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Instarexic: Gefährlicher Fitness-Trend

Dürre Taille, harte Oberschenkel: Immer mehr junge Frauen präsentieren auf Instagram ihre trainierten Körper. Warum der #fitspo-Wahn gefährlich werden kann.


Instarexic: Gefährlicher Fitness-Trend

Celia Learmonth aus London: Das Fitness-Rolemodel machte seine Magersucht öffentlich

© Instagram/LondonFitnessGuide

Die Britin Celia Learmonth ist jung, hübsch und ganz offensichtlich ein Vorbild für rund 25.000 Follower auf Instagram. 318 Likes gibt es für ein Foto, auf dem sie ihre durchtrainierten Beine über den Kopf dehnt, 298 für einen kurzen Clip, in dem sie ihre Squats im Fitnessstudio dokumentiert.

Täglich serviert Celia ihren Fans die Zutaten, die zu ihrem Super-Body führen. Harter Sport. Tägliches Workout. Und eine Ernährung, die 1.500 Kalorien am Tag nicht überschreiten darf. Ein Leben voller Disziplin, eine Selbstkasteiung, die nun Mediziner zu lauten Warnrufen bringt. Denn immer mehr junge Frauen präsentieren unter Hashtags wie #fitspo (steht für "Fitness" und "Inspiration") die Anleitung zum durchtrainierten Super-Body. Und überschreiten dabei nicht nur ihre eigenen Grenzen, sondern treiben auch ihre Anhängerinnen in einen gefährlichen Fitness-Wahn.

Der englische Mediziner Henry Kimpton: "Wer kein Leistungssportler ist und seinem Körper trotzdem und vor allem ohne professionelle Begleitung an solche Grenzen bringt, geht ein hohes gesundheitliches Risiko ein." Dazu komme noch die psychische Komponente: "Ähnlich wie bei Magersucht geht es bei diesem Fitness-Wahn um den Versuch, den Körper unter Kontrolle zu bringen. Das hat zum Teil mit einem geringen Selbstbewusstsein der jungen Frauen zu tun, die sich vor allem über ihr Äußeres definieren." Doch bei manchen stecke auch der verzweifelte Wunsch dahinter, wenigstens einen Teil ihres Lebens im Griff zu bringen.

Kimpton, der dafür den Begriff "Instarexic" (eine Kombination aus "Instagram" und "Anorexie") prägt: "Statt wie Bulimikerinnen nach einer Fressattacke den Finger in den Rachen zu stecken, rennen diese Frauen nach jeder vermeintlichen "Sünde" ins Fitnessstudio und quälen sich zur Wespentaille."

I guess this is the photo of the day. I'm Celia Learmonth, and like many others, I struggle with Anxiety and a distorted perception of my abilities, which has resulted in a poor body image. I find it very hard to congratulate, and all too often, over the most insignificant things, self-flagellate. I shamefully admit that I am a fraudulent fitness blogger- or at least that's how I feel. Firstly, thank you to those who have contacted me with your kind supportive words, but I'm afraid I have to respectfully disagree when you have said that what I have done has been "brave". Quite the contrary, I feel rather cowardly being in this position, hiding my "Slimconvenient Truth" from you over the past few months, and then hiding behind a newspaper to do my talking for me, and would now like to set the record straight, with my voice. September 2014, my life started to crumble around me due to a rather turbulent family time. I felt I was rapidly losing a grip on the things I had worked so hard to build up, and my Achilles heel- my body image and my relationship with food- was ruptured and I was catapulted back into old thought patterns and behaviours. I realised I had created an alter ego, and felt I had to keep up appearances to stay afloat. It wasn't that I wished to be actively deceitful- it was more a hope that by keeping my Instagram going, I would help myself 'get back on track' - but now, almost a year on, despite my efforts to tread water and stay afloat, I'm crestfallen to admit that I have not been able to help myself get back to balance. I can only fit so much into one post but will follow up with a blog post this week to clarify and explain further. I apologise for leading you to believe something that I'm not. It was a tool to try and inspire myself to find this balanced life, but has just taken much longer than I'd hoped and I had dug myself in too deep to express how I've truly felt over the course of this year. I hope you understand and give me a chance to find my feet again.

Ein von Celia Learmonth (@londonfitnessguide) gepostetes Foto am

Auch Celia Learmonth, die auf Instagram unter dem Namen "LondonFitnessGuide" postet, musste sich und ihren Fans kürzlich eingestehen, dass sie in ein gefährliches Fahrwasser geraten war. In einem offenen Brief an ihre Fans formuliert sie:

"Nach einer schwierigen Zeit war mein Selbstbewusstsein 2014 aus den Fugen geraten. Ich fand mich minderwertig, mein Körperbild geriet aus den Fugen. Ich hatte einen Rückfall und wurde wieder magersüchtig. Um den Schein zu wahren, schuf ich mir auf Instagram ein Alter Ego. Eine fitte junge Frau, die ihren schlanken Körper allein diszipliniertem Workout und kalorienarmer Ernährung verdankt. Die Likes der Follower waren mein Beifall, ich wurde süchtig nach virtuellem Applaus und trainierte noch härter, um mehr davon zu bekommen. Jetzt ist der Punkt gekommen, an dem ich mir und euch eingestehen muss, dass ich den Kopf nicht mehr selbst über Wasser halten kann. Ich benötige Hilfe, um wieder zu einem normalen Leben und normalen Körperbewusstsein zu finden. Sport und gesunde Ernährung werden ein Teil dieses Lebens sein – aber die Grenzübertretung endet hier."