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Fête Impériale in der Hofreitschule: Gast-
geberin Elisabeth Gürtler rockt selbst mit!

Elisabeth Gürtler: Die einstige Opernball-Mutter sehnt sich nach jungem Partyvolk & ausgelassener Stimmung. Bei der „Fête Impériale“ rockt sie selbst mit!


Fête Impériale in der Hofreitschule: Gast-
geberin Elisabeth Gürtler rockt selbst mit!
© Roland Ferrigato

Ich erinnere mich noch, als ich ein 20-jähriges Mädel war. Da gab es den Ball der Silbernen Rose im Palais Schwarzenberg. Wir jungen Leute sind zwischendurch über eine Mauer in den Park geklettert und gingen unter dem sternenbedeckten Nachthimmel spazieren. Diese Hürde in einem langen, luftigen Kleid zu nehmen war nicht einfach, aber das Freiheitsgefühl hinterher umso schöner!“, schwärmt Elisabeth Gürtler von einprägsamen Erlebnissen in ihrer Jugend.

Und jetzt, wo sie 60 geworden ist, gelüstet es die ehemalige Opernball-Mutter, die seit zwei Jahren die Zügel der Spanischen Hofreitschule in der Hand hat, wieder nach einem modernen Sommerball! „Weniger Stoff, weniger steif“, lacht sie. „So wie die Leute in Italien und Spanien. Die sind viel offener und lebendiger als hier. Mit der Fête Impériale am 10. Juli in der Winterreitschule will ich das ändern. Die Stadt als Kulisse, die Gäste Teil einer Inszenierung! Der älteste Ballsaal der Welt aufgepeppt durch eine stylishe Dekoration, tolle Bars und Lounges und hippe Musik von Szene-DJs. Das schafft Entspannung und eine unvergessliche Location“, sprudelt es aus Gürtler in völlig ungewohntem Jargon.

Und es kommt noch besser: „Natürlich werde ich auch selbst tanzen, soweit ich das eben kann“, versichert sie. Im schlimmsten Fall können sie ja Tanzschulbesitzer und „Krocha-Spezialist“ Thomas Schäfer-Elmayer, „Skandal“-Choreograf Renato Zanella (sein Ballett ließ einmal am Opernball die Hosen runter) oder Event-Guru Andi Lackner (er richtet eine Woche später auch den Life Ball aus) für den Dancefloor schulen. Denn alle drei hat Gürtler zwecks tatkräftiger Unterstützung in ihr Ballteam geholt. „Sie werden sehen, dieser Sommerball wird lockerer als alles, was es sonst an klassischen Bällen gibt...“

Hintergrund des Spektakels ist aber kein „Konkurrenzkampf“ mit anderen Nobelbällen, sondern ein gesetzlicher Forschungsauftrag, den die Spanische Hofreitschule erfüllen muss: Wissenschaftliches Arbeiten über die Lipizzanerzucht – die älteste Kulturpferderasse – braucht freilich das nötige Kleingeld. Doch anstatt ausschließlich die finanzkräftige Wirtschafts-, Polit- und Kulturszene zu ködern, hat die Hofreitschul-Chefin ein neues Publikum im Visier: die nächste Generation. „Meine Zielgruppe ist jung, locker und genussfähig. Die Jungen bleiben wenigstens am Ball, tanzen, werden nicht müde und amüsieren sich bis 4 Uhr früh! Deshalb verkaufen wir Studentenkarten um 40 Euro.“

Und damit so viele wie möglich das imposante Fest besuchen, holt Gürtler mittels Flyer das Partyvolk dort ab, wo es sich sonst herumtreibt: in angesagten Tanztempeln und über Facebook und Twitter. „Ich werde auch bloggen“, zeigt sie sich virtuell bewandert. „Und ja, wer debütieren möchte, soll einfach am 17. Juni um 18 Uhr in die Salons der Hofreitschule zum Vortanzen kommen. Sogar aus Übersee haben wir Anmeldungen...“

Wer Gürtler die jugendliche Vitaminspritze verpasst hat, wollen wir wissen. „Ich mir selbst! Aber stellen Sie sich vor, ich müsste den Ball in Eigenregie machen, das könnte nicht gut gehen“, gibt sie ehrlich zu. Und weil ihr der Ruf vorauseilt, dass alles zu Gold wird, was sie angreift, ist sie auch klug genug, um Entscheidungen zu delegieren. Gürtler: „Zugegeben, es ist schwierig, eine Zielgruppe anzusprechen, zu der man selbst nicht mehr gehört. Deshalb lasse ich junge Leute arbeiten. Den Eleven der Hofreitschule zum Beispiel steht mein Büro für spritzige Ideen zu dem Event, aber auch generell offen. Ich will ihnen gar nicht dreinreden und ihnen erklären wie es richtig ist. Ich akzeptiere, was junge Leute gut finden. Nur so lebt eine ehrwürdige Institution weiter!“ Belohnt wird das freiwillige Engagement so, dass Gürtler gute Ideen durchführt. „Das ist die größte Gratifikation. Und man rückt natürlich schneller auf in der Hierarchie!“

Dass Sohn Georg, 31, und Tochter Alexandra, 34, – sie lebt mit ihrem Ehemann, Ex-Grasser-Kabinettschef Matthias Winkler, und den Kindern Florina, 4 1/2, und Valentin, 2 1/2, wie Gürtler im noblen Grinzing – ihrer engagierten Mutter immer wieder empfehlen, leiserzutreten, goutiert diese mit einem Lächeln. „Für eine intensive Großmutterrolle fühle ich mich noch zu jung. Und nachdem ich die Kleinen ohnehin nicht sehr viel sehe, habe ich auch kein schlechtes Gewissen, wenn ich für den Beruf lebe! Familie ist da leider nur ein ganz kleiner, aber sehr wichtiger Teil. Das ist schlimm, aber ich kann nicht nur ein bisschen arbeiten. Man kennt die Leute, mit denen man arbeitet, meist besser als den eigenen Partner. Wenn ich von halb neun Uhr früh bis zehn am Abend weg bin, wie viel Zeit habe ich dann noch? Daher ist mir Qualitätszeit mit meiner Familie und dem Helmuth Lohner wichtiger als die Anzahl der Stunden.“

Und weil im Leben laut Gürtler „alles seine Zeit“ hat, bleibt sie auch in Sachen Fête Impériale demütig und bescheiden. „Irgendwann werde ich mir vielleicht fehl am Platz vorkommen, meinen Enthusiasmus für den Arbeitsprozess nicht mehr so spüren. Dann werde ich die Größe haben und sagen: ‚Ich gehe, denn ich schade mehr, als ich bewirke.‘ Man muss wissen, wann man ausgedient hat …“ Doch zurzeit hat man eher den Eindruck, dass Madame Gürtler neu durchstartet. „Ich habe immer Ziele. Das verleiht Spannung und Energie...“

Infos
Alle Facts zur Fête Impériale finden Sie HIER !

Redaktion: Petra Klikovits