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FASHION-KOLUMNE von WOMAN-Fashion-Ressortleiterin Clara Bilek

WOMAN-Fashion-Ressortleiterin Clara Bilek schreibt zweiwöchentlich über Alltägliches bis Außergewöhnliches rund um die Themen Mode und Schönheit.


FASHION-KOLUMNE von WOMAN-Fashion-Ressortleiterin Clara Bilek
© privat

Eigentlich hatte der Tag gut begonnnen. Ein entspannter Samstag, draussen bei den Eltern am Land, herrliches Badewetter und zur Abwechslung mal kein Familienzwist. Der Tag ging voran, die Sonne stieg, mit ihr die Temperaturen, also warum nicht die Gunst der Stunde nützen und mich in meinen neuen Bikini schmeissen?!

Zwischen Sonnenliege und Haus hin und her wandernd – mal snackend, mal für kleine Mädchen gehend – bemerkte ich den skeptischen Blick meines Vaters, der mich genauer zu inspizieren schien. Etwas zu genau, wie sich bald herausstellte, wies er mich doch kurz darauf, wie soll ich es nett formulieren, auf einige Dellen auf meinem Allerwertesten hin!

Dass meine Bikini-Laune von einer Sekunde zur nächsten schwand, muss ich wohl nicht näher erläutern. Den Rest des Tages bemühten sich meine Mutter und mein Liebster darum, mir einzureden, dass der Herr Papá mal wieder ein Gläschen zu viel getrunken hatte und seine Sicht der Dinge, in diesem Fall also der Dellen, dementsprechend verfälsch war. Vergeblich!
Wie sollte ich bitte auf so eine Bemerkung reagieren?

Mein Vater, auch wenn etwas ungeschickt, hatte es doch nur gut gemeint und wollte mich warnen bevor die Wölkchen auf meiner Rückenansicht zu einem Wolkendrama heranwachsen würden. Aber war es überhaupt möglich so einer Wolkenlandschaft entgegen zu wirken? Ich, die regelmäßig Sport betreibt, sich den Luxus eines Personal Trainers leistet und brav auf meine Ernährung achtet. Was sollte ich bitte noch tun? Auf das letzte, kleine Stück Schokolade verzichten, das ich mir ab und an gönnte?

Mein erster Gedanke war Sandra Bullock, die bei ihrer MTV Movie Awards-Dankesrede, Unausgesprochenes ausprach und mir seither unglaublich sympathisch ist: „Jeder hat Cellulite, nicht nur ich. Paparrazi brauchen einfach schmeichelhaftere Linsen.“

Der nächste Gedanke war: Danke Mama, für die Veranlagung zur Gewebeschwäche! Einen letzen Gedanke sparte ich mir und setzte Taten. Ich griff zum Hörer und begann mich bei ebenso eitlen Branchenkolleginnen umzuhören, welche Wundermittelchen es denn gegen solch kleine Dellen gab. Immerhin bin ich erst 29 (!), also quasi noch weit entfernt von, Graus, oh Graus ich möchte das Wort gar nicht aussprechen, Orangenhaut, oder etwa nicht?!

Meine Recherche brachte mich schließlich zum Bikram-Yoga. Das ist die Art von Yoga, bei der man sich 90 Minuten lang bei 40 Grad Celsius in einen Raum sperren lässt und unter erheblichem Schweissverlust Yogaübungen macht. Das ganze soll, wie mir von mehreren Seiten versichert wurde, unglaublich effektiv gegen Cellulite sein. Da ich zu dem Typ Frau zähle, der immer leicht unterkühlt ist, fand ich glücklicher Weise schnell Gefallen an dem Hitzesport und übe ihn jetzt seit einigen Wochen regelmäßig aus. Der erwünschte Erfolg hat sich allerdings noch nicht eingestellt...

Die zweite Notbremse zog ich mit Lipomassage. Ein teurer Spaß kann ich nur sagen, aber was tut frau nicht alles in ihrer Verzweiflung. 24 Behandlungen à € 70,– seien für einen optimalen Erfolg notwendig. Ja Schatz, jetzt weißt du wo mein ganzes Geld am Monatsende hinverschwunden ist. Die „doofe Frage“, wie es eine Userin auf gutefrage.de amüsant formulierte, ob nach der Behandlung die Cellulite wieder kommt, beantwortete sie mit „Ja! Immerhin wird man nach dem Solariumbesuch auch irgendwann wieder weiss.“

Tatsache ist, dass man nach 24 Behandlungen einmal monatlich zur Nachbehandlung gehen sollte um die Wolkenlandschaft weiterhin fern zu halten. Erfolg oder Misserfolg? Da ich gerade erst mit dieser Therapie begonnen habe, kann ich mich dazu noch nicht äußern, werde euch aber auf dem Laufenden halten!

Das Schmunzeln über mich selbst und meine Bereitschaft die eigenartigsten Dinge für einen perfekten Körper zu tun, werde ich wohl nicht so schnell verlieren, lässt mich bei jeder Lipositzung mein Anblick in einem Strumpfhosenbody verpackt, unter einer Saug- und Knetmaschine liegend, doch jedes Mal aufs Neue das Schönheitsideal unserer Zeit hinterfragen...

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