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Experteninterview: Botox - Fluch oder Segen?

Hollywood + Botox = Geisterbahn. Wir wollten von der Expertin wissen: Ist Botox böse? Welcher Promi ist kaum sichtbar gebotoxt – und wer hat völlig übertrieben?

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Nicole Kidman Botox

Nicole Kidman (l.) ist ein Negativ-Beispiel. Naomi Watts setzt natürliche Korrekturen

© Getty Images 2013. Picture by Jason Merritt.

Immer wieder sind wir schockiert, wenn ein einst wunderschöner Hollywood-Star mit starrer Grimasse auf dem roten Teppich defiliert. Jüngstes Beispiel: Die erst 35 Jahre alte Katherine Heigl (bekannt aus Grey's Anatomy ). "Sie war vorher so hübsch - warum machen das alle Stars? " postete eine unserer Leserinnen daraufhin. !

Ja, warum eigentlich? Ist es die Sucht nach Perfektion, der Wunsch nach ewiger Jugendlichkeit? Nachvollziehbar. Aber warum wird oft so heftig übertrieben? Kaum verwunderlich, wenn Botox bei vielen auf Ablehnung trifft? Wir haben mit Frau Mag. Dr. Elke Janig vom Kuzbari - Zentrum für ästhetische Medizin in Wien über das umstrittene Thema "Botox" gesprochen.

»Es hat Wirkung auf die Umwelt, wenn man die Menschen anstrahlt, weniger zornig oder böse aussieht.«

WOMAN: Die Meinungen beim Thema „Botox“ gehen stark auseinander. Viele lehnen Botox ganz klar ab. Was ist der Hauptgrund dafür?
Dr. Janig: Für die Ablehnung gibt es zwei Gründe: Der eine ist die Benennung des Proteins als „Nervengift“. Alleine das Wort schreckt ab. Ich habe schon viele interessante Statements dazu gehört, dass es z.B. ein Schlangengift sei. Tatsächlich ist Botulinumtoxin eine Substanz, die von einem Bakterium gebildet wird, sich an die Muskelrezeptoren setzt und dadurch die Übertragung des motorischen Nervenimpulses hemmt. Es wird vom Körper wieder abgebaut, weshalb der Effekt nur ca. 3-6 Monate anhält. Die Dosis macht das Gift – so ist es auch mit Botox. Die Dosen, die wir in der ästhetischen Medizin verwenden sind so gering, dass man damit niemanden gefährden kann.
Der zweite Grund für die Skepsis sind sicher die Fotos einiger Stars, deren Gesichter zu einer Grimasse erstarrt, die durch plastisch-chirurgische Eingriffe unansehnlich geworden sind. Es gibt nun mal Menschen, die sich so stark verändern wollen, dass das eigentliche „Ich“ kaum noch erkennbar ist. Und dann gibt es offensichtlich auch Ärzte, die dabei mitspielen (aus welchen Gründen auch immer). In den USA und Brasilien möchten die Menschen eher "verändert" werden. In Europa soll niemand erkennen, dass etwas gemacht wurde. Meine Patienten etwa möchten allesamt eine Behandlung, die natürlich aussieht. Das bekommen wir auch mit Erfahrung und der richtigen Technik auch gut hin!

WOMAN: Bei welchem Promi sieht Botox richtig gut aus?
Dr. Janig: Ein gutes Beispiel ist für mich Naomi Watts. Sie hat ein strahlendes Gesicht und für 45 Jahre kaum Falten oder andere Alterserscheinungen. Um einem natürlichen, harmonischen Look zu bewahren, ist es besonders wichtig, die gesamte Haut zu pflegen. Wenn beispielsweise die Stirnfalten mit Botox gut in Schach gehalten werden, aber gleichzeitig Altersflecken auf ein anderes Alter hinweisen, ist das Bild nicht stimmig. Oder wenn das Gesicht superjung aussieht, aber Hals und Handrücken das wahre Alter gnadenlos verraten. Bei Naomi Watts ist das Bild stimmig, außerdem hat sie auf den meisten Fotos eine positive Ausstrahlung mit Lachfalten, was das Bild perfektioniert.

Naomi Watts Botox
Naomi Watts (45) steht dazu Botox zu verwenden!

WOMAN: Kann Botox wirklich gefährlich sein? Welche Gefahren und Risiken gibt es denn?
Dr. Janig: Es gibt Berichte von illegalem Botox, das aus dubiosen Quellen kommt. Manche Flaschen enthalten gar keine Wirkstoffe, sind also Placebos. Manche enthalten gefährlich hohe Mengen oder sind verunreinigt. Deshalb: Finger weg von unseriösen Anbietern! Kauft man aber ein legales Produkt in Österreich, ist man auf der sicheren Seite. In Österreich ist mir bisher kein einziger Todesfall durch Botulinumtoxin nach einer ästhetischen Behandlung bekannt. Außerdem wird Botulinumtoxin seit den 80er-Jahren bei Kindern und Säuglingen erfolgreich bei Muskelspasmen eingesetzt wird – die dort verwendeten Dosen sind sogar höher als die, welche für eine Gesichtsbehandlung bei einer erwachsenen Frau verwendet werden. Auch bei diesen Kindern sind keine Langzeitschäden beschrieben.

WOMAN: Ab welchem Alter ist es legitim, sich mit Botox behandeln zu lassen?
Dr. Janig: Nach dem neuen Ästhetikgesetz ist eine Behandlung mit Botox aus ästhetischen Gründen ab dem 18. Lebensjahr erlaubt. Die meisten fangen mit 30 oder 35 Jahren an. Tatsächlich ist es –wenn man sparen will - sogar ratsam, präventiv früher zu beginnen. Dann entstehen Falten erst gar nicht in voller Ausprägung. Durch die regelmäßige Behandlung werden die Muskeln, die für die negative Mimik zuständig sind, nicht trainiert. Dann muss weniger gespritzt werden und auch die Abstände zwischen den Behandlungen werden länger.

»Seitdem ich gebotoxt bin, lache ich viel mehr!«

WOMAN: Was sind die beliebtesten Botox-Stellen?
Dr. Janig: Bei Zornesfalte, Stirnfalten und Krähenfüßen ist Botulinumtoxin definitiv Nr.1. Die Indikation ist perfekt, weil es sich um mimische Falten handelt. Meine Patienten lieben es, weil man die negative Mimik reduzieren kann, und die positive verstärkt. Ich höre oft: „Früher dachten die Leute oft, dass ich zornig bin, obwohl ich doch gut aufgelegt war. Seit der Botoxbehandlung sagt das keiner mehr!“

WOMAN: Für wen kann Botox ein Segen sein?
Dr. Janig: Man darf nicht unterschätzen, welche Wirkung es auf die Umwelt hat, wenn man die Menschen anstrahlt, weniger zornig oder böse aussieht. Das reflektiert oft zurück und führt zu einer positiven Verstärkung. Es gibt hierzu auch interessante Studien mit Botulinumtoxin zur Behandlung der Depression.
Und dann möchte natürlich jeder gut aussehen. Der Effekt hält ca. 4 Monate an, abhängig von der Dosis, der behandelten Stelle ... und natürlich ist die Dauer des Abbauvorganges auch individuell unterschiedlich.

Expertin: Mag. Dr. Elke Janig

Wenn du Fragen an Expertin Mag. Dr. Elke Janig hast – Infos findest du auch unter www.kuzbari.at!