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Geschenkt ist noch zu teuer!

Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul. Und trotzdem gibt es für Mamabloggerin Susanne Geschenke ans Kind, auf die man lieber verzichten würde.

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Geschenkt ist noch zu teuer!
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Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul. Schon gar nicht, wenn man werdende oder frisch gebackene Mama ist und sowieso erst mal alles toll findet, was mit dem Thema Kind zu tun hat. Ich habe mich auch ganz ehrlich über jedes Geschenk gefreut, dass wir zur Geburt und danach bekommen haben, nur muss auch mal ganz ehrlich gesagt werden dürfen: Bei manchen großzügigen Schenkern frage ich mich regelmäßig heute noch, ob sie sich nicht insgeheim an mir für irgendetwas rächen wollten. Es gibt einfach Geschenke, die man als Mama lieber nicht bekommen hätte – leider sind das in so ca. 100% der Fälle genau die Geschenke, die die lieben Kleinen ganz besonders toll finden...

Anfangs zeichnet sich das Geschenkeproblem erst ganz harmlos in zart rosa oder himmelblau am Horizont ab. Hat man noch kein Baby, flippt man beispielsweise bei der ersten Windeltorte zur Geburt noch schier vor Entzücken aus. Erst nachdem die fünfte Windeltorte von der entfernten Verwandtschaft angeliefert wird und man langsam draufgekommen ist, dass die Billigwindeln keiner Kackexplosion standhalten, das Baby die geschenkte Schnuller- oder Fläschchenmarke in hohem Bogen ausspuckt, das inkludierte Gewand in Größe 50 schon beim Heimkommen aus dem Krankenhaus zu klein war und man die 100 beigepackten Babyshampoos und Cremen auch nach einem Jahr noch ungeöffnet zu Hause stehen hat, weil das Kind erstens bis zu seinem ersten Geburtstag kein Haar auf dem Kopf hat und man zweitens überhaupt und sowieso Babys zarte Haut am Anfang doch NUR mit Wasser, Luft und Liebe küssen darf, wird einem klar: So eine Windeltorte ist zwar ein lieb gemeintes Geschenk, aber noch eine muss man davon jetzt eigentlich auch nicht unbedingt haben.

»NOCH eine Windeltorte muss man dann nicht unbedingt haben...«

Die wirklich prekären Geschenke fangen in der Regel aber erst dann an, wenn das Kind schon ganz genau mitbekommt, was es da aus dem Geschenkspapier pult und es in der Regel auch nicht mehr kampflos hergibt. Da verflucht man so manches Mal schon den Besuch, der bereits an der Haustür eine Familienpackung Schokoriegel in die gierigen Kinderhände drückt. Versucht dann mal als halbwegs verantwortungsvolle Mama, eurem kleinen Spatz klar zu machen, dass er jetzt nicht alle 50 Mini-Mars auf einmal statt dem Mittagessen mampfen darf – das Heuldrama ist damit vorprogrammiert. Schafft man es im Ausnahmefall doch, dem Zwerg die Tüte zu entreißen, isst man sie (aus reinem Kindsschutz!) meist selbst auf – und fühlt sich dann so fett, dass das nächste Heuldrama gleich auf dem Fuß folgt.

»Warum müssen es Geschenke sein, die lärmen – oder nach denen man putzen muss?«

Am schlimmsten sind jedoch diejenigen wohlmeinenden Besucher, die dem Kind bei jedem Abstecher ein Spielzeug mitbringen, das unweigerlich entweder a) Lärm macht, b) Dreck macht und/oder c) einen Durchmesser von über 50 cm hat. Von dem Gedanken, dass mein Kind nur mit pädagogisch wertvollem Holzspielzeug spielen soll, habe ich mich selbst ja schon früh genug verabschiedet, als ich zum ersten Mal sah, wie sich Noah in meinen Autoschlüssel oder eine Packung Feuchttücher verliebte, aber muss denn wirklich jedes geschenkte Spielzeug blinkten, tuten oder unweigerlich voraussetzen, dass ich danach eine halbe Stunde putzen muss?!

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Mein inbrünstiger Hass gebührt mittlerweile zum Beispiel den Herstellern von Spielzeug-Einsatzwagen – egal ob Feuerwehr, Rettung oder Polizei. Noah besitzt mittlerweile gefühlte 300 davon und jedes hat mindestens einen Sirenen-, Blaulicht- oder Nebelhornton. Noah liebt es, alle gleichzeitig einzuschalten und erfreut sich dann an dem tollen Soundmix, während mir nach einer durchwachten Nacht fast der Schädel explodiert, wenn gleichzeitig das Feuerwehrauto die Sirene anwirft, das Rennauto heulende Motorengeräusche von sich gibt und das Polizeiauto ein lustiges Lied singt.

Ein ähnlich großer Fan bin ich von Filzstiften, Stempeln, Wasserfarben und Konfetti. Ja, ich finde es super, wenn mein Kind sich kreativ betätigt und mir geht das Herz auf, wenn er ein Bild malt, aber wenn der Besuch dem Kind die neue Packung wasserfester Ölfarben schon an der Tür in die Hand drückt, hat man in den meisten Fällen nicht mehr die Zeit (oder die Motivation, man will ja schließlich nicht wie eine oberpingelige Meckermama dastehen…), zuerst das halbe Wohnzimmer mit Zeitungspapier auszulegen und das Kind in die Malschürze zu stecken. Kaum ist der Besuch dann wieder bei der Tür raus, kann man also nicht nur das Kaffeegeschirr, sondern erst mal auch die bemalte Wand, Couch und das komplett orange-blau-grüne Kind sauber machen.

Auch wenn man den Besucher an der Haustür schon nicht mehr sieht, weil das mitgebrachte Geschenk den halben Oberkörper verdeckt, denke ich mir insgeheim vor dem ersten „Hallo!“ schon: Wo sollen wir den Sch… nur wieder hinstellen?! Der Gang durch unser Wohnzimmer ist jetzt schon ein Spießrutenlauf durch lebensgroße Autorennbahnen, Zuganlagen, Spielzeugautos und Leiterwagen – müssen wir jetzt dann die Couch zum Sperrmüll bringen, damit noch eine 1,50m Werkbank Platz hat??

Sollte ich jetzt undankbar klingen: Liebe Schenker, ich weiß, ihr meint es alle nur gut und ich freue mich ja trotzdem über die meisten Sachen – aber so ein bisschen mitdenken wär doch manchmal gar nicht so schwer?? Obwohl ich zugeben muss: Eigentlich kann man beim Schenken ganz schwer alles richtig machen. Ist das Geschenk nämlich zu toll, passt es einem als Mama auch wieder nicht. Besonders zu Anlässen wie Weihnachten oder Geburtstag möchte man doch irgendwie, dass das allertollste Geschenk von einem selbst kommt und nicht das mit viel Liebe ausgesuchte Kuscheltier schmählich links liegen gelassen wird, weil die Oma spontan ein fünfstöckiges Spielzeug-Parkhaus (mit Sirene und Blinkelicht, versteht sich…) vorbeigebracht hat.

Ich gebe also zu, so richtig richtig kann man bei Kindergeschenken selten was machen. Nur eines kann man übrigens wirklich mit Sicherheit zu Hause lassen: Die 1000 guten Ratschläge, die man als frisch gebackene Mama von jedem gratis und zuhauf bei jedem Besuch mitgebracht bekommt, die kann man sich tatsächlich schenken.

Über die Autorin: Susanne Holzer ist freie Autorin aus Salzburg. Gemeinsam mit Sybille Maier-Ginther schreibt sie im ehrlichen Mama-Blog „Hand aufs Herz“ darüber, wie das Leben mit Kind wirklich ist. Mehr von den beiden gibt’s auf Facebook.com/handaufsherzblog.

Themen: Kinder, Erziehung

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