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Was wollen Männer: Familie oder Karriere?

Talk mit Daddy-Blogger Kai Bösel: Was wünschen sich eigentlich Männer heutzutage? Ein schnelles Auto? Eine lässige Pent-House-Wohnung? Familie? Kinder?

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Karriere oder Familie - was wollen Männer?

Was Männer wollen: Kind und Karriere!

© istockphoto.com

Ein Großteil der Väter in Österreich sind noch immer "Wochenendväter". 69 Prozent verbringen unter der Woche weniger als vier Stunden mit ihren Kids. Überlegt euch das mal... 4 Stunden ist nichts! Warum? Weil Väter meist arbeiten gehen, während Mama zuhause die Kinder hütet. Dabei wünschen sich Männer was anderes. Eine neue Umfrage des Windelherstellers Pampers hat ergeben, dass für 94 Prozent der Väter die Familie an erster Stelle steht. Kein Wunder, dass sich viele Väter deswegen auch familienfreundlichere Arbeitszeiten und ein individuelleres Betreuungsangebot wünschen.

Kai Bösel von daddylicious.de ist einer der bekanntesten Daddy-Blogger im deutschsprachigen Raum. Er bestätigt die Ergebnisse der Pampers-Studie: „Früher waren die Väter eher in der Rolle als Ernährer der Familie akzeptiert, als strenges und oft zu den Kindern distanziertes Oberhaupt. Es gab nur wenige Väter, die ihre Kinder gewickelt haben, mit ihnen im Kinderwagen allein unterwegs waren, zum Elternabend auf den kleinen Stühlen im Kindergarten saßen oder gar Elternzeit genommen haben." Heute sei das anders. heute definieren sich Männer auch immer mehr durch ihre Rolle als Vater.

Vater und Kind

»Die Tiefe der Beziehung hängt nicht allein von der Dauer der gemeinsamen Zeit ab, sondern sehr von der Intensität.«

Talk mit Daddy-Blogger Kai Bösel

Egal wo man hinhört – jeder redet vom „neuen Vaterbild“. Welche Eigenschaften bringt der Papa von heute mit? Wie siehst du dich selbst in deiner Vaterrolle?
"Ich denke, dieses „neue Vaterbild“ gibt es nicht in einer allgemeingültigen Form. Denn jeder Mann, der Vater wird, hat unterschiedliche Wünsche, Erwartungen und auch zeitliche Möglichkeiten, um sich um sein Kind zu kümmern. Bei meiner Frau und mir passten mein Wunsch, mehr als nur am Wochenende für meine Tochter da zu sein und ihr Wunsch, nicht nahezu allein für die tägliche Fürsorge verantwortlich zu sein, ganz wunderbar zusammen. So konnten wir unsere selbstständigen Jobs weiter ausüben und uns die Zeit für unsere Tochter in etwa gleichmäßig teilen. Für mich ist durch meine Tochter ein Wunsch in Erfüllung gegangen, der mich immer noch sehr glücklich macht. Aber auch Väter, die durch ihren Job zeitlich stärker eingespannt sind, haben keinen Grund für ein schlechtes Gewissen. Die Tiefe der Beziehung hängt nicht allein von der Dauer der gemeinsamen Zeit ab, sondern sehr von der Intensität. Daher empfehle ich allen Papas, sich sehr bewusst Zeit für ihre Kinder zu nehmen und schöne Dinge gemeinsam zu erleben. Damit kommt man dem „neuen Vaterbild“ schon einen großen Schritt näher."

Wie hat das Vatersein Dein Leben verändert?
"Die Geburt meiner Tochter war eine 180 Grad Wendung in meinem Leben. Ich habe Emotionen und Gefühle erlebt, die ich bis dahin nicht hatte. Ich habe manchmal Sorgen, muss am Wochenende früh raus, komme nicht mehr dazu, meine Hobbies zu pflegen oder mit Kumpels um die Häuser zu ziehen. Die Art zu verreisen hat sich genauso verändert, wie die Wochenendgestaltung. Wir brauchen morgens doppelt so lange wie sonst, führen lange Diskussionen mit unserem kleinen Trotzkopf und kommen als Paar manchmal zu kurz. Aber ehrlich gesagt, möchte ich keine Minute davon missen, denn ich liebe es, Vater zu sein. Und natürlich beschäftige ich mich inzwischen auch mit Themen, von denen ich vor meiner Vaterschaft nie geglaubt hätte, dass sie für mich einmal spannend werden: Vom perfekten Kinderwagen über den gesündesten Babybrei bis hin zur neuesten Pampers Windel."

Wie hat sich das Ansehen der Väter in den letzten Jahren verändert? Wie unterscheiden sie sich von den vorangehenden Generationen?
"Früher waren die Väter eher in der Rolle als Ernährer der Familie akzeptiert, als strenges und oft zu den Kindern distanziertes Oberhaupt. Es gab nur wenige Väter, die ihre Kinder gewickelt haben, mit ihnen im Kinderwagen allein unterwegs waren, zum Elternabend auf den kleinen Stühlen im Kindergarten saßen oder gar Elternzeit genommen haben. Wie auch die Ergebnisse der aktuellen Pampers Umfrage zeigen, definieren sich die Männer heute oft auch durch ihre Rolle als Vater. Das erfordert aber immer noch ein Umdenken bei uns allen. Der Schritt, den Beruf und die Karriere zugunsten der Kinder herunterzufahren, wird bei Männern sicherlich noch kritischer bewertet als bei Müttern, die das im Übrigen bereits seit Jahrzehnten tun. Das klassische Modell mit der Mutter als Hausfrau und dem Vater als Alleinverdiener gibt es immer weniger. Dass Väter auch gesellschaftlich immer relevanter werden, zeigt sich nicht zuletzt durch neue Väter-Magazine oder Werbekampagnen, die sich speziell an Väter richten."

Laut der aktuellen Pampers Umfrage würden 93% der der Väter gerne mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen. In welchen Bereichen müsste sich Deiner Meinung nach etwas ändern, damit Väter ihren Kindern mehr Zeit widmen können?
"Es ist verständlich, dass sich Väter zum Beispiel flexiblere Arbeitszeiten oder die Möglichkeit des Arbeitens im Home Office wünschen, um mehr Zeit mit den Kindern zu haben. In einigen Branchen vereinfacht die Digitalisierung da auch schon Vieles. Aber es braucht von Seiten der Arbeitgeber auch immer ein hohes Maß an Vertrauen und Strukturen, um mehr Flexibilität zu schaffen. Und nicht zuletzt ist es auch die Frage, ob ausreichend Akzeptanz von Seiten der Kollegen aufgebracht wird, wenn ein Vater nach Absprache immer pünktlich um 16 Uhr den Arbeitsplatz verlässt, um seine Kinder vom Kindergarten abzuholen. Solange die finanzielle Situation eines frischgebackenen Vaters es nicht zulässt, die Arbeitszeit zu reduzieren, wird es schwierig, mehr Zeit mit den Kindern einzurichten. Auf der anderen Seite sind unsere Kinder auch unsere Zukunft und Deutschland, wie Österreich tragen in Sachen Geburtenrate derzeit die rote Laterne. Da ist es an der Zeit, Dinge zu ändern und es wieder attraktiver zu machen, sich für Kinder zu entscheiden. Was ich mir also konkret wünsche, ist mehr Verständnis durch die Gesellschaft und mehr Flexibilität im Job."

Wie entstand eigentlich die Idee Daddy-Blogger zu werden? Wie schaffst du es, Beruf und Familie unter einen Hut zu bekommen?
"Mein Freund Mark und ich wurden im April 2012 nahezu zeitgleich Papa. Auf der Suche nach Informationen im Netz erschienen uns die Angebote deutlich zu rosarot. Uns fehlte eine Seite, auf der lässige Väter anderen angehenden Vätern über die Dinge berichten, die man wissen sollte oder über die Väter lachen können. So war die Idee geboren und im August 2013 sind wir online gegangen. Seitdem wachsen wir stetig."

Wie schaffst du es, Beruf und Familie unter einen Hut zu bekommen?
"Der Blog ist ein Projekt, welches wir in der Freizeit betreiben. Mein Geld verdiene ich als Blogvermarkter, Freelancer und Redakteur. Das bringt mir mehr Flexibilität als andere Väter sie haben, sorgt aber auch dafür, dass es keinen echten Feierabend und kein Wochenende gibt. Trotzdem wünsche ich mir keinen 9-to-5-Job zurück, ich bin recht zufrieden damit wie es momentan läuft. Meine Tochter ist bereits mit einem Jahr in die Kinderkrippe gekommen, da auch meine Frau selbstständig ist. Dadurch sind zumindest 6 Stunden pro Tag bereits abgedeckt. Den Rest teilen wir uns."

Kai Bösel

Themen: Kinder, Eltern

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