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Fatshaming: Neue Netflix-Serie "Insatiable" in der Kritik

Der Trailer zur Teenagerkomödie löst eine Welle der Kritik aus: Die Serie mache Übergewichtige und Mobbing lächerlich. Bereits 130.000 Menschen unterzeichneten eine Petition, die den Start der Serie nun verhindern soll.

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Fatshaming: Neue Netflix-Serie "Insatiable" in der Kritik
© Netflix

Der Trailer der neuen Netflix-Serie "Insatiable" sorgte schon wenige Stunden nach Veröffentlichung für ordentlich Empörung. "Insatiable" - zu deutsch so viel wie "Unersättlich" - handelt von dem übergewichtigen Mädchen Patty, das von den Mitschülern gemobbt wird. "Dank" eines Kieferbruchs nimmt sie über die Ferien ab und kehrt als klassische Highschool-Schönheit zurück. Jetzt, konventionell schön, nimmt sie Rache an all Jenen, die sie wegen ihrem früheren Übergewicht angefeindet hatten. Soweit der Plot, der genauso gut der Kern eines jeden Diätbuches sein könnte: Alles ändert sich, sobald man schlank ist.

Damit, so die KritikerInnen, setze die Serie nicht nur die Toxizität der Diätkultur fort, sondern auch die Objektivierung von Frauenkörpern. Der Gedanke, dünn sein zu müssen, um beliebt zu sein, Freunde zu haben und für das andere Geschlecht attraktiv zu sein, sei Gift für junge Mädchen, die ohnehin zu sehr von Selbstzweifeln geplagt seien. Von dem abgesehen ist die Botschaft, dass Rache das beste Mittel gegen Mobbing und durchaus legitim sei, ebenso fragwürdig.

Netflix im Bann des Hollywood-Klischees

Zugegeben, die plumpe Handlung überrascht, hatte Netflix in der Vergangenheit doch eher versucht, Verständnis für Themen wie Essstörungen, Mobbing, und Depressionen zu schaffen. Patty, die zu allem Überfluss von einer Schauspielerin im Fatsuit verkörpert wird, nimmt ab, weil ihr Kiefer verdrahtet wurde. Wie triggernd es für junge Menschen mit Essstörungen sein muss, das in einer sogenannten Entertainment-Show zu sehen, mag man sich gar nicht ausmalen. Junge Mädchen und Burschen, die dazu bereit sind fast alles zu tun, um Gewicht zu verlieren.

Warum nicht mal eine Serie mit einer glücklichen Dicken? Einer begehrten Dicken? Einer rachsüchtigen Dicke? In der Popkultur und Hollywood scheint das noch nicht möglich zu sein - egal ob bei "Friends", wo die junge und dicke Monica (Fatsuit hallo!) ziemlich desperat darauf wartet geküsst zu werden, unfassbar tollpatschig ist und den ganzen Tag nur Pizza frisst oder in der Sitcom "New Girl", in der der junge Schmidt - ebenfalls im Fatsuit - gelinde gesagt ein Loser ist. Hollywood scheint sich keine Übergewichtigen vorstellen zu können, die anmutig, cool oder sexy sind. Fett und Glücklich? Unmöglich.

"Fat Monica" in Friends

Body-Shaming: Alles nur ein Scherz?

Die zum Cast gehörende Ex-"Charmed"-Schauspielerin Alyssa Milano verteidigt die Serie dabei gleichzetig vehement auf Twitter. Man wolle nicht Patty beschämen, sondern mithilfe von Satire zeigen, was Mobbing anrichten kann.

Debby Ryan, die den umstrittenen Part der Patty verkörpert, erklärte ebenfalls in einer Stellungnahme, den Serienmachern gehe es "nicht um Fatshaming", sondern darum, die Mobber bloßzustellen und zu sagen "Das ist nicht okay".

Sehr erfolgreiche Petition

Ob "Insatiable" ab dem 10. August bei Netflix wie geplant verfügbar sein wird, ist unklar. Über 130.000 Menschen haben bereits eine Petition unterzeichnet, die den Start der Serie verhindern soll. "Der Schaden, den 'Insatiable' in den Köpfen junger Mädchen anrichten würde, sei weitaus größer als der verlorene Gewinn, der Netflix durch die Finger rinnen würde", so von seiten der Petitionsgründer. Es ist trotzdem anzumerken, dass die Kritik an "Insatiable“ bisher nur auf Grundlage des Trailers geäußert wurde. Wie die angerissenen Themen tatsächlich behandelt werden, wird oder würde erst die fertige Serie selbst zeigen. Von dem abgesehen stellen uns aber auch wir die Frage: "Warum muss Patty im Jahr 2018 erst abnehmen, um akzeptiert zu werden?"

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