfalles im Zusammenhang mit der Wetterlage steht", erklärte Wolf-Rüdiger Schäbitz, Pressesprecher der DSG. "Hitze führt gerade bei älteren Personen, die sowieso häufig zu wenig trinken, zu einen relativen Flüssigkeitsmangel und erhöht damit die Zähflüssigkeit des Blutes. In der Summe erhöht sich damit das Risiko vor allem für ischämische Schlaganfälle."

Da eine schnelle Diagnose bei einem Schlaganfall entscheidend für das weitere Leben des Patienten ist, sollte jeder Mensch den FAST-Test kennen: Hinweise auf das mögliche Vorliegen eines solchen Insults zeigen sich im Gesicht (Face), Beweglichkeit der Arme (Arm), in der Sprache (Speech) sowie im plötzlichen Auftreten von Symptomen (Time). "Hat der Betroffene einen herabhängenden Mundwinkel? Kann er beide Arme gleichmäßig heben? Hat er eine Sprachstörung oder kann er einfache kurze Sätze nicht klar wiederholen?", formulierte die Fachgesellschaft die einfachen Kriterien. Im Fall des Falles sollte sofort ein Notarzt alarmiert werden. Binnen weniger Stunden gibt es nämlich die Möglichkeit zur medikamentösen Auflösung eines Blutgerinnsels im Gehirn oder für eine Katheterintervention. Das kann potenziell lebensrettend sein und Invalidität verhindern.

Allerdings können ein Flüssigkeitsmangel, die Austrocknung des Körpers und daraus resultierende Symptome wie Apathie, Sprachstörungen, Anfälle und Kreislaufkollapse einen Schlaganfall auch nur vortäuschen. Eine Rehydrierung kann dann schnell wieder zu einer Besserung und Normalisierung der Symptomatik führen. Aber ob nicht doch ein Schlaganfall vorliegt, das muss möglichst schnell ärztlich abgeklärt werden.

"Wir raten daher älteren Menschen und Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen dringend, sich vor der Hitze zurückzuziehen, die Wohnungen nachts zu lüften und tagsüber mit Rollläden zu schützen, und vor allem ausreichend zu trinken", schrieb die deutsche Fachgesellschaft. Die DSG empfiehlt, täglich mindestens 1,5 bis zwei Liter Flüssigkeit zu sich zu nehmen und auf Alkohol zu verzichten. Außerdem ist leichte Kost zu empfehlen, Joghurt, Obst und Gemüse, bevorzugt Fisch anstatt Fleisch. "Bewegen Sie sich ausreichend, aber passen Sie Ihre aktiven Phasen der Hitze an - kein Sport in der Mittagshitze, halten Sie lieber Siesta in der heißesten Zeit des Tages oder tragen Sie eine Kopfbedeckung, wenn Sie nach draußen müssen." Besonders gefährdete Menschen sollten vor dem Sommer mit ihrem Arzt über Hitze und eine mögliche Anpassung ihrer Medikation sprechen. "Achten Sie auch auf alte alleinstehende Nachbarn", so Schäbitz abschließend.