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Ferdinand Sarnitz alias "Left Boy": Unser Exportmusiker made in Austria

Andrè Hellers Sohn Ferdinand Sarnitz startet unter dem Namen "Left Boy" als Musiker durch. Mit WOMAN sprach Ferdinand über sein behütetes Nest, den berühmten Vater, Toilettensex & Dealer-Freunde.

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Ferdinand Sarnitz alias "Left Boy": Unser Exportmusiker made in Austria
© Susanne Stemmer

"Left Boy" - ein Hitparadenstürmer made in Austria: Hinter dem Namen verbirgt sich Ferdinand Sarnitz, der bereits mit 16 Jahren erste Rapsongs und Beats produzierte. Manche dieser Samples wie "Jack Sparrow" wurden in mainstreamtaugliche Hymnen umgewandelt. Ferdinand ist der Sohn von Allround-Künstler Andrè Heller.

Ferdinand emanzipiert sich als Künstler vom Vater.
Heller selbst platzt fast vor Vaterstolz: "Ich werde Ferdinands Mutter immer auf den Knien meines Herzens danken, dass sie sich über meine ursprüngliche Kinderablehnung hinweggesetzt hat. Sie hat ge­macht, was sie will! Andere hätten ge­macht, was ich will, und hätten das Kind nicht bekommen. Dann hätte ich jetzt nicht diesen tollen Sohn."

Statt Strenge hat Heller seinem Ferdinand ein­fach nur "mehr Liebe" mit auf den Weg gegeben. Weil er über­zeugt ist, dass "kein Mensch durch bedingungslose Liebe be­schädigt, grob oder primitiv wird, sondern nur durch den Mangel an Behutsamkeit und Mitgefühl ...". Hellers gefühlvolle Maxime hat sich bewahrheitet. Ferdinand zeigte sich beim WOMAN-Interview als feiner, zart besaiteter junger Mann.

WOMAN: Ferdinand, Sie haben die letzten Jahre in New York gelebt, dort Tontechnik studiert und machen nun als alternativer Hip-Hopper mit dem Namen „Left Boy“ Karriere. Von wem fühlen Sie sich verlassen?

Sarnitz: (lacht) Von einem Freund, mit dem ich während der Schul­zeit eine Band hatte. Aber seit er nach New Mexico ausgewandert ist, bin ich solo unter­ wegs. Also ein allein gelassener „Left Boy“! Ich arbeite nur projektbezogen mit anderen Musikern zusammen. Deshalb ging ich nach der Schule auch nach Amerika. Um dort Kontakte mit Hip­ Hoppern zu knüpfen. Der Sohn des Run­-DMC­-Sängers Rev Run drückte zum Beispiel mit mir am Institute of Audio Research die Schulbank. Wir waren aber nicht befreundet – aufgrund seiner Hoch­näsigkeit. Die Zeit in New York ließ mich innerlich wachsen. Das Leben dort ist der totale Kontrast zu Wien. Hier bin ich zu­hause, fühle mich geborgen. In der New Yor­ker Schule waren meine Kollegen mehrheit­lich Ghettokinder mit der Ambition, aus der bitteren Not zu Star-­Ruhm zu gelangen. Ich wurde erstmals hautnah mit dieser Art von Verzweiflung konfrontiert. Manche aus mei­nem Freundeskreis hielten sich nur mit dem Verkauf von Crack über Wasser.

WOMAN: Haben Sie auch Drogen ausprobiert? Peergroup-Verhalten verleitet oft ...

Sarnitz: Ab und zu einen Joint. Aber nie etwas Hartes, weil ich studieren konnte, wie haltlos und verstört es die Konsumenten auf Dauer macht. Bei meinen Musikerfreunden, die dealten, habe ich erkannt, dass sie nur ein hartwirkendes Pokerface tru­gen. In Wirklichkeit sind sie um Zuneigung buhlende Angstkinder! Hip­ Hop spielt die Hauptrolle in ihren Leben. Sie sehen in den Medien die Rap-­Superstars mit ihren Bentleys, Markenklamotten und Groupies und streben auch diese Statussymbole an. Um sich und der Umgebung zu imponieren. Ich bin zum Glück mit einem anderen Wertesystem aufgewachsen. Ich bin mir dieses Privilegs sehr bewusst.

WOMAN: Wie profitierten Ihre Freunde von Ihrer Bekanntschaft?

Sarnitz: Wir haben unsere unterschiedlichen Erfahrungen gegenseitig bestaunt. Ich zeigte ihnen meine Welt in NoHo (teurer Stadtteil in Manhattan) und sie mir ihre "Hood" in Brooklyn (teils ärmere Viertel). Was wir vonein­ander lernten, floss fruchtbar in unsere Gemeinschaftsproduktionen.

WOMAN: Seit wann wollen Sie Musiker werden?

Sarnitz: Seit meiner Kind­heit. Als Teenie ver­suchte ich mich als DJ und Beatboxer. Und organisierte sogar die erste Beatbox-Weltmeisterschaft mit. Mit 16 schrieb ich mein ers­tes Lied – „Negative Influence“. Ein grauenvoller Song aus heutiger Sicht. An­fängerniveau (lacht) . Ich wollte cool sein – genau das hat man ge­merkt. Mittlerweile kenne ich mein Potenzial. Ich komponiere, texte, produziere alles selbst. In Österreich bin ich wohl mit meinem colla­genhaften Stil – ich mixe Jazz, Klassik, Elektro­ und Weltmusik – ein Außenseiter. Das hörte ich als Bub mit meinen Eltern gern. Noch kann man meine Lieder nur über meine Homepage leftboy.com oder youtube.com hören. In Hong­kong lief meine Musik aber auf der meistgehörten Radiostation! Auch in Österreich beginnt man sich zu interessieren. Sonst wären Sie nicht hier.

WOMAN: Was, wenn ein Plattenlabel auf Sie zukommt und Sie zu dessen Bedingungen groß rausbringen will? Sie sind jung, sehen fantastisch aus. Man könnte Sie super vermarkten!

Sarnitz: Ich will mich nicht verbiegen. Meine Arbeit ist sehr persönlich, diesem Weg will ich treu bleiben. Ein Kon­zert wäre toll. An einem Al­bum, das ich über das Inter­net verkaufen will, arbeite ich bereits. Acht Lieder, die meinen Vor­stellungen entsprechen, sind fertig. Der Markt für junge Leute spielt sich im Internet ab, nicht mehr im Plattenladen.

WOMAN: Wie stehen Sie zu Mädels, die sich punkto Sex das holen, was sie brauchen?

Sarnitz: Es ist schön, wenn einen Mädchen ansprechen. Ich bin manchmal schüchtern. Aber es ist immer noch aufregender, selbst die Initiative zu ergreifen.

WOMAN: Wie muss eine junge Frau sein, damit Sie sich verlieben?

Sarnitz: Ich bin schnell interessiert, aber zum Verliebtsein gehört mehr. Das passiert nicht oft. Optisch habe ich keine Präferenzen. Mir ist nur wichtig, dass sie nicht eifersüchtig ist. Und sie soll liebevoll und weltoffen sein! Aber letztlich handelt es sich bei Liebesgeschich­ ten wohl immer um etwas Magisches ...

WOMAN: Ihre Eltern trennten sich, als Sie ein Baby waren. Sie wuchsen 18 Jahre mit Ihrem Halbbruder Anton ( er stammt aus Sabina Sarnitz’ Beziehung mit Künstler Peter Travnicek; Anm.) bei Ihrer Mutter auf. Haben Sie André vermisst?

Sarnitz: Ich wurde damit groß, dass mein Vater früher viel reiste. Damals haben wir uns nur ein­ oder zweimal pro Woche ge­sehen. Es hat mich nie gestört, dass meine Eltern kein Paar sind. Sie sind immer respektvoll, humorvoll und freundlich mitein­ander umgegangen. Andere Kinder, deren Eltern immer streiten und unglücklich zu­sammenbleiben, haben sicher größeren Kummer zu bewältigen. Meine Eltern haben mir keine Scheinwelt vorgegaukelt. Mein Va­ter stand mir immer sehr nahe! Er ist mein bester Freund. Und seit ich aus Amerika zurück bin, lebe ich auch bei ihm. Denn als ich und Toni auszogen, hat Mutter ihr Haus verkauft, um unabhängiger zu sein.

WOMAN: Warum trennten sich Ihre Eltern?

Sarnitz: Vielleicht sind sie sich nur begegnet, damit es mich gibt ... Ich weiß nur, dass mei­ne Mutter meinen Vater schon als Sieben­jährige mochte. Damals war er in ihre Schwes­ter verliebt und oft bei ihnen zuhause!

WOMAN: Wie ist es mit André?

Sarnitz: Wir reden über alles. Jeden Tag mindestens eine Stunde. Er kennt alle meine Fehler, jedes Mädchen, das mein Herz be­rührt hat ... Er muss mich auch manchmal trösten. Das tut er am besten, wenn er mir zuhört und mich berät. Wenn man selbst in bestimmten Augenblicken nicht logisch denken kann, ist es gut, wenn man jemand hat, der einem hilft, einen klaren Kopf zu kriegen. Vater hat mich ge­lehrt, dass man möglichst we­nig egozentrisch sein soll, lie­ber dankbar und großzügig. Meine Eltern waren nie autori­tär. Sie ließen mich meine eige­nen Erfahrungen machen. Dafür danke ich ihnen, denn besonders mein Vater hat diese Art von Unterstüt­zung von seinem Elternhaus nie erfahren. Es beeindruckt mich, dass er alles aus eige­ner Kraft geschaffen hat! Auch ich bin fest entschlossen, meinen eigenen Weg zu ge­hen und möglichst wenig auf den berühm­ten Wellen meines Vaters zu surfen. Das ist nicht immer leicht, denn ich muss zugeben: Ich wurde sehr verwöhnt. In der New Yorker Zeit fühlte ich mich manchmal verloren, meine Traurigkeit unterhöhlte mich. Ich hing perspektivenlos vor dem Computer herum, statt Musik zu machen. Jetzt kann ich mich wieder motivieren. Ich möchte es bis 25 schaffen, von meiner Arbeit selbständig leben zu können.

WOMAN: Ist das ein Streitpunkt?

Sarnitz: Nein. Mein Vater unterstützt mich gern. Es gibt nur einen Reibungspunkt: Er trägt seine Hosen über dem Bauchnabel, ich meine unter den Lenden. Das packt er nicht (lacht) . Sonst haben wir gleiche Inter­essen: Ich docke so oft wie möglich an sein großes Wissen an. Es ist ein herrliches Ge­schenk, so einen uferlos spannenden Vater zu haben. Wir gehen gern ins Theater und in Ausstellungen, unternehmen exotische Reisen. Manchmal ist auch Papis Freundin Albina dabei.

WOMAN: Ist sie eine Ersatzmama?

Sarnitz: Nein, meine Mutter kann keiner er­setzen! Aber ich verstehe mich sehr gut mit Albina. Für mich gab’s nie Konflikte mit den Partnern meiner Eltern. Weihnachten feiern wir stets als Patchworkfamilie.

Interview: Petra Klikovits