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Facebook: Gewalt gegen Frauen

Nackt geht gar nicht, geknebelt schon. Im Kampf gegen Facebook -Gruppen, die Gewalt gegen Frauen verherrlichen, wurde jetzt ein Sieg erreicht.

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Facebook: Gewalt gegen Frauen

Facebook: Die Anti-Gewalt-Kampagne zeigt Wirkung

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Die Bilder sind so grauenhaft, dass sich jedem normal denkenden Menschen der Magen umdreht. Frauen mit blauen Flecken im Gesicht, blutigen Lippen, geschwollenen Augen. "Domestic Violence – Don't make me tell you twice" (zu deutsch: "Häusliche Gewalt – Wehe, ich muss es dir zweimal sagen") ist der Name von nur einer der zahlreichen Facebook -Gruppen, in denen Gewalt gegen Frauen verherrlicht wird.

Und es geht noch widerlicher: "Tape her and rape her" ("Fessle und vergewaltige sie") oder "Violently Raping your Friend Just For Laughs" ("Vergewaltige deine Freundin nur zum Spaß") sind weitere Seiten, die die Aktivistengruppe Women, Action and the Media anprangert.

Mit einem öffentlichen Brief in der Huffington Post (hier die deutsche Übersetzung) und unter dem Twitter-Hashtag #fbrape starteten die Aktivistinnen eine Kampagne, in der sie gegen sexistische und gewaltverherrlichende Gruppen im "sozialen" Netzwerk mobil machen.

#fbrape: Hashtag gegen Sexismus auf Facebook

Die Forderungen der Aktivistinnen gegenüber Facebook : sexistische Hasstiraden und frauenverachtende Darstellungen sollen genauso behandelt werden, wie rassistische, homophobe, islamophobe und antisemitische Inhalte. Solche Seiten verbietet Facebook schon jetzt und geht Verstößen rigoros nach. Mehr noch: Facebook indiziert Bilder stillender Mütter als pornographisch, löschte neulich sogar Fotos von Frauen nach einer Brust-Amputation oder die Seiten der feministischen Femen-Gruppen.

Anders verhält es sich bei sexistischen Kampagnen gegen Frauen. Hier, so die Initiatorinnen, reagiere Facebook in den seltensten Fällen oder erst dann, wenn Medien über derlei Gruppen berichteten. Ihr Fazit: "Unbekleidete Frauenkörper scheinen nur dann akzeptabel, wenn Frauen als Sexobjekt oder Gewaltopfer abgebildet werden. Facebook ist ein soziales Netzwerk mit gewaltigem Einfluss. Bei gewaltverherrlichenden und sexistischen Seiten reicht anscheinend ein Disclaimer, dass die Inhalte lustig gemeint seien und alles ist erlaubt. Und das in einer Welt, in der 70 Prozent aller Mädchen und Frauen einmal in ihrem Leben mit Gewalt oder sexueller Belästigung konfrontiert werden."

Erste Erfolge

Viele der beanstandeten Facebook -Gruppen sind seit Start der Kampagne, die nur eine Woche nach Start mehr als 50.000 Tweets unter dem Hashtag #fbrape verzeichnete, nicht mehr erreichbar – nur der Google Index weist sie noch als Treffer aus. Einen viel größeren Sieg in Hinblick auf ein Umdenken seitens Facebook konnte Women, Action and the Media jedoch jetzt verzeichnen.

Geht es um die Werbekunden, reagiert Facebook schnell

Denn um mehr Druck auf Facebook aufzubauen, wandten sich die Aktivistinnen auch an die Anzeigenkunden. Via Twitter versandten sie Screenshots der angeprangerten Seiten an die Firmen, deren Anzeige neben dem Bild sichtbar waren. Zu den Adressaten gehörten bekannte Marken wie Dove, Pringles oder American Express . Zahlreiche Unternehmen wie etwa Nissan folgten der Aufforderung zum Werbe-Boykott. Genügend, um das Social Network einknicken zu lassen.

Marne Levine, Vice President für Global Public Policy bei Facebook in einem offiziellen Statement auf dem Firmen-Blog: "Es ist uns klar geworden, dass unsere Kontrollsysteme, um Hass-Reden zu erkennen und zu entfernen, nicht so effektiv funktionieren, wie wir das gerne hätten, insbesondere wenn es um geschlechterspezifischen Hass geht."

Künftig will Facebook verhindern, dass Werbung neben gewaltverherrlichenden oder frauenverachtenden Inhalten erscheint. Das neue Verfahren startet ab sofort. Allerdings müssen die Kontrolleure zuerst manuell über die Einhaltung der neuen Richtlinien wachen. Später soll der Prozess automatisiert ablaufen.

Themen: Sexismus, Porno