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Facebook will Sex in jeder Form verbannen

"Ich will heute Nacht noch Spaß haben" - Aussagen wie diese können künftig gemeldet und sofort gelöscht werden. Das gilt nicht nur für öffentliche Postings, sondern auch für private Chats.

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Facebook will Sex in jeder Form verbannen
© Photo by Charles Deluvio on Unsplash

Kolumbianische Facebook-Nutzerinnen und -Nutzer kennen sie bereits: Die neue Dating-Funktion von Facebook. Im Lichte dieses Pilotversuchs wirken die neuesten Entwicklungen bei den Gemeinschaftsstandards des sozialen Netzwerks noch ein bisschen eigenartiger. Denn während man einerseits offenbar daran arbeitet Facebook zu einer Dating-Plattform auszubauen, arbeitet man andererseits daran, Facebook komplett "sexfrei" zu machen.

Wie das gehen soll? Eben durch eine neue Regel in den Gemeinschaftsstandards, wie die Plattform netzpolitik.org in einem aktuellen Artikel thematisiert. So besagt die Regel, dass jegliche Form der "sexuellen Kontaktaufnahme" auf der Plattform untersagt ist. Nun erscheint es relativ schwierig, festzulegen, was als sexuelle Kontaktaufnahme gilt. Konkret heißt es, dass folgende Inhalte untersagt sind: „Koordinierungs- oder Anwerbeversuche für sexuelle, nicht jugendfreie Handlungen wie gefilmte sexuelle Handlungen, pornografische Handlungen und erotische Tänze oder Massagen“.

"Sexualisierter Slang" verboten

Aber es wird noch absurder, denn im Folgenden wird noch weiter ausgeführt, was alles als "sexuelle Kontaktaufnahme" vestanden werden kann:
- Das Anbieten von oder Anfragen nach Sex oder Sexualpartnern , Sexchats oder -unterhaltungen und Nacktbildern . (Das heißt, dass ich auch in einem privaten Chat, nicht so etwas wie "ich möchte heute Nacht noch Spaß haben" schreiben dürfte.)
-"Sexualisiserter Slang"
- Sexuelle Andeutungen wie die Erwähnung sexueller Rollen, Stellungen oder Fetischszenarien, Inhalte (von Hand gezeichnet, digital oder echte Kunstobjekte), die explizite sexuelle Handlungen oder eine bzw. mehrere anzüglich positionierte Person(en) zeigen oder zu zeigen scheinen
- Ebenso Angebote von oder Anfragen nach anderen nicht jugendfreien Handlungen wie kommerzielle Pornografie oder Partnern mit denselben Interessen an sexuellen Fetischen
- Explizit sexuelle Sprache , die über das bloße Nennen oder Erwähnen eines Zustands sexueller Erregung oder eines Geschlechtsakts hinausgeht.

Hintergrund: Schwammiges US-Gesetz?

Klingt absurd, Facebook scheint es aber ernst damit zu sein. Inhalte, die gegen diese Regeln verstoßen, können gemeldet und sofort gelöscht werden. Und das betrifft wie oben erwähnt nicht nur öffentliche Postings - auch private Chats können davon betroffen sein, wenn etwa Teilnehmer "anstößige" Chat-Inhalte melden. Was der Hintergrund dieser neuen Regelung ist, ist nicht ganz klar - netzpolitik.org schreibt über ein neues US-amerikanisches Gesetz, das damit zu tun haben könnte. Dabei handelt es sich eigentlich um ein Gesetz, dass die Anbahnung von Menschenhandel durch User haftbar zu machen - es sei aber schwammig formuliert und verwische die Grenzen zwischen Menschenhandel und Sexarbeit. Und so würden Plattformen gedrängt, durch Verbannung jeglicher sexuellen Anbahnung mögliche Haftungsprobleme zu vermeiden. Erst kürzlich hatte auch die Plattform Tumblr überraschend Nacktheit und Pornografie von seinen Seiten verbannt.

Die Erklärung von Facebook

Facebook versucht im ersten Abschnitt zur Regel eine eigene Erklärung: "Wie in Abschnitt 8 unser Gemeinschaftsstandards (Sexuelle Ausbeutung von Erwachsenen) dargelegt, nutzen Menschen Facebook, um über sexuelle Gewalt und Ausbeutung zu diskutieren und um andere für diese Themen zu sensibilisieren. Wir wissen, wie wichtig ein solcher Austausch ist und möchten ihn zulassen. Dies gilt jedoch nicht, wenn Inhalte sexuelle Kontakte zwischen Erwachsenen ermöglichen, unterstützen oder koordinieren. Wir schränken außerdem die Verwendung explizit sexueller, möglicherweise zu einer Kontaktaufnahme führender Sprache ein, da manche Mitglieder unserer globalen Gemeinschaft diese Art von Inhalten als anstößig empfinden könnten. Darüber hinaus kann ein solcher Sprachgebrauch Nutzer davor abschrecken, mit Freunden und der Gemeinschaft im Allgemeinen zu interagieren."

Thema: Sex & Erotik