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Fertigteilhäuser – wenn es schnell gehen soll

Fertigteilhäuser gewinnen nicht ohne Grund auch in Österreich an Beliebtheit dazu, ihr ehemaliges Billig-Image haben sie längst verloren. Optisch sind sie in der Regel kaum noch von Massivhäusern zu unterscheiden und auch qualitativ hat sich in den letzten Jahren vieles zum Positiven entwickelt. Exklusive Ausbaumöglichkeiten locken nun auch eingeschworene Individualisten an: Goldene Zeiten für Schnellbauer, also?


Fertigteilhäuser – wenn es schnell gehen soll
© istockphoto.com

Die Vor- und Nachteile der Fertigteilhäuser

Die meisten Fertighäuser sind sogenannte Holzriegelhäuser, das heißt, die tragende Konstruktion besteht aus massiven Balken. In den österreichischen Alpen beruht das qualitativ hochwertige Bauen mit Holz auf jahrhundertelanger Tradition, die Erkenntnisse historischer Baumeister fließen ebenso in die Bauplanung ein, wie moderne Techniken. Das Massivbauhaus besteht im Gegensatz dazu auf gemauertem Stein, als Materialien werden zum Beispiel Kalksandstein, Ziegel und Porenbeton verwendet. Unter Einsatz von Mörtel entsteht Stein auf Stein nach wochenlanger Bauzeit ein von einem Architekten geplantes Haus.

Vorteile des Fertigteilhauses auf einem Blick:

- vor Baubeginn bereits als Musterhaus anzuschauen
- kurze Bauphase von oft nur ein paar Tagen
- erprobtes System mit vorgefertigten Elementen: wenig Beanstandungen
- Typenhäuser bieten individuelle Möglichkeiten der Ausgestaltung
- niedriger Preis aufgrund von Massenproduktion
- ein fester Ansprechpartner für alle Belange
- sogar Heizung, Hauselektrik und Dachentwässerung aus einer Hand
- keine Trocknungsphase, sofortiger Einzug möglich
- weniger Bürokratie mit Ämtern und Genehmigungen

Nachteile des Fertigteilhauses auf einem Blick:

- Planungsmöglichkeiten weniger individuell als beim Massivbauhaus (Material / Grundriss)
- größere Änderungen nur mit hohen zusätzlichen Kosten
- luftdichte Anschlüsse zwischen Bauteilen eventuell problematisch
- schalldämmende Wirkung meist reduziert
- oft geringerer Brandschutz als beim Massivbauhaus
- bei Weiterverkauf niedrigerer Erlös zu erwarten

Ganz klar wird dabei, dass ein Fertigteilhaus für alle Bauherren interessant ist, die ihr Eigenheim zügig und kostengünstig errichten möchten. Der Unterschied in der Langlebigkeit hat sich inzwischen reduziert: Wer eine Baufirma mit hochwertigen Angeboten wählt, wird sicher viele Jahrzehnte Freude an seinem Häuschen haben.

Unser Tipp: Bedenke, dass sich trotz der allgemein gestiegenen Qualität bei Fertigteilhäusern bei der Beleihung durch eine Bank Schwierigkeiten ergeben könnten. Diese schlagen sich häufig in etwas ungünstigeren Konditionen im Vergleich zu einem Massivbauprojekt nieder. Ebenso könnte die Versicherung teurer werden.

Fertigteilhäuser und Wärmedämmung: Wie steht es um die Energieeffizienz?

Die oft verwendete Grundkonstruktion aus massiven Holzbalken stammt aus dem traditionellen Fachwerkbereich und besitzt deshalb eine lange Tradition. Doch es gibt einen entscheidenden Unterschied: Moderne Fertigteilhäuser werden in der Regel sowohl von innen als auch von außen beplankt, die dabei entstehenden Zwischenräume bieten genügend Platz für eine effektive Wärmedämmung.

Ein Fertigteilhaus kann durchaus Passivhaus-Standard erreichen, es kommt immer darauf an, wie die Qualität der Dämmung ausfällt. Verwendet werden hier dieselben Dämmstoffe wie beim Massivbauhaus, besonders häufig also Styropor- und Hartschaumplatten sowie Mineralfaserplatten. Holzfaserdämmplatten kommen zunehmend bei einzelnen Herstellern vor, auch ökologische Materialien wie Schafwolle oder Kork sind zur Dämmung einsetzbar, kosten aber mehr.

Ein Blick auf die Wand des Fertigteilhauses

Ein Holzhaus besitzt natürlich eine hölzerne Beplankung, zum Beispiel aus massiver Kiefer. Andere Gebäudetypen beinhalten zum Beispiel mehrschichtige Bauplatten, ebenso wie Gipslatten und Holzwerkstoffe wie OSB- oder Spanplatten.

Unser Tipp: Achte darauf, möglichst schadstofffreie Platten zu verbauen, die den für Österreich und Deutschland geltenden Formaldehyd-Grenzwert von 0,1 ppm nicht überschreiten. Dies ist ausschließlich bei den Emissionsklassen E0 und E1 der Fall.

Oftmals wird im Innenbereich der Wand eine Folie als Dampfbremse eingefügt, doch es gibt auch Fertigteilhäuser ohne diese Komponente. Diffusionsoffene Wände ohne Dampfbremsfolie sollten so beschaffen sein, dass die Wand sich nach innen hin immer mehr »schließt«, zum Beispiel indem man satt Hartschaum Holzfaserdämmplatten verwendet. Eine winddichte Oberfläche der Außenwand vermeidet unkontrollierte Wärmeverluste, auch die Feuchtigkeit bleibt damit draußen.

Installationsebene und Schallschutz: zwei wichtige Faktoren

Viele Fertighäuser besitzen eine separate Installationsebene für die Wand, damit Kabel und Rohre nicht durch die eigentliche Wandkonstruktion verlaufen. Das mag vielleicht teurer sein, ist aber auch sehr sinnvoll. So wird die Dichtigkeit der Außenwände nicht durch die notwendigen Installationen beeinflusst, auch Erneuerungsarbeiten und Reparaturen lassen sich viel einfacher durchführen. Die Innenseite des Hauses erhält dabei einfach eine weitere gedämmte Holzkonstruktion, die alle Anschlüsse und Leitungen aufnimmt.

Wer lebt schon gerne in einem Haus, bei dem jedes Geräusch von außen ungedämpft zu hören ist? Um Straßenlärm und sonstige unschöne akustische Erscheinungen auszublenden, hilft ein effektiver Schallschutz. Wände aus schweren Materialien unterbinden die Wanderung der Schallwellen am besten, darum sind in lauter Umgebung zementgebundene Spanplatten und Gipsfaserplatten als Fertighausbeplankung gefragt.
Mit einem etwas größeren Budget kann der Bauherr sich auch seine Außenwände verklinkern lassen oder sie anderweitig schalldämmend verkleiden. Das wertet die Fassade zusätzlich optisch aus, sodass das Gebäude am Ende ebenso schick aussieht wie das nachbarliche Massivbauhaus.

Wie hoch sind die Kosten für ein Fertigteilhaus?

Wünschst du dir einen Keller zu Ihrem Fertigteilhaus? Die Basis-Varianten werden normalerweise ohne Keller, sondern mit Bodenplatte angeboten. Ein Keller kostet dich ungefähr 25.000 bis 50.000 Euro, außerdem verlängert sich natürlich die Bauzeit. Die Häuser an sich sind je nach Anspruch des Bauherrn unterschiedlich teuer, ein einfaches Gebäude ist bereits für unter 100.000 Euro zu haben. Dafür erhältst du allerdings ein Häuschen, das die Quadratmeterzahl einer kleinen Wohnung kaum überschreitet.

Du kannst durchaus auch 300.000 Euro oder mehr für dein Fertigteilhaus zahlen, denn vom Mittelklassehäuschen bis zur Luxusvilla ist in diesem Bereich alles »drin«. Für ein durchschnittliches Gebäude solltest du mit einem Preis von 1.300 bis 1.500 Euro je Quadratmeter Wohnfläche rechnen, ohne die üblichen Baunebenkosten und ohne das Grundstück.

Ausbauhäuser, die viel Eigenleistung erfordern, sind naturgemäß günstiger zu haben als schlüsselfertige Fertigteilhäuser, die beinahe bezugsfertig ausgeliefert werden. Fordere schriftliche Angebote mit ausführlicher Leistungsbeschreibung von deinem ausgewählten Herstellern an, um eine gute Vergleichsbasis zu haben. Dann ermittele das beste Preis-Leistungs-Verhältnis für deine Zwecke.

Unser Tipp: Wenn du dir von Anfang ein festes Kostenlimit setzt, dann gerätst du nicht allzu sehr in Versuchung, hier und da noch etwas dazu zu bestellen. Denn gerade die vielen netten Kleinigkeiten können einen Neubau unvorhersehbar teuer machen.

Preisbeispiel für ein Fertigteilhaus mit 150 qm Wohnfläche

Eine Familie erfüllt sich den Traum vom eigenen Heim, kauft sich ein Grundstück und lässt darauf ein schlüsselfertiges Fertigteilhaus errichten. Das neue Haus besitzt einen Keller und bietet 150 qm Wohnfläche.

1. Grundstückspreis: 50.000 Euro
2. Keller: 25.000 Euro
3. Fertighaus, schlüsselfertig: 195.000 Euro
4. Baunebenkosten: 30.000 Euro

Gesamtpreis: 300.000 Euro

Gerade wenn du als Familie mit Kindern in dein neues Fertigteilhaus einziehen möchtest, ist es empfehlenswert, schon beim Bau auf flexible Nutzungsmöglichkeiten zu achten, damit du auch noch im Seniorenalter Freude an deinem Eigenheim hast.

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