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Female Empowerment: Frauen ermutigen, ihren eigenen Weg zu gehen

In der heutigen Zeit ist das Wort Female Empowerment omnipräsent – jede:r spricht darüber, viele fühlen sich dadurch verstanden und andere wiederum versuchen eine nachhaltige Veränderung in der Gesellschaft zu erwirken. Aber was genau bedeutet Female Empowerment?

von

Female Empowerment
© Elke Mayr

Female Empowerment: Welche Bedeutung steckt dahinter?

Wörtlich übersetzt bedeutet Empowerment so viel wie "Ermächtigung" oder "Handlungsfähigkeit", im weiteren Sinn wird damit die Stärkung von Selbstbestimmung, Eigenmacht und Unabhängigkeit verschiedener Bevölkerungsgruppen bezeichnet. Die Wurzeln des Begriffs liegen in der sozialen Arbeit, heute hat aber insbesondere Female Empowerment beziehungsweise Woman Empowerment (Women Empowerment) Einzug in die öffentliche Diskussion gehalten. Selbstbewusste, starke Frauen, die für ihre Freiheit, Gleichberechtigung und Rechte (Frauenrechte) kämpfen, sind die Vorreiterinnen der Bewegung – von Aktivistinnen über Politikerinnen bis hin zu Stars, welche die Aufmerksamkeit immer wieder auf dieses wichtige Thema lenken.

Worum geht es bei Female Empowerment?

Beim Female Empowerment geht es sowohl um Themen wie die Bekämpfung der Chancenungleichheit auf dem Arbeitsmarkt oder die Schließung der Einkommensschere als auch darum, gegen alle Arten von offener und versteckter Diskriminierung von Frauen im alltäglichen Leben vorzugehen und mit den in den Köpfen vieler Menschen verankerten Geschlechterstereotypen und Vorurteilen zu brechen. Neben der Schaffung von gesellschaftlichen sowie gesetzlichen Rahmenbedingungen steht beim Female Empowerment aber noch ein weiterer wichtiger Aspekt im Vordergrund: die Stärkung des Selbstbewusstseins und das Überwinden von Grenzen, die sich viele Frauen aus Furcht, gesellschaftlichen Normen nicht zu entsprechen, selbst gesteckt haben.

Wie weit verbreitet gelebte Vorurteile gegen Frauen auch heute noch sind, wird oft erst auf den zweiten Blick deutlich. Ob in der Ausbildung, im Beruf oder im privaten Leben: Häufig werden Frauen in "typisch weibliche" Verhaltensmuster gedrängt und wer sich diesen Rollenbildern widersetzt, muss mit Konsequenzen rechnen. Mit Klischees zu brechen und Frauen so zu ermutigen, ihren eigenen Weg zu gehen, ist eines der großen Ziele von Female Empowerment beziehungsweise Woman Empowerment. Um es zu erreichen, sind sowohl die öffentliche Diskussion als auch das Setzen kleiner Zeichen im zwischenmenschlichen Bereich notwendig.

Female Empowerment aus Expertinnensicht

Seit 2018 ist Vera Steinhäuser ist zertifizierte, systemische Coachin, unter anderem mit dem Schwerpunkt Female Empowerment. Auf ihrer Website schreibt die Kommunikations- und Unternehmensberaterin: "Ich habe es mir zum Ziel gemacht, Frauen* dabei zu unterstützen, ihren eigenen, selbstbestimmten Weg zu gehen. Denn unsere Welt wird eine bessere, wenn wir veraltete Rollenbilder über Bord werfen und selbst zu inspirierten und inspirierenden Gestalterinnen werden. *Natürlich sind auch Männer herzlich willkommen. [...]"

Vera Steinhäuser, die auch mit ihrem Podcast "Die Macht Zentrale" Frauen inspiriert, erklärt aus Expertinnensicht, was Female Empowerment bedeutet, warum wir es (leider) 2022 noch brauchen und wie Coachings Frauen empowern können.

Vera Steinhäuser
Vera Steinhäuser, systemische Business Coachin und Unternehmensberaterin

WOMAN.at: Was ist Female Empowerment?

Vera Steinhäuser: Female Empowerment ist gerade ein trendiges Buzzword, mittlerweile werden sogar Lippenstifte unter diesem Motto verkauft. Es ist ein Trend geworden, der von vielen Marken, vor allem im Luxussegment aufgegriffen wird. Das ist zwar gut, denn dadurch entsteht ein neues Bewusstsein in der Öffentlichkeit, aber es verstellt uns auch die Sicht auf die tatsächliche Bedeutung. Wenn wir das englische Wort nämlich korrekt Übersetzen landen wir bei "Ermächtigung" und das klingt dann plötzlich ganz anders – viel mächtiger.

Darum geht es aber. Um Ermächtigung, nämlich um Selbstermächtigung und gesellschaftliche Ermächtigung von Frauen. Macht findet nämlich in jedem Fall statt. Es ist wie mit der Kommunikation. Man kann nicht nicht kommunizieren, das hat schon Paul Watzlawick gesagt. Und genauso ist es mit der Macht. Wenn wir Frauen an ihr nicht teilhaben, findet sie ohne uns statt.

WOMAN.at: Warum brauchen wir Female Empowerment überhaupt?

Vera Steinhäuser: Diese Frage wird mir oft gestellt und ich bin die erste, die sagt, wir müssen all das auch möglichst schnell wieder abschaffen. Aber natürlich erst, wenn wir es nicht mehr brauchen. Momentan brauchen wir es. Und zwar alle Maßnahmen, die wir treffen können.

Das World Economic Forum erstellt jedes Jahr einen Gleichstellungsreport. In dieser Analyse wird auch jährlich eingeschätzt, wie lange wir als Gesellschaft noch brauchen, um zu absoluter Gleichstellung zwischen den Geschlechtern zu gelangen. Aktuell stehen wir auf einer Schätzung von 140 Jahren. Damit ist die Frage sehr gut beantwortet, warum wir das alles noch brauchen. Damit es eventuell ein bisschen schneller geht oder sich zumindest bitte nicht noch verlangsamt.

Die Gleichstellung der Geschlechter wird einige Probleme, die wir auf der Welt aktuell haben, in neue Relationen setzen. Daher ist es so wichtig, dass wir in den Machtzentralen der Welt die Kräfte neu verteilen, dass die Macht also in diversere Hände gelegt wird.

WOMAN.at: Wie kann Coaching Frauen empowern?

Vera Steinhäuser: In meinen Empowerment Coachings lernen sich Frauen (und natürlich auch Männer) besser kennen. Coaching hat nie das Ziel, die Persönlichkeit zu verändern, sondern es geht darum, sich selbst besser kennenzulernen. Das allein ist schon ein durchaus ermächtigender Prozess. Denn durch die Selbstreflexion können Coachees aus der Opferrolle ausbrechen und (wieder) zur Gestalterin des eigenen Weges werden. Wir wechseln vom Autopilot-Modus auf den Fahrersitz und navigieren bewusst durch das Leben.

In weiterer Folge setze ich in meiner Arbeit als Coachin den Fokus auf das Erkennen der eigenen Werte. Denn Werte üben enorme Kräfte auf uns aus. Wir streben unser ganzes Leben danach, Wertvermehrung stattfinden zu lassen und Wertverletzung zu vermeiden. Das Definieren eines eigenen Ziels rundet den Coaching Prozess ab. Die Coachees erlernen in weiter Folge Tools, wie sie dieses individuelle Ziel erreichen können.

Thema: Karriere
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